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Bäckerlehre in Bautzen auf der Kippe

Sachsen will die Berufsausbildung neu ordnen. Dadurch drohen Azubis weitere Wege.

Nicht in den Ofen, sondern ins heiße Fett kommen die Donuts. Das Einmaleins des Backens lernen angehende Bäcker und auch Bäckereifachverkäufer – wie hier vor drei Jahren Nadine Leidig (l.) und Jessica Jablonsky. Aber wie lange noch?
Nicht in den Ofen, sondern ins heiße Fett kommen die Donuts. Das Einmaleins des Backens lernen angehende Bäcker und auch Bäckereifachverkäufer – wie hier vor drei Jahren Nadine Leidig (l.) und Jessica Jablonsky. Aber wie lange noch? © Robert Michalk

Bautzen. In den nächsten Wochen endet für Tausende junge Leute die Lehrzeit. Wenig später beginnt das neue Ausbildungsjahr – aus Schülern werden dann Lehrlinge. Bei Mädchen steht als Berufswunsch Verkäuferin am höchsten im Kurs, Jungen möchten am liebsten Kfz-Mechatroniker werden. Bäcker gehört zwar nicht zu den meistgenannten Wünschen. Aber immerhin beginnen jedes Jahr zehn, zwölf junge Leute im Beruflichen Schulzentrum Bautzen ihre Ausbildung in diesem Handwerksberuf.

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Doch es könnte passieren, dass in diesem Spätsommer zum letzten Mal angehende Bäckerlehrlinge in die Außenstelle des Schulzentrums an der Erich-Pfaff-Straße kommen. Geht es nach Sachsens Kultusministerium, soll die Ausbildung junger Bäcker in der Oberlausitz ab 2021 nämlich in Görlitz konzentriert werden.

Das Ministerium möchte die Berufsausbildung im Freistaat neu sortieren. Einem ersten Entwurf zufolge würde Bautzen außer den Bäckern auch die Ausbildung von Friseuren an Görlitz verlieren. Dafür würden in der Spreestadt Berufe wie Metallbauer und Elektroniker gestärkt. Diese Sparten sollen Berufliche Schulzentren aus Dresden, Löbau und Riesa ganz oder teilweise an Bautzen abgeben.

Kultusminister will „Angebote bündeln“

An den Schülerzahlen würde sich durch den Wechsel nicht viel ändern. Am Beruflichen Schulzentrum Bautzen lernen derzeit mehr als 1.750 junge Leute. Schon jetzt steht Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit 155 Lehrlingen an erster Stelle der Ausbildungsberufe.

Dem Entwurf des Kultusministeriums zufolge sollen alle 61 Beruflichen Schulzentren in Sachsen erhalten bleiben. Minister Christian Piwarz (CDU) schwebt nicht nur der Erhalt, sondern die „Weiterentwicklung zu beruflichen Kompetenzzentren“ vor. Dazu sollen Ausbildungsangebote gebündelt werden. Gehen alle Pläne auf, würde der Landkreis Bautzen unterm Strich 343 Lehrlinge dazugewinnen, hat das Landratsamt nach Auskunft von Sprecherin Sabine Rötschke errechnet.

Ministerium hält Konzentration für nötig

Die Kreishandwerkerschaft ahnt schon länger, dass Bautzen die Bäckerausbildung verlieren könnte, sagt Geschäftsführerin Sabine Gotscha-Schock. „Momentan sind wir dabei, bei den Innungen die Meinung unserer Ausbildungsbetriebe zu erfragen.“ Bis kommende Woche soll die Handwerkskammer Dresden dann eine entsprechende Stellungnahme aus Bautzen bekommen. „Insbesondere steht natürlich die Bäcker- und Friseurausbildung bei uns im Fokus, da hier in den letzten Jahren moderne Bedingungen in Bautzen geschaffen wurden, die dann stillgelegt würden“, argumentiert Sabine Gotscha-Schock.

Susann Meerheim vom Kultusministerium verweist darauf, dass es sich bei dem vorliegenden Papier um einen Entwurf handelt. Dieser soll jetzt sachsenweit diskutiert werden. Die Referentin des Ministeriums bestätigt, dass die Ausbildung von Bäckern und Friseuren in Görlitz gebündelt werden soll. „Die Entwicklung der Schülerzahlen im ostsächsischen Raum in den zurückliegenden Jahren macht eine Konzentration in den genannten Ausbildungsberufen an jeweils einem Standort nötig. Im Gegenzug sollen Ausbildungsberufe aus den Bereichen Metalltechnik, Elektrotechnik sowie Wirtschaft und Verwaltung am Beruflichen Schulzentrum Bautzen gestärkt werden.“ Nach dem Dialog zu diesen Ideen soll bis zum Herbst etwas Beschlussreifes auf dem Tisch liegen.

Lehrlinge fahren quer durch die Oberlausitz

Der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann sähe es lieber, wenn Lehrlinge in Lebensmittelberufen in kleineren Gruppen an mehreren Orten in der Oberlausitz lernen würden. „Die lokale Nähe der Ausbildung ist ein entscheidender Faktor für das regionale Handwerk“, so der CDU-Politiker. Doch der Kultusminister beruft sich auf festgelegte Mindestschülerzahlen. Würde die Bäckerlehre in Görlitz konzentriert, bliebe sie dem ländlichen Raum erhalten. Zudem sei in der Neißestadt im ersten Lehrjahr gemeinsamer Unterricht angehender Bäcker, Konditor und Backwarenverkäufer möglich.

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Schiemann überzeugt das nicht. Er bleibt bei seiner Forderung nach ortsnaher Lehre – auch aus einem ganz praktischen Grund: Denn wer zum Beispiel in Weifa oder Bischheim-Häslich wohnt und Bäcker lernt, müsste dann zur Görlitzer Berufsschule quer durch die ganze Oberlausitz fahren.

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