merken
PLUS Hoyerswerda

Bäder der Region liegen auf dem Trocknen

Schwimmhallen sind wegen Corona seit März geschlossen. Das macht Betreibern Probleme, schafft aber auch Freiräume.

Jörg Funda im Saunadorf der Erlebniswelt Krauschwitz. Links von ihm die Badeplattform, die erneuert wird. Rechts steht die Rauchsauna, hinter der Liegeplätze entstanden.
Jörg Funda im Saunadorf der Erlebniswelt Krauschwitz. Links von ihm die Badeplattform, die erneuert wird. Rechts steht die Rauchsauna, hinter der Liegeplätze entstanden. © Foto: Sabine Larbig

Hoyerswerda/Weißwasser. Seinen Dienstbeginn als Geschäftsführer des Hoyerswerdaer Lausitzbades, sagt Matthias Brauer, habe er sich schon anders vorgestellt. Am 1. März trat der bisherige Betriebsleiter die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten Rainer Warkus an. Zwei Wochen später musste er wegen der Restriktionen zur Eindämmung von Covid-19 den Bade-, Sauna- und Gastronomiebetrieb einstellen. „Das Bad ist wie im Dornröschenschlaf“, sagt Brauer. Die großen Umwälzpumpen im Keller sind mit Konservierungsmitteln gefüllt und versiegelt, das Wasser ist aus den Becken abgelassen. Letzteres ist nicht ganz unproblematisch: Es haben sich schon Spannungsrisse an einzelnen Fliesen gezeigt.

In den vergangenen Tagen ist im Bad viel gereinigt sowie hier und da ein wenig repariert worden. Ein Sperrmüllcontainer vorm Gebäude zeugte davon, dass sich über die Zeit auch Sachen ansammeln, die entweder nicht mehr zu gebrauchen oder nicht mehr zu reparieren sind. Matthias Brauer nutzt die Zwangspause gemeinsam mit dem Management der Badmutter, der Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH), auch zum Tüfteln und Planen. „Wir arbeiten weiter an unserem Modernisierungskonzept“, berichtet er.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Normalerweise arbeiten im Lausitzbad 37 Frauen und Männer. Wie für so viele andere Werktätige auch gilt für sie aktuell Kurzarbeit. Immerhin: Die SWH-Gruppe mit all ihren Töchtern hat sich eine Vereinbarung der Gewerkschaft verdi und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände angeschlossen, das Kurzarbeitergeld auf 95 Prozent aufzustocken. Matthias Brauer sagt, man brauche schließlich, wenn man wieder öffnen könne, weiterhin motivierte Mitarbeiter. Er wiederholt, was er im Februar schon bei seiner Berufung im Stadtrat gesagt hat: Der Erfolg des Bades ruhe auf vielen Schultern.

Schließung und Kurzarbeit betrifft auch die Erlebniswelt Krauschwitz mit Solebecken, Gradierwerk, Saunalandschaft und Saunadorf. „Ich habe großes Verständnis für die Maßnahmen zum Schutz der Gesellschaft. Er wiegt höher als wirtschaftliche Interessen. Dennoch hätten wir im Bad gute Voraussetzungen, um Kontakt- und Schutzmaßnahmen umsetzen und bald wieder öffnen zu können“, sagt Geschäftsführer Jörg Funda. „Die Menschen können sich überall aus dem Weg gehen. Zudem gelten für Bäder sowieso strenge Regeln durch Badewasserverordnung und Infektionsschutz.“ Über baldige Wiedereröffnungen von Bädern nachzudenken, dafür appelliert auch der Bundesfachverband öffentliche Bäder. Ziel ist es, die Einrichtungen, deren Träger meist Kommunen oder kommunale Unternehmen sind, vor dem wirtschaftlichen Ruin zu retten. An eine Öffnung vor Mai oder Juni glaubt Jörg Funda allerdings nicht.

Im Spaßbad wird die Zwangspause für Jahresabschluss, Buchhaltung, Mitarbeitergespräche und die Umstrukturierung interner Abläufe zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die rund 20 Mitarbeiter und Azubis genutzt. „Wir planen, künftig Kurse zusammenzufassen, Gäste- und Technikbetreuung umzuorganisieren.“ Die Schließzeit durch Corona, sagt Funda, ermögliche, Abläufe und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen, neu- und umzudenken. Sie habe somit auch eine gute Seite.

Ideal nutzbar ist die Corona-Zwangspause auch für Umbauarbeiten. Weil die Zahl der Saunagäste wächst, wurde im Saunadorf ein defekter Zaun erneuert und versetzt, wodurch zusätzlicher Platz für Ruheliegen und eine weitere Attraktion entstanden. Erneuert wird ebenfalls die Badeplattform. Die Holzarbeiten sind erledigt. Gestern wurde ein neuer Badezuber, der seit Monaten im Lager stand, gegen den alten ausgetauscht. Sonst erfolgen im Bad Reinigungen und Kleinreparaturen, laufen Anlagen teilweise weiter. „Das große Becken und das Edelstahl-Außenbecken können wir aus statischen Gründen nicht ablassen, weshalb Umwälzung, Filteranlage, Chlorung im kleinen Kreislauf arbeiten“, begründet Funda. Dies verursache Kosten, sei jedoch günstiger als mögliche Schäden.

Durch Corona vorzeitig in der Sommerpause ist die Schwimmhalle Weißwasser. Das Wasser ist abgelassen, Systeme sind runtergefahren. Mitarbeiter machen kleinere Wartungsarbeiten. Großmaßnahmen oder Prüfungen sind an Fachfirmen und feste Termine gekoppelt und somit aktuell nicht möglich. „Allerdings ist ein Beschluss bei den Stadträten im Umlaufverfahren, um den Ersatz eines Filters in die Wege zu leiten, ohne den die Schwimmhalle den Betrieb nicht wieder aufnehmen kann“, erklärt Stadtsprecher Wulf Stibenz. Kurzarbeit gibt es für die Mitarbeiter - wie für die ganze Stadtverwaltung Weißwasser - nicht, da sie flexibel eingesetzt werden. So sind zwei Mitarbeiter der Schwimmhalle derzeit im Ordnungsamt mit auf Streife, zwei weitere sind den Hausmeistern im Rathaus zugeteilt und weitere zwei sind zur Objektbetreuung und auf Abruf eingesetzt.

Der Februar war von den Besucherzahlen her einer der besten Monate in der Lausitzbad-Geschichte. Nun ist Matthias Brauer fast allein im Bad.
Der Februar war von den Besucherzahlen her einer der besten Monate in der Lausitzbad-Geschichte. Nun ist Matthias Brauer fast allein im Bad. © Foto: Mirko Kolodziej

Mehr zum Thema Hoyerswerda