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Bäder stellen sich auf Asylbewerber ein

Ein Vorfall in einem Dresdner Bad sorgt für Verunsicherung. Die Bäder im Altkreis haben einen eigenen Umgang damit.

© Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Altkreis. Meldungen über Belästigungen durch Asylbewerber an Kindern und Frauen in Schwimmbädern vermiesen manchem das Badevergnügen. Jüngster Vorfall: Im Dresdner Georg-Arnhold-Bad soll ein 19-jähriger Afghane vier Mädchen zwischen elf und 13 Jahren mehrmals unsittlich berührt haben. Die Kinder erzählten dem Bademeister davon. Dieser alarmierte die Polizei, die den Asylbewerber vorläufig festnahm. Das Ermittlungsverfahren läuft, der Mann wurde zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt. Was bleibt, ist Verunsicherung.

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Der DA hat bei den Bädern im Altkreis nachgefragt: Gab es bereits ähnliche Fälle? Wurde das Personal dafür sensibilisiert? Und gibt es möglicherweise sogar schon Badeverbote für erwachsene, männliche Flüchtlinge wie das kurzzeitig in der nordrhein-westfälischen Stadt Bornheim der Fall war?

Im Döbelner Stadtbad gebe es bisher keine Probleme mit Asylbewerbern. Diejenigen, die da gewesen sind, hätten sich zu benehmen gewusst, sagt Simone Jentzsch. Sie arbeitet bei den Döbelner Stadtwerken als Personalleiterin und Betreuerin für das Stadtbad. Wie viele Asylbewerber genau bisher die Angebote genutzt haben, werde nicht separat erfasst. Menschen seien schließlich Menschen, egal welcher Nationalität sie angehören.

Hinweise auf vier Sprachen

Dennoch haben sich die Stadtwerke als Betreiber der städtischen Badeanstalt auf die gestiegene Zahl der arabisch sprechenden Menschen eingestellt. „Hinweisblätter zum Verhalten im Bad haben wir bereits in den Sprachen arabisch, russisch, englisch und deutsch ausgehangen“, erklärt Simone Jentzsch. Die Aushänge beziehen sich auf das richtige Verhalten im Bad: vor dem Gang ins Becken abduschen, auf Anweisungen des Badpersonals hören und dergleichen. Und die Verantwortlichen gehen noch einen Schritt weiter: „Die Bade- und Saunaordnung lassen wir derzeit ins Englische und Arabische übersetzen“, ergänzt Simone Jentzsch.

Eine öffentliche Sauna gibt es auch im Sport- und Freizeitzentrum WelWel in Döbeln. „Es kann kommen, wer will, solange er sich benimmt. Bisher haben aber noch keine Asylbewerber die Sauna genutzt, soweit ich weiß“, erzählt Geschäftsführer Thorsten Hartwig. Ähnliches gelte für die Nutzung des Fitnessstudios. Dennoch kommen regelmäßig Asylbewerber in den Komplex an der Fichtestraße. „Montags spendieren wir ihnen zwei bis drei Bowlingbahnen. Das wird gut angenommen“, sagt er. Ihm sei außerdem positiv aufgefallen, dass gerade die Asylbewerber überaus freundlich wären. „Sie sagen Guten Tag, Auf Wiedersehen, Bitte und Danke. Das macht auch nicht jeder“, so Hartwig. Die Nutzungsbedingungen für den Sportkomplex ins Arabische zu übersetzen, sei momentan nicht notwendig. „Wenn jemand die Regeln nicht kennt, kann er sie erfragen“, ergänzt der Geschäftsführer.

Gerüchte um freien Eintritt

Im Roßweiner Stadtbad gibt es außer dem Schwimmbecken auch einen Saunabereich. Beides hätten bisher keine Asylbewerber genutzt, sagt Badchef Jens Göhler. Trotzdem hat das Personal Erfahrung im Umgang mit den Flüchtlingen. Denn bereits vor dem Sommer waren die ersten nach Roßwein und somit auch ins Freibad gekommen. „Wir hatten deshalb die Badeordnung relativ zügig ins Arabische übersetzt“, so Göhler. Im Stadtbad arbeite man ohnehin viel mit Piktogrammen, die allgemeinverständlich sind. Die überschaubare Größe der Schwimmhalle sei ein Vorteil. „Wir sind sehr nah am Gast dran. Man merkt schnell, wenn etwas nicht stimmt oder jemand sich nicht zurechtfindet“, sagt Jens Göhler.

In Roßwein kursiert das Gerücht, Asylbewerber würden freien Eintritt erhalten. Das sei nicht korrekt. „Weil sie aber den Hartz-IV-Satz bekommen, haben sie ein Recht auf Ermäßigung“, erklärt der Badchef. Warum bisher keine Asylbewerber den Weg in die Schwimmhalle gefunden haben, kann er sich nicht erklären. Doch spätestens nächsten Monat wird sich das ändern. Denn Mitglieder des Bündnisses „Willkommen in Roßwein“ (WiR) haben gemeinsam mit dem Frauenverein der Kirche einen Badenachmittag für Frauen und Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften organisiert. „Gestern habe ich mit zwei jungen Syrerinnen gesprochen. Sie waren von der Idee begeistert und wollen sie weitersagen“, erzählt Katrin Köhler von WiR. Es habe sich ein Sponsor gefunden, der die Schwimmbad-Miete für einen Sonnabendnachmittag übernimmt.

In Gesprächen habe sie erfahren, dass in Syrien Frauen und Männer durchaus gemeinsam ein Stadtbad nutzen. „Sie bevorzugen aber das getrennte Schwimmen“, erzählt Katrin Köhler. Ähnlich wie in Deutschland gäbe es auch in Syrien Schwimmunterricht in den Schulen. Wenn die Frauen und Kinder ins Roßweiner Stadtbad kommen, sollen ihre Schwimmfähigkeiten dennoch unter Aufsicht getestet werden, so Katrin Köhler.