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Bänker halten Deckel dicht

Der Flecken Edle Krone hat die Flut voll abbekommen. Am schlimmsten tobte sich das Wasser auf dem Anwesen der Familie Pfanne aus. Zwei ganze Häuser, dazu Schuppen und Brücken fraß die Wilde Weißeritz. Seit dem ist kaum etwas passiert, weil das Aufbau-Geld nicht kommt.

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Von Jörg Stock

Der Flecken Edle Krone hat die Flut voll abbekommen. Am schlimmsten tobte sich das Wasser auf dem Anwesen der Familie Pfanne aus. Zwei ganze Häuser, dazu Schuppen und Brücken fraß die Wilde Weißeritz. Seit dem ist kaum etwas passiert, weil das Aufbau-Geld nicht kommt.

Vor drei Wochen war es, da fand Thomas Pfanne 5 000 Euro Soforthilfe von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) auf seinem Konto. Das Geld sollte ihm den Neuanfang erleichtern, nachdem sein Haus in die Fluten gestürzt war. Schon im Oktober letzten Jahres hatte er es beantragt. Seine Mutter Hannelore ist verbittert. „Das ist die schnelle und unbürokratische Hilfe unserer Regierung“, sagt sie kopfschüttelnd. Ein Jahr nach der Flut ist ihr Resümee eher traurig. Die Koordination der Hilfe sei schlecht gewesen, vieles habe viel zu lange gedauert. „Oft hatte ich das Gefühl, dass Leute an der falschen Stelle saßen.“

Dem Ehepaar Pfanne und ihren Kindern hat die Flut übel mitgespielt. Ihr Anwesen in Edle Krone liegt zwischen der Weißeritz und dem Felsen wie auf einem Präsentierteller. Der Fluss schoss damals von Dorfhain her um die Kurve, zertrümmerte mit seinem Schwemmgut Brücke und Stützmauer und fraß sich in das Grundstück der Pfannes, bis die beiden Häuser im Vorderteil haltlos in die Fluten krachten. Nur ein Schuppen und die Karosse darin blieben verschont.

Jetzt ist auch davon nichts mehr zu sehen. Das gesamte Areal flussabwärts des Haupthauses, ehemals Silbergrube „Unverhofft Glück“, ist planiert. Nur an der Felswand lehnen noch ein paar Schuppenmauerreste. Ein Gartenteich mit einem kleinen Springbrunnen plätschert in der Wüstenei, sonst ist alles kahl. „Ein Haus bauen wir hier nicht mehr“, sagt Andreas Pfanne entschlossen. An diesem Entschluss ändert auch die massive Stützmauer nichts, die unterhalb des Plateaus schon wieder dicke da ist.

Das Bollwerk ist der einzige erkennbare Baufortschritt auf dem Areal. Dabei haben Pfannes schon fast 100 000 Spenden-Euros ins Haupthaus investiert, um Flutschäden zu reparieren. In dem imposanten Minenbau wohnen jetzt außer ihnen noch die zwei erwachsenen Kinder Thomas und Katherina und ihre jüngste Tochter Constanze, die erst zehn ist.

Pfannes sitzen wie auf Kohlen und würden sofort mit dem Wiederaufbau ihres Anwesens beginnen. Doch das nötige Geld hat die SAB noch nicht heraus gerückt. Eine Gutachterfirma, die Pfannes schon im letzten Oktober mit der Schadensermittlung beauftragten, machte ihre Arbeit schlecht und konnte das Papier bis zum Januar nicht liefern. Die Familie musste einen zweiten Experten zu Rate ziehen. Der schaffte es dann in vier Wochen, den Schaden festzustellen.

Seit Ende März liegt der Antrag der Pfannes auf Finanzhilfe jetzt bei der SAB. Die Bank will darüber aber erst entscheiden, wenn die Baugenehmigungen für die beiden Projekte vorliegen – Hausneubau von Sohn Thomas und Brückenneubau als Zufahrt für das Grundstück.

Das Okay für die Brücke haben die Pfannes inzwischen. Noch in diesem Monat soll der Bau des Viadukts aus Stahlbeton starten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Notbrücke, die das Technische Hilfswerk nach der Flut zum Pfanneschen Grundstück schlug, soll Ende November verschwinden. Dann nämlich läuft die Leihfrist für das Bauwerk aus. Sollte es dann immer noch gebraucht werden, müssten die Pfannes dafür Miete zahlen.

Für den Brückenbau, so berichtet Hannelore Pfanne, wird die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Vorleistung gehen, bis die SAB „den Deckel auf macht“. Wie lange das noch dauern wird, wissen die Pfannes nicht.

Die Brücke ist nicht das einzige Provisorium auf dem Grundstück. Die Wasserversorgung gehört auch dazu. Weil die Trinkwassertrasse von Klingenberg futsch war, bohrte man bei Pfannes einen Brunnen. „Das ganze Haus hat gewackelt“, erinnert sich Hannelore Pfanne. In 18 Metern Tiefe fanden die Brunnenbohrer reichlich von dem kühlen Nass. Doch Trinkwasser war es nicht, was da aus dem Boden sprudelte. Das Gesundheitsamt diagnostizierte einen erhöhten Arsen-Gehalt. Pfannes müssen also weiter aus der Flasche trinken. Für die Familie ist das ein unhaltbarer Zustand. „Warum kriegen wir keine Aufbereitungsanlage?“

Trotz allem: Die Familie trägt ihr Schicksal mit Fassung. „Es gibt viele andere Leute, die genauso damit klar kommen müssen“, meint Hannelore Pfanne versönlich. Sie und ihr Ehemann träumen von einer Gastwirtschaft in dem alten Bergbaugebäude der „Unverhofft Glück“-Grube. Zumindest dieser Name ist ein gutes Omen. Allerlei Kneipenutensilien sind auch schon da.