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Bäume fangen selten Feuer

Herr Geschu, erst war es heiß, dann kam Mitte vergangener Woche ein heftiges Unwetter. Gab es größere Schäden? Wir sind noch bei der Schadenserfassung, aber ich kann jetzt schon sagen, dass es nur einzelne Baumbrüche waren.

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Herr Geschu, erst war es heiß, dann kam Mitte vergangener Woche ein heftiges Unwetter. Gab es größere Schäden?

Wir sind noch bei der Schadenserfassung, aber ich kann jetzt schon sagen, dass es nur einzelne Baumbrüche waren. Bei normalen Sommergewittern kommt das häufig vor. Also insgesamt betrachtet, war es nichts Außergewöhnliches, auch wenn 47 Liter Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde gemessen wurden.

Die Waldbrandgefahr dürfte damit erst einmal gebannt sein?

Wir hatten vorher Warnstufe I, also die niedrigste von allen. Davon abgesehen haben wir im gesamten Forstbezirk ohnehin ein geringeres Gefahrenpotential als beispielsweise in der Niederlausitz. Dort gibt es Kiefern, Sandböden und weniger Niederschläge. Alles Faktoren, die sich ungünstig auswirken. Dagegen haben Waldbrände in unserer Region auch historisch betrachtet nie eine große Rolle gespielt.

Können Sie sich an welche erinnern?

Im Müglitztal entlang der Bahnstrecke gab es Mitte der neunziger Jahre einen Brand auf rund vier Hektar. Es sind aber nur einzelne Bäume abgestorben. Und vor der Wende gab es an der Trasse Edle Krone-Klingenberg immer mal wieder kleinere Waldbrände. Das ist aber nun schon Jahre nicht mehr vorgekommen.

Was macht den hiesigen Wald so immun gegen Brände?

Wir haben vor allem um Altenberg herum viele Niederschläge, fast das Zweifache wie in der Lausitz. Dann spielt der Boden eine Rolle, die darauf wachsenden Baumarten, die Vegetation. In unserem Forstbezirk ist es, einfach ausgedrückt, feucht und grün. Und wenn es einige Tage mal nicht regnet, trocknet der Wald nicht gleich so schnell aus.

Wann genau wird Waldbrandgefahr ausgerufen?

Wir haben eine Wetterstation in Reinberg. Täglich werden dort um 14 Uhr Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen sowie der Niederschlag der vergangenen 24 Stunden. Aus diesen Angaben berechnen wir die Zündbereitschaft des Waldes. Übersteigt dieser Wert bestimmte Grenzen, wird eine Waldbrandwarnstufe festgelegt. Dieses System hat sich bereits zu DDR-Zeiten bewährt, ist aber bundesweit nicht einheitlich.

Wie viele Warnstufen gibt es und wie sollten sich Ausflügler und Waldbesitzer verhalten?

Die I ist die geringste, die IV die höchste Warnstufe. Mit der I sind Einschränkungen für Waldarbeiten verbunden. Ab der II wird es auch für Besucher ernst. Öffentliche Grillstellen dürfen dann nicht mehr benutzt werden. Ab Warnstufe III ist es uns als Behörde erlaubt, Parkplätze oder ganze Waldgebiete für Besucher zu sperren. Das ist hier aber noch nie vorgekommen. 1976 war es mal sehr trocken und auch Anfang der achtziger Jahre. Aber selbst damals gab es keine Stufe IV in der Region.

Wird der Wald im Sommer überwacht?

Wir haben keine Feuerwachtürme. Der Turm an der B 170 bei Possendorf ist nie einer gewesen, er diente zur Beobachtung der Bundesstraße. Ab Warnstufe III kreist ein Hubschrauber über Sachsen. Die Besatzung beobachtet verdächtige Rauchschwaden und kontrolliert, ob es sich nicht bloß um Staubwolken handelt. Kleine Feuer können sofort gelöscht werden. Bis zum Jahr 2007 wird in Nordsachsen ein automatisches Waldbrandüberwachungssystem in sensiblen Gebieten installiert, welches den Wald mit Kameras überwacht. Bei uns wird das aber keine Rolle spielen.

Was können Förster vorbeugend gegen Waldbrände tun?

Wir versuchen, durch Mischung der Baumbestände die Zündbereitschaft zu verringern. Laubbäume erhöhen die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein stabileres Klima. Erst in diesem Jahr haben wir wieder 130 Hektar aufgeforstet und dabei 650 000 Bäume gepflanzt. Aber der Umbau eines Waldes braucht seine Zeit.

Welche Baumarten wachsen denn überwiegend im Forstbezirk Bärenfels?

Die Fichte hat den größten Stellenwert, ihr Anteil liegt bei 64 Prozent. Dann folgen Kiefern mit zehn Prozent, sechs Prozent Lärchen und jeweils fünf Prozent Birken, Buchen und Eichen. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf andere Baumarten. Wir verwalten beziehungsweise bewirtschaften rund 27 000 Hektar Wald.

Das Gespräch führte Annett Heyse