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Bäume ohne Schutz

In mehreren Gärten in Langebrück wurde die Säge angesetzt. Ein mittlerweile verbreitetes Phänomen.

Von Thomas Drendel

Langebrücker sind entsetzt. Ausgerechnet im Villenviertel mit seinen gediegenen Häusern und den großzügigen Gärten sieht es an mehreren Stellen wüst aus. „Mir allein sind drei Gärten aufgefallen, in denen meiner Ansicht nach wertvolle Bäume gefällt wurden: An der Badstraße, der Stiehlerstraße und der Weißiger Straße“, sagt der Langebrücker Ortschaftsrat der Linken Hans-Werner Gebauer. „Da wurden teils alte Nadelbäume umgesägt. Auch Rhododendren und Koniferen sind Äxten zum Opfer gefallen“, schimpft der Lokalpolitiker. Baumfällungen in Langebrücker Vorgärten waren auch in den vergangenen Jahren immer wieder zu beobachten gewesen, doch so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“, sagt der Ortsvertreter.

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Langebrück ist kein Einzelfall. Wer in diesen Tagen aufmerksam durch die Orte im Rödertal geht, kann in vielen Vorgärten Reste umgesägter Bäume sehen. Der Ärger vieler Anwohner ist groß. Doch die meisten dieser Baumfällungen sind völlig legal geschehen. Denn 2010 wurde vom Sächsischen Landtag das Naturschutzgesetz gelockert. Danach können Grundstücksbesitzer ganz legal störende Bäume bis zu einem Stammumfang von einem Meter fällen, ohne dafür eine Genehmigung zu beantragen. Dresden hatte diese Verordnung in seiner Gehölzschutzsatzung kurz danach umgesetzt. Auch in den Kommunen des Rödertals gelten seitdem entsprechende Regelungen.

Wie viele Bäume im Rödertal den Kettensägen zum Opfer gefallen sind, weiß niemand. Verlässliche Daten gibt es nicht. „Seit dem Wegfall der Genehmigungspflicht wissen wir nicht mehr, was und in welchem Ausmaß in den Vorgärten passiert“, sagt Jürgen Wähnert, Sprecher der Stadt Radeberg. „Alles andere sind Mutmaßungen aufgrund von persönlichen Eindrücken.“ Ähnlich sind die Aussagen aus den Verwaltungen in Ottendorf-Okrilla, Wachau und Dresden. Einen Fingerzeig auf die Situation in Vorgärten gibt eine Untersuchung der ehemaligen Studentin Lisa Lekies. Sie untersuchte im vergangenen Jahr in ihrer Bachelorarbeit, ob es seit der Lockerung des Naturschutzgesetzes in Dresdener Vorgärten weniger Grün gibt. „Ich habe mir dazu frei zugängliche Luftbilder sowie um Google-Street-View-Aufnahmen von 2008 und 2009 angesehen. Dann bin ich in die entsprechenden Straßen gegangen und habe dort die Situation kartiert“, sagt die junge Frau, die inzwischen ihr Studium Naturschutz und Landschaftsplanung abgeschlossen hat. Ihre Arbeit hat sie auf einige ausgewählte Stadtteile wie Bühlau, Kaditz, Striesen, Johannstadt und einige historische Dorfkerne in Dresden beschränkt. „Dort gibt es nach meinen Erhebungen in den von mir untersuchten Vorgärten etwa 15 Prozent weniger Bäume oder Sträucher“, sagt die junge Frau. „Rechnet man davon die Vorgärten heraus, in denen schon 2010 keine Gehölze standen und nimmt nur die ,grünen‘, dann gibt es dort etwa ein Viertel weniger Bäume und Sträucher“, sagt Lisa Lekies. Das Ergebnis sei für sie eindeutig. Es jedoch auf ganz Dresden hochzurechnen, sei jedoch schwierig. „Dazu sind die Stadtteile zu unterschiedlich“, sagt sie. Auch für die Dresdner Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat die Anzahl der Bäume in Dresden seit der Lockerung des Naturschutzgesetzes abgenommen. „Besonders nach Inkrafttreten der Regelung hat es viele Fällungen gegeben. Das Bedauerliche dabei, es wird seitdem kaum noch darauf geachtet, dass Bäume als Ersatz nachgepflanzt werden“, sagt Andrea Schubert, umweltpolitische Sprecherin der Dresdner Grünen. In einer Anfrage der Grünenstadträtin Elke Zimmermann räumte das auch das Dresdner Rathaus ein. Danach verringerte sich die Zahl der Ersatzpflanzungen kurz nach Inkrafttreten der Lockerungen um 75 Prozent. „Nach den langjährigen, empirischen Erfahrungen des Umweltamtes ist nicht zu erwarten, dass aus Eigeninitiative die Zahl der Ersatzpflanzungen künftig wieder ansteigt“, heißt es aus dem Schreiben von 2011. Nicht alle Kommunen sind mit dem allzu freizügigen Umgang mit der Kettensäge einverstanden. Im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad beispielsweise will der Ortschaftsrat nicht kampflos zusehen, wie das Grün aus dem Ortsbild verschwindet. Jeder Fällantrag kommt auf den Tisch des Rates und wird dort besprochen. Dann wird festgelegt, ob es und wo es Ersatzpflanzungen geben soll. Auch in Langebrück wollen die Verantwortlichen die Sägerei nicht hinnehmen. „Wir haben das Umweltamt aufgefordert, die Fällungen in Langebrück zu untersuchen und zu schauen, ob alles rechtmäßig war“, sagt der Langebrücker Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU). Auch soll geprüft werden, ob insbesondere die Abholzung von Rhododendren gegen Vorschriften verstoßen hat. „Sie stehen in Langebrück unter besonderem Schutz“, sagt der Ortschef.