SZ +
Merken

Bagger kommt dem „Express“ in die Quere

Tourismus. Pünktlich zum Beginn der Ferien startet die Modernisierung der Schlaurother Straße – und zwingt den Landeskron- Express zu Umwegen.

Teilen
Folgen

Von Frank Seibel

Gut, dass es bergauf geht. Davon lebt Andreas Wolf. Tag für Tag schnauft er mit seinem Landeskron-Express 419 Meter nach oben zum Gipfel des Görlitzer Hausbergs. Jede halbe Stunde, den ganzen Tag über. 3 000 Menschen pro Monat transportiert der Landeskron-Express mittlerweile, sagt der Fahrer.

Jetzt aber geht’s wieder bergab, fürchtet er. Grund sind die Bauarbeiten im vorderen Teil der Schlaurother Straße, den der „Express“ für seine Tour hoch auf den Berg nutzt. „Wir wurden nicht einmal informiert und haben von der Baustelle kurz vor Beginn der Arbeiten aus der Zeitung erfahren“, ärgert sich Andreas Wolf.

Erste Stornierungen

Das wurmt auch den Eigentümer des Landeskron-Express, Günter Brauer. Immerhin sei das ein ganz normaler Linienverkehr – und das nun schon seit elf Jahren. „Das muss der Stadt doch bekannt sein.“

In der Tat ist da etwas schiefgelaufen, räumte am Freitag die Pressesprecherin der Stadt, Elke Fieber, ein. Die Stadtwerke hätten die Aufgabe übernommen, die betroffenen Anlieger zu informieren. Das Burghotel auf dem Gipfel der Landeskrone sei auch rechtzeitig über die Bauarbeiten informiert worden. Aber eben der Betreiber des Landskron-Express nicht. „Die Stadtwerke dachten offenbar, dass das Hotel und der Fahrbetrieb eins sind.“ Doch der Express fährt zwar im Auftrag des Hotels die Reisegruppen hinauf und herunter. Aber es sind eben verschiedene Unternehmen und verschiedene Betreiber.

Während das Hotel nach der ersten Woche der Bauarbeiten noch nicht über Einbußen klagt, spricht Express-Fahrer Andreas Wolf bereits von den ersten Stornierungen und einem Rückgang der Gästezahlen um 80 Prozent. Denn nun müssen die Gäste vom ehemaligen Burghof am Ende der Promenadenstraße zwei-, dreihundert Meter durch die Baustelle laufen, um an die neue Haltestelle zu gelangen. „Das passt manchen Reisanbietern nicht in den Plan“, sagt Wolf. Denn viele Gäste seien schon etwas älter und nicht gut zu Fuß.

Bei bestellten Reisegruppen kommt der Express den Gästen zwar entgegen. Dann kann er sie am Burghof abholen und einen Umweg durch die Neubausiedlung in Biesnitz nehmen. Zum Beispiel für die morgige Hochzeitsgesellschaft. Aber das, so rechnet Besitzer Günter Brauer vor, seien jeweils sechs Kilometer Umweg. Das schlägt aufs Portemonnee, wenn man bedenkt, dass die Zugmaschine rund 30 bis 40 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht.

Später bauen geht nicht

„Im Grunde freue ich mich ja, dass die kaputte Straße modernisiert wird“, sagt Günter Brauer. „Aber muss man denn genau zum Start der Hochsaison mit dem Bau beginnen?“ In diesem Jahr bekomme er erstmals einen touristischen Aufschwung deutlich zu spüren und nun das.

Eine Verschiebung in den Herbst ist jedoch nach Einschätzung der Stadtverwaltung nicht möglich. Im ersten Schritt verlegen die Stadtwerke neue Rohre und Leitungen. Das wird nach Angaben des Rathauses bis Ende August dauern. Danach ist die Stadt mit der eigentlichen Sanierung der Straße dran. Untergrund und Straßenbelag werden komplett erneuert. Bis Ende Oktober sollen diese Arbeiten dauern. „Das können wir nicht nach hinten schieben, weil diese Arbeiten witterungsabhängig sind.“