merken

Bagger machen Gartenlauben platt

Wegen hohen Grundwassers ist ein Teil der Sparte Fuchsbau nicht mehr zu retten. Kommen dort Zelte hin?

Von Mareike Huisinga

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Der große Greifer nagt an der Hauswand. Wieder fällt eine Mauer. Ein anderer Bagger schiebt die Laubenreste auf einem Haufen zusammen. Die schweren Fahrzeuge graben tiefe Spuren in den matschigen Boden.

Schlussakt: Die Baufahrzeuge leisten auf dem Gebiet der Kleingartensparte „Am Fuchsbau“ ganze Arbeit. Insgesamt 39 Gärten werden eingeebnet. Fotos : Katja Frohberg, Archiv SZ

Wo früher im Sommer Cosmeen, Astern, Rosen und Lilien blühten, herrscht momentan Chaos. Ein Teil des Geländes des Kleingartenvereins „Am Fuchsbau“ in Pirna-Copitz wird dem Erdboden gleich gemacht. Das Problem: Seit 2010 stieg der Grundwasserspiegel extrem an, nach starkem Regen waren die Gärten oft wochenlang überschwemmt. Zunächst hatte die Stadt das Wasser noch auf ihre Kosten abpumpen lassen; zuletzt mussten die Kleingärtner aber die hohen Energiekosten dafür aus eigener Tasche bezahlen (SZ berichtete). „Insgesamt werden 39 Grundstücke zurückgebaut“, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Das sei ungefähr die Hälfte aller Gärten in der Sparte.

Leicht fällt der Abschied nicht. Zu den Alteingesessenen gehört Johannes Gündel. „Meine Kinder, Enkel und Urenkel haben hier gespielt“, sagt er leise und schaut auf den Trümmerhaufen, der einmal seine Laube war. Der 75-Jährige sagt bewegt: „Es ist schon traurig, wir waren hier sehr glücklich.“ Ähnlich empfinden Ursel und Jürgen Fasold. Zwar wird ihre Laube nicht abgerissen, ein Nachbar hat sie übernommen, dennoch haben sie ihren Garten aufgegeben. „Der linke Teil des Geländes sieht jetzt wie eine Ruinenlandschaft aus“, sagt Ursel Fasold, die sich die Abrissarbeiten angeschaut hat. Sie hält einen Moment inne und fügt hinzu: „Das nimmt mich alles sehr mit.“ Aber die Fasolds gucken nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. In dem Kleingartenverein „Gartenfreunde“ an der Rudolf-Renner-Straße pachteten sie bereits eine neue Parzelle. „Die Anlage ist auch sehr schön“, meint Ursel Fasold.

Nicht alle Kleingärtner vom Fuchsbau haben ihren Garten aufgegeben. Zehn Pächter mit einem höher gelegenen Grundstück gehören nach wie vor zum Verein. Für sie ändert sich rechtlich nichts. Pachtzinsänderungen werde es nicht geben, sagt Susanne Russig vom Territorialverband Sächsische Schweiz der Gartenfreunde. Auch bleibe der Verein bestehen.

Zu den Verbliebenen gehören Manfred und Christine Lehmann. Vor zehn Jahren hat das Ehepaar die Parzelle angelegt und viel Geld investiert. „Das konnten wir nicht aufgeben“, sagt Manfred Lehmann. Eins ist sicher: In der kommenden Saison wird es für sie einsamer werden. „Ich kann auch noch nicht sagen, wie man sich dann fühlen wird“, sagt Manfred Lehmann.

Der Rückbau des Geländes kostet 45 000 Euro. Die Stadt Pirna übernimmt den Abriss der Lauben-Hüllen sowie die Beräumung der Gärten, die aufgegeben werden. Obwohl sich Johannes Gündel in der Vergangenheit oft mehr Engagement der Stadt gewünscht hätte, um die Sparte zu retten, ist er für diese finanzielle Unterstützung dankbar. „Ich denke, dieses Angebot war auch für viele der Grund, von hier wegzugehen“, schätzt er ein.

Unterdessen stößt die Beräumung, die in zwei Wochen abgeschlossen wird, auf Interesse. Spaziergänger fotografieren die Abrissarbeiten. Ein junger Mann in Arbeitshosen geht mit aufmerksamem Blick über das Gelände. „Ich suche nach Gegenständen, die man vielleicht noch verwerten kann“, sagt Marcel Pohl. An diesem Mittwochnachmittag ist er bereits fündig geworden. Stolz hebt er ein Stück Rohr und einen Glasbaustein hoch.

Auch er stellt sich die Frage, was mit dem Gelände geschieht. Um die künftige Nutzung des Abrissgeländes scheinen sich einige Gerüchte zu ranken. „Ich habe jedenfalls gehört, dass der Campingplatz von gegenüber sich hier eventuell erweitern will“, sagt Pohl. Falsch! „Das Gelände wird der Natur wieder zurückgegeben und bleibt Grünfläche. Anpflanzungen sind nicht geplant, was ja auch wegen des hohen Grundwasserstands keinen Sinn machen würde“, sagt Stadtsprecher Gockel.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.