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Baggern für die Bienen

In Drausendorf soll es künftig mehr blühen. Damit wollen die Einwohner auch alte Sünden wieder gut machen.

Walter Zachmann hat ein Herz für Insekten und Bienen.
Walter Zachmann hat ein Herz für Insekten und Bienen. ©  Rafael Sampedro

Walter Zachmann sitzt in seinem kleinen Bagger und hebt mit der Schaufel eine Erdschicht nach der anderen aus. Eine zwölf mal zehn Meter große Fläche hat der Drausendorfer bereits abgetragen. Etwa 30 Zentimeter soll die Erde ausgehoben werden. Anschließend will der 70-Jährige das Loch wieder mit rund 40 Kubikmetern Mutterboden, der mit Kies gemischt ist, verfüllen. 

Das Ganze hat natürlich einen tieferen Sinn. Auf der etwa 100 Quadratmeter großen Fläche soll eine insektenfreundliche Wiese entstehen. Bis Ende der Woche will Walter Zachmann das Projekt abgeschlossen und den Samen eingesät haben. In Zukunft sollen hier die Blumen und Gräser sprießen und Insekten und Bienen reichlich Nahrung bieten.

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Auf der Graswiese, die vorher die Fläche bedeckte, sei nichts mehr gewachsen, erklärt der Drausendorfer. Die weit verzweigten Wurzeln der Straßenbäume sind der Grund dafür gewesen. Der neue Boden sei luftiger, sagt er, und lasse ein besseres Wachstum zu. "Wenn wir Glück haben, gibt es hier bald eine bunte Wiese", meint er. 

Der eigene Sohn brachte Walter Zachmann auf die Idee. Die Ökologie ist für den Junior zu einem Hobby geworden. Nun will er auch den Vater davon überzeugen. Im Vorjahr ist im Garten der Familie bereits ein Insektenhotel errichtet worden, das gut angenommen werde. Auch Joachim Schröter, der einige Hundert Meter von Zachmanns entfernt wohnt, will in seinem Garten ein Insektenhotel aufstellen. Ein weiteres könnte auch auf dem benachbarten Kinderspielplatz entstehen, findet Schröter. Er würde es auch pflegen, schlägt er vor. 

In seinem Garten habe er bereits 80 Sonnenblumen gepflanzt, die auch eine gute Nahrungsquelle für Insekten und Bienen sind, ergänzt der Drausendorfer. Außerdem gebe es viele Stauden und eine Kräuterschnecke. Und auch schon eine kleine Blumenwiese, die nun noch etwas vergrößert werden soll. Joachim Schröters großes Ziel: Drausendorf soll zu einem grünen Dorf werden, ein insektenfreundlicher Ort.

Naturschützer werden über derartige Initiativen erfreut sein. Naturschutzverbände fordern, dass mehr insektenfreundliches Grünland entsteht. Dafür sorgt auch die Stadt Zittau, die an mehreren Standorten in der Kernstadt und in den Ortsteilen entsprechende Wiesen angelegt hat und durchaus auch auf private Nachahmer wie jetzt in Drausendorf hofft.

Walter Zachmann wird die neue insektenfreundliche Wiese nur noch einmal im Jahr, jeweils in der zweiten Oktoberwoche mähen. Und dann kommt auch nicht mehr der Rasentraktor zum Einsatz, die Fläche wird ganz altmodisch mit der Sense gehauen. Als ehemaliger Bergmann in Berzdorf und Olbersdorf wisse er, wie viel Schaden mit den Tagebauen gemacht wurde. "Jetzt geben wir was Gutes der Natur zurück", meint der 70-Jährige und schwingt sich wieder auf seinen Bagger.

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