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Baggern für ein Freizeitprojekt

Zwei Elstraer Mädchen kämpfen sich durch Paragrafen-Deutschland. Da ist auch eine Menge Sand im Spiel.

Noch wächst hier der Klee in dicken Büscheln. Für Katharina Ullrich und Anne Kurzetz ist es genau der richtige Platz in Elstra, um einen Beachvolleyballplatz zu bauen. Dafür setzen sie sich ein.
Noch wächst hier der Klee in dicken Büscheln. Für Katharina Ullrich und Anne Kurzetz ist es genau der richtige Platz in Elstra, um einen Beachvolleyballplatz zu bauen. Dafür setzen sie sich ein. © SZ/Reiner Hanke

Elstra. Baggern hat für Katharina Ullrich und Anne Kurzetz eine ganz besondere Bedeutung. Momentan sogar in mehrfachem Sinne. Als Volleyballerinnen ist Baggern für sie während des Spiels sportlicher Alltag. Baggern hat für die beiden Mädchen jetzt aber noch eine ganz neue Bedeutung bekommen: Sie wollen, dass möglichst bald auf dem Elstraer Sportareal neben dem Kunstrasenplatz gebaggert wird. Das haben sich die beiden leidenschaftlichen Volleyballerinnen vom SV Grün-Weiß Elstra vorgenommen. Es soll ein Beachvolleyballplatz entstehen. Mit Randbereich auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern. Das Areal ist bereits mit Stangen abgesteckt.

Im Winter werde in der Halle trainiert, im Sommer auf dem normalen Volleyballplatz, berichten die beiden 16-jährigen Gymnasiastinnen. Die Anlage sei aber nicht ganz so ideal. Auf dem Tartanbelag seien Stürze schmerzhaft und die Netzanlage nicht im besten Zustand.

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Im Bus vom Kamenzer Gymnasium nach Elstra hatten sie im Frühjahr begonnen, Pläne zu schmieden. Die fokussierten sich schließlich auf einen Beachvolleyballplatz. Als Treff für die Jugend, für die sportliche Vielfalt in der Stadt, für den Vereins- und Freizeitsport. Mit dem Vorschlag seien sie dann gleich zu Bürgermeister Frank Wachholz gegangen. Der habe sie von Anfang an unterstützt, gibt es Lob für den Rathauschef. Weil er die Idee super finde. Das gab er den Mädchen sogar schriftlich: „Elstra war schon immer eine Sportstadt“, sagt Frank Wachholz. So könne er sich gut vorstellen, mit dem Beachvolleyball als zusätzlichem Angebot, junge Leute zu begeistern: „Es macht das Sportangebot noch attraktiver.“ Die Stadt engagiere sich zudem seit einigen Jahren im Rahmen der Jugendvertretung, das trage Früchte. Man sehe es auch an den beiden jungen Leuten, die schon als aktiv bekannt seien, so Frank Wachholz.

Alles analysiert

Allerdings seien sie auch manchmal mit gedrückter Stimmung aus so einem Beratungsgespräch gekommen. Frank Wachholz habe schon Klartext geredet, was alles an einem solchen Projekt dranhängt. Dazu gehört der Vorschriften- und Antrags-Dschungel. Bürgermeister Wachholz räumt ein: „In Paragrafen-Deutschland ist das leider so.“ Die Mädchen bleiben zuversichtlich: „Wir haben uns gegenseitig aufgemuntert.“ Und dann stehe ihnen ja zum Glück auch ihr Projektvater Christoph Semper zur Seite, vom Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit. Er sieht viel Positives: „Junge Leute verschaffen sich mit solchen Projekten Einblick in kommunalpolitische Prozesse und lernen, an einem Projekt dranzubleiben.“

Anne und Katharina war schnell klar, dass sie ihre Visionen zu einem Konzept ausarbeiten müssen. Also haben sich die Mädchen hingesetzt und losgelegt: von der Standortanalyse über die Bodenverhältnisse und die Baugrube, die Auswahl des richtigen Sandes, einer Netzanlage bis zum Finanzplan und Sponsoring. Dass bei der Standortfrage die Wahl letztlich auf die Vereinssportanlage fiel, ist gut nachvollziehbar. Es wäre eine gute Ergänzung und Gastronomie ist auch noch in der Nähe.

Das Konzept füllt einen ganzen Hefter und beschäftigt sich mit vielen Details: Der Sand soll aus der Kiesgrube Ottendorf-Okrilla kommen. Die Anforderungen sind hoch. Gewaschen muss er sein, die Körnchen gerundet in ganz bestimmter Größe und Mischung. Damit der Sand keine Verbrennungen und Schürfwunden verursacht. Gut 100 Tonnen werden gebraucht. Die Netzanlage sollte witterungsbeständig und stufenlos höhenverstellbar sein. Ein Knackpunkt sind die Finanzen. Die Kosten liegen bei 4 000 bis 5 000 Euro. Dazu komme die Eigeninitiative durch Arbeitseinsätze. Sonst würde es noch deutlich teurer. „Viele denken: ausbaggern, Sand rein, fertig.“ Aber es sei doch deutlich anspruchsvoller, lernten die Mädchen. Zur Finanzierung zapften sie mehrere Fördertöpfe an. In der Jugendvertretung konnten sie Fürsprecher gewinnen und immerhin 700 Euro aus einem Fonds der Stadt für Jugendprojekte sichern. Etwas Geld komme über die Vereinsförderung auch aus dem Stadtsäckel, berichten sie. Erfolgreich waren die Mädchen mit der Bewerbung für das sächsische Förderprogramm „Mitmachfonds“. Da sind ihnen 2 000 Euro sicher, vielleicht auch mehr. Das reicht noch nicht.

Spenden gesucht

So baggern Anne und Katharina noch in einem ganz anderen Sinne. Man kann es auch Klinkenputzen nennen, um für das Projekt zu werben und Sponsoren zu finden. Sie hoffen nun auch noch, dass Firmenchefs aus der Region ihr Herz und den Geldbeutel für ihre Herzenssache öffnen.

Knackpunkt ist derzeit der Tiefbau. Dafür ist es wohl nicht so leicht, den richtigen Partner zu finden. Ein Problem sind die Erdmassen. Die müssen über die Tartanbahn neben der Baustelle transportiert werden, ohne den Belag zu beschädigen. So suchen die Volleyballerinen auch noch Helfer, um den Aushub zu bewegen. Wenn nicht anders möglich, mit der Schubkarre.

Falls es nicht weitergeht, dann stehe seine Tür offen „und wir werden gemeinsam eine Lösung finden“, versichert der Bürgermeister und gibt Rückendeckung. Christoph Semper hat Vertrauen in die Mädels: „Sie sind super selbstständig und bereiten alles richtig gut vor.“

Wer mit baggern möchte kann noch bis 10. August mit einer Spende zum Gelingen beitragen: Konto SV Grün-Weiß Elstra; DE 58850900006044971001; „Wir baggern mit“

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