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Baggern unter Explosionsgefahr

Schon diese Woche könnte die nächste Evakuierung an der Striesener Bombenbaustelle drohen. Eine Spezialfirma muss nun dort graben.

Von Alexander Schneider und Tobias Wolf

Nach dem Bombenalarm ist vor dem Bombenalarm. Zwei Blindgänger an zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben die Anwohner rund um die Augsburger Straße 7 in Striesen aufgeschreckt. Sie fürchten weitere Funde aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Auf dem Grundstück baut das Immobilienunternehmen Fira zwei Wohnhäuser mit einer gemeinsamen Tiefgarage. 20 Wohnungen entstehen hier. Baustart war am Donnerstag – dem Tag des ersten Bombenfunds. Nachdem Baggerfahrer André Nitzsche am Freitag bereits die Zweite Bombe aus dem Erdreich holte, hat Sprengmeister Thomas Lange vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen einen Baustopp angeordnet. Nun darf hier nur eine spezialisierte Kampfmittelbeseitigungsfirma mit entsprechender Versicherung weitergraben. Alles andere wäre zu gefährlich. „Diese Männer sind für solche Fälle ausgebildet. Ein normaler Baggerfahrer ist es nicht“, sagte Lange am Freitag.

Noch ist unklar, ob die Fira bereits für diese Woche eine solche Firma gefunden hat. Bauleiter Rico Martin sagte, die Fläche sei vor Baubeginn untersucht worden. Allerdings lägen so viel Metallschrott und Trümmerteile im Erdreich, dass eine Untersuchung mit Sonden nicht möglich gewesen sei. Sobald die Fachfirma hoffentlich ganz vorsichtig gräbt, könnten auch weitere Fliegerbomben auftauchen. Die müssen dann wieder von Thomas Lange oder seinen Kollegen entschärft werden mit allen bekannten Folgen – Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr, Straßensperrungen und die Evakuierung von Anwohnern.

Jürgen Scherf, Sprecher des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Polizei, sagte, es gebe bis heute keine belastbaren Zahlen, wie viele Blindgänger überhaupt noch in Dresdens Unterwelt schlummern. „Aber jede Bombe, die entschärft wurde, ist eine weniger“, sagt er. Knapp 1 000 Mal im Jahr wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst angefordert.