merken
PLUS

Bahn-Anschlag: Staatsschutz prüft Bekennerschreiben einer anarchistischen Zelle

Die Polizei geht von einem linksextremen Tatmotiv des Brandanschlags auf Dienstautos der Bahn AG am Neustädter Bahnhof aus.

© Roland Halkasch

Von Alexander Schneider

Was ist dran, am Bekennerschreiben einer „Anarchistischen Zelle ,Lambros-Viktoras Maziotis Roupas‘“? Das ist wohl eine der Fragen, die seit gestern von den Staatsschutz-Ermittlern des Operativen Abwehrzentrums intensiv diskutiert wird. „(…) wir (…) schlichen uns über die urbanen Pfade auf ein Gelände der Deutschen Bahn in Neustadt. 5 Autos wurden schrottreif gebrannt und wir sind unerkannt entkommen“, heißt es in dem Text mit unbekanntem Ursprung.

PPS Medical Fitness
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Er findet sich etwa auch auf den Internetseiten von „linksunten.indymedia.org“. Am Sonnabend um 23.39 Uhr wurde der Beitrag dort veröffentlicht – fast einen Tag nach dem Brandanschlag auf Dienstfahrzeuge der Deutschen Bahn AG hinter dem Neustädter Bahnhof.

Fünf Autos fielen den Flammen auf dem Betriebsgelände an der Hansastraße zum Opfer – vier Pkw und ein Kleintransporter. Die Täter drangen in das Gelände ein und zündeten die Autos an. Ein sechstes Auto war bereits ebenfalls zum Anzünden vorbereitet worden – möglicherweise wurden die Täter gestört. Als Tatzeit nennt die Polizei Sonnabend gegen 2 Uhr. Erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde das Privatfahrzeug eines Mitarbeiters, das zwischen den Dienstwagen stand. Dieses Auto sei jedoch nicht gezielt angesteckt worden, heißt es bei der Polizei. Der Gesamtschaden wird auf rund 100 000 Euro beziffert.

Die Polizei ist sofort von einem politisch motivierten Hintergrund der Brandstiftung ausgegangen, weshalb nun Beamte des Operativen Abwehrzentrums (OAZ), der Nachfolger der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes, ermitteln.

Und nun das mutmaßliche Bekennerschreiben einer „Anarchistischen Zelle“. Sie wirft der Bahn Schmiergeldzahlungen nach Griechenland und in andere Länder über eine Tochterfirma vor.

Der nicht leicht verständliche Text werde nun auf seine Echtheit geprüft, sagte Kathleen Doetzsch, Sprecherin des OAZ. Nicht ausgeschlossen sei, dass Trittbrettfahrer den Anschlag nutzten. Es könnte auch ein Ablenkungsmanöver sein oder Ähnliches. Derzeit könne sie nicht mehr zu dem Schreiben sagen. „Wir müssen uns schon sicher sein.“

Die anonymen Verfasser haben von früheren Brandanschlägen auf Bahnfahrzeuge – „ein Solidaritätszeichen“ – im Februar 2013 berichtet. Griechenland wickle seine Demokratie selbst ab und werde von der EU dabei unterstützt, heißt es dort etwa. Die Rede ist auch von der „Option des bewaffneten Kampfes innerhalb autonomer und linksradikaler Widerstandsformen“. Kommentare von Lesern auf den Internetbrief sind unterschiedlich und reichen von „Respekt“ bis „saudämliche Aktion“.

Der sächsische Verfassungsschutz geht von linksextremistischen Motiven für die Tat aus. Diktion und Begründungszusammenhang ließen auf militant-anarchistische Täter schließen, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte.

Am Tatort ging gestern die Spurensuche weiter. Die Staatsschützer hoffen, weitere Hinweise zu den Tätern zu finden. Weitergehende Angaben zu dem Brandanschlag machte das OAZ nicht. „Wir werden aber den Tätern und den Bürgern zeigen, dass es so einfach nicht funktioniert“, sagte Polizeisprecherin Doetzsch. Die Bahn äußert sich mit Verweis auf die Ermittlungen nicht zum Anschlag. (mit dpa)

Hinweise an die Polizei: 0341 96646666