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Bahn baut volles Rohr

An Bahnübergängen von Pulsnitz bis Großröhrsdorf wirbeln die Bauleute. Aber es gibt auch offene Fragen.

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Von Reiner Hanke

Der Anblick von Männern in orangefarbenen Warnwesten an den Bahnübergängen zwischen Kamenz und Großröhrsdorf ist inzwischen schon zur Gewohnheit geworden. Vor allem seit dem Vorjahr wird hier von der Deutschen Bahn AG gebaut, gesperrt, wieder freigegeben und wieder gebaut und gesperrt. Der Hauptgrund: Die Züge sollen auf der Strecke schneller fahren können. Außerdem wird die gesamte Signal- und Sicherheitstechnik erneuert.

Eine weitere Großbaustelle ist an den Gleisen in Pulsnitz entstanden, links und rechts der Dresdner Straße. Hier baggern die Tiefbauer derzeit volles Rohr.

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. An der Bebelstraße liegen ganze Berge davon, die nun in die Erde sollen. Auf einer Länge von einem halben Kilometer wird an den Gleisen an einem aufwendigen Regenwassersystem gebaut. Das soll in einem Sickerbecken ein Stück hinter dem Bahnübergang An der Hohle münden. Daran wird ebenfalls momentan gebaut. Die Ausmaße sind beachtlich mit 50 mal 6 Metern. Damit verbinden sich auch einige Hoffnungen und Sorgen von Anwohnern. Der Aufwand ist riesig und manche SZ-Leser fragen auch: „Wozu das Ganze?“

Die Stadt wurde zumindest in der Planungsphase angehört und gab ihre Meinung ab. Notwenig sei die Entwässerung auf jeden Fall, heißt es. Seit Jahren gebe es Probleme mit Wasserfluten, die bei Stark-regen von den Eierberghängen und den Feldern dort rauschen, so Rathausmitarbeiter und Fachdienstleiter Dieter Scheffler. Links der S 95, stadtauswärts. Der Bahndamm werde durchnässt und angrenzende Grundstücke überschwemmt, was auch laut Bahn immer wieder für Schäden sorge. Die Feuerwehr musste immer wieder zum Pumpen anrücken. Provisorische Lösungen, so Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost seien kaum wirkungsvoll gewesen. Jetzt können die Anlieger auf der August-Bebel-Straße aber aufatmen: Nun wird geklotzt. Einerseits mit Gräben, in denen das Wasser versickern soll. Versickern ist überhaupt das Zauberwort. Denn, um die gesamten Wassermassen einfach ins städtische Kanalnetz zu leiten, dafür ist es nicht ausgelegt. So soll das auch mit gewaltigen Sickerrohren, am Bahndamm in geordnete Bahnen gelenkt werden und was übrigbleibt bis zu dem großen Sickerbecken. Gebaut wird beiderseits der Trasse. Bedenken meldete die Stadt in zwei Punkten an. Erstens die Trasse müsse weiter westlich verlaufen, sonst passe der geplante Pulsnitzer Haltepunkt Süd nicht mehr ans Gleis. Das berücksichtigte die Bahn. Bedenken gab es auch zum Standort des Sickerbeckens. Die Stadt schlug einen Ablauf in die Pulsnitz vor. Das habe die Bahn abgelehnt. Zu aufwendig, zu teuer. Bedenken zum Sickerbecken kommen aber auch von Bürgern. Gewachsener Fels und Lehm schlummerten darunter. „Also Material, wo nichts durchsickert“, schreibt Christian Soika. Läuft es dann über? Und wenn es doch sickert, könnten die Grundstücke unterhalb gefährdet werden? Am Ende würde das Problem nur verlagert! Christian Soika: Was hier passiere, lasse am Können der Planer zweifeln und passe zum Bahnchaos in Mainz. In diesem Bereich versickert künftig in der Tat mehr Wasser, schätzt auch die Stadt ein. Die Sorge sei nicht ganz von der Hand zu weisen. Insider bestätigen auch, dass die Bahn hier einige Probleme habe und fieberhaft nach Lösungswegen suche. Die sollen nun laut Bahn so aussehen: Wassermengen, die die Versickerungskapazität in Gräben, Drainagerohren und dem Becken überschreiten, sollen im Ernstfall per Überlauf an der Dresdner Straße ins Kanalnetz der Stadt schwappen. Ob das Sickerwasser am Becken Probleme bereiten könnte, bleibt vorerst offen. 400  000 Euro investiert die Deutsche Bahn in dieses Vorhaben an der Trasse Kamenz –  Dresden.

Aber auch an mehreren anderen Bahnübergängen wird immer noch intensiv gebaut. Derzeit an der neuen Sicherungs- und Signaltechnik. Die soll am 20. Oktober in Betrieb genommen werden. Bis dahin sind auch alle Bahnübergänge zwischen Pulsnitz und Großröhrsdorf fertig umgebaut, kündigt die Bahn an. Es werde allerdings laut Bahn vom 3. bis zum 27. November noch eine Streckensperrung geben. In dieser Zeit müssten die Anlagen abgebaut werden, die erst nach Inbetriebnahme der neuen Technik nicht mehr gebraucht würden, sagt die Bahnsprecherin. Das betreffe vor allem die Bahnhöfe Bischheim-Gersdorf, Pulsnitz und Großröhrsdorf. „Dann sind wir fertig, sofern sich nicht noch Nacharbeiten erforderlich machen. Mit Straßensperrungen rechne die Bahn kaum noch. Größere Tiefbauarbeiten stünden keine mehr an. Eine Ausnahme bilde die Stiftgasse in Kamenz. Ein paar Wochen werden die vielen Arbeiter in Orange also noch zum täglichen Anblick an der Trasse gehören.