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Bahn braucht viel Zeit für neue Automaten

Vier Fahrkartenautomaten sind in Löbau und Ostsachsen gesprengt worden. Dass für sie bald Ersatz kommt, brauchen Reisende nicht zu hoffen.

© Christian Essler

Von Gabriel Wandt

Oderwitz/Löbau. Der Rauch der Sprengung hat sich verzogen, die Kriminalisten haben ihre Spuren gesichert, die Reste der gesprengten Fahrkartenautomaten auf dem Bahnhofsgelände in Oderwitz und Löbau sind weggeräumt. Diese Routine hat funktioniert – kein Wunder, der Löbauer Automat ist ja mittlerweile schon der Vierte in Ostsachsen, der dieses Jahr in die Luft gejagt wurde.

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Was nicht funktioniert, ist Ersatz für die Automaten – und damit der normale Service, den die Deutsche Bahn (DB) ihren Reisenden eigentlich bieten wollte. Doch wer erwartet, dass in Löbau in nächster Zeit ein neuer Automat installiert wird, sieht sich enttäuscht. Denn noch nicht einmal für Oderwitz ist die DB in der Lage, einen Termin zu benennen, wann wieder Tickets ausgedruckt werden können. Der dortige Automat ist bereits im Mai 2013 zerstört worden. „Der neue Fahrkartenautomat ist natürlich sofort bestellt worden“, erklärt Bahnsprecherin Änne Kliem auf SZ-Anfrage. Jedoch hätten die Hersteller recht lange Lieferfristen, teilt sie mit. Daher sei es nicht möglich konkret zu sagen, wann dort ein neuer Automat aufgestellt werden könne. „Wir sind jedoch bestrebt, so schnell als möglich unseren Fahrgästen wieder einen Fahrkartenautomaten zur Verfügung zu stellen.“ Damit ist also nicht zu erwarten, dass Löbau, Neugersdorf oder Wilthen, die ebenfalls von der Automatensprengung betroffen sind, zügig Ersatz erhalten werden.

Indes erweist sich offenbar auch die Tätersuche als schwierig. Vergleiche mit anderen Sprengungen seien schwer, es werde stets der Einzelfall betrachtet, erklärt der Görlitzer Polizeisprecher Thomas Knaup. Die Bundespolizei weist unterdessen darauf hin, dass sie zwar durchaus bei Straftaten auf Bahngelände tätig wird, aber nicht, wenn eine Tat in die Kategorie Verbrechen fällt. Das erklärt Sprecher Jörg Freitag. Da die Automaten mit Sprengstoff geöffnet wurden, fällt das in diese Kategorie – und die Landespolizei übernimmt somit die Ermittlungen.

Trotz mehrerer Automatensprengungen hält deren Sprecher Knaup übertriebene Vorsicht an solchen Geräten für überflüssig. Alfred Simm, Chef der Löbauer Eisenbahnfreunde, weist dieser Tage regelmäßig darauf hin, dass Reisende doch auf die Schlitze solcher Automaten achten sollten. Zugeklebte Öffnungen könnten ein Indiz für einen geplanten Anschlag sein. Polizist Knaup kontert diese Warnung mit dem Hinweis, dass die Täter Automaten nicht lange vorbereiten, sondern schnell und ohne Zeugen sprengen würden, um zügig mit der Beute zu entkommen.

Welcher Rat hier auch angebracht sei – in Oderwitz, Neugersdorf oder Löbau stellt sich diese Frage vorläufig ohnehin nicht: Es gibt ja bis auf weiteres keine Automaten an den Gleisen mehr.