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Bahn frei für Seifenkisten

Jung und Alt treffen sich am Wochenende in Kleinnaundorf bei den Deutschen Meisterschaften. Für die meisten ist das Ergebnis Nebensache.

Beim Seifenkistenrennen waren rund 80 Fahrer, darunter auch aus Österreich, Belgien und Tschechien, am Start.
Beim Seifenkistenrennen waren rund 80 Fahrer, darunter auch aus Österreich, Belgien und Tschechien, am Start. © Karl-Ludwig Oberthuer

Endlich mal wieder etwas los. Ausgerechnet ein kleiner Ortsteil am Stadtrand von Freital hat es geschafft, die erste Sportveranstaltung in Sachsen in der Corona-Saison 2020 auf die Beine zu stellen. An diesem Wochenende findet in Kleinnaundorf das alljährliche Seifenkistenrennen statt. Zum achten Mal wird der Pokal der Stadt Freital ausgetragen. Dazu gibt es als Sahnehäubchen obendrauf die 11. Deutsche Meisterschaft im Speeddown, so der Fachbegriff fürs Seifenkistenrennen.

Zwar gab es verschärfte Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie, doch der Verein G-Haus Freital sorgte mit zahlreichen Helfern - auch aus benachbarten Ortschaften - dafür, dass Dorffest-Stimmung aufkam. "Uns gefällt es hier gut. Endlich kann man am Wochenende mit den Kindern mal wieder zu einer Veranstaltung gehen und etwas erleben", sagt André Kaden, der mit seiner Familie aus der Großenhainer Ecke extra nach Kleinnaudorf gekommen ist. Die Söhne Tim und Louis sind auf der Hüpfburg verschwunden, die mächtig belagert ist. 

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Eigentlich hatten die Kleinnaundorfer ihre Sportveranstaltung bereits für den Juni geplant. Doch die coronabedingten Einschränkungen ließen das Seifenkistenrennen platzen. Lange habe man überlegt, ob man verschiebt oder ganz abbläst, berichtet Vereins-Chef Thomas Käfer. Ganz knapp sei die Entscheidung gefallen. Als dann der Verband Speeddown Deutschland einen neuen Austragungsort für die Deutschen Meisterschaften suchte, boten die Kleinnaundorfer sich an und bekamen den Zuschlag.

Wer wissen will, wie die Stimmung wirklich ist, muss ins Fahrerlager gehen. Hier, am alten Kleinnaundorfer Bahnhof, stehen die Seifenkisten wie an einer Schnur aufgefädelt. Zuschauer flanieren vorbei, bleiben stehen und betrachten all die bunten Spaßmobile. Ein kleiner Junge will unbedingt mal einsteigen. "Nein, nein", sagt sein Vater bestimmt und versucht, einen Sohn von der Kiste wegzuziehen. Es folgt ein wütendes Heulen und sofort ist einer der Fahrer da. "Na, willste dich mal reinsetzen?" Klar, will der Junge und grinst triumphierend seinen Papa an. 

Froh ist man hier, dass endlich mal wieder ein Rennwochenende stattfindet. Klaus Reißmann aus Dresden ist mit dabei, er ist mit seinen 82 Jahren der älteste Fahrer im Feld. "Ich bin so bei sechs bis acht Rennen im Jahr, aber dieses Jahr, na ja", sagt er und winkt ab. Jetzt genießt er es, sich mit all seinen Sportsfreunden zu treffen. Sie schwatzen, fachsimpeln und necken sich. "Das ist eine große Familie. Die meisten kennen sich, man trifft sich immer wieder an solchen Renntagen."

Die Organisatoren haben auch alles getan, damit Fahrer und Gäste sich wohlfühlen. Es gibt Getränke, Bratwürste, Eis. Die Kleinsten dürfen sich beim Bobbycar-Rennen testen, und weil es so heiß ist, steht für die Kinder auf dem Festplatz sogar ein Pool bereit. Für den Verein ist es auch ein Testlauf. Denn nächstes Jahr möchte man in Freital-Somsdorf die Europameisterschaften austragen. Das, so ist man sich in Kleinnaundorf sicher, wird eine ganz große Nummer. 

© Karl-Ludwig Oberthuer

Frank Keßler (40) aus Überlingen

Ich fahre seit 2013. Damals gab es im Nachbarort so ein Spaßrennen, also habe ich mit ein paar Kollegen eine Kiste gebaut und wir sind mitgefahren. Da hat es mich gepackt. Kurz danach habe ich mir eine professionelle Seifenkiste gekauft, die ich heute noch fahre. Ich habe allerdings etliche Umbauten vorgenommen. Nun ist sie schneller und technisch besser. Für einen Sieg hat es zwar noch nicht gereicht, aber ich bin schon mehrmals Dritter bei den Deutschen Meisterschaften geworden. 

© Karl-Ludwig Oberthuer

Frieder Mildner (68) aus Bräunsdorf mit Klaus Reißmann

Nachdem ich in meinem Heimatdorf bei einer Sachsenmeisterschaft als Helfer mitgemacht habe, habe ich mir selbst eine Seifenkiste gekauft. Sie sah damals etwas anders aus als heute. Ich habe sie sozusagen meinem Körper angepasst und sie auch sicherer gemacht. Das sind so die Winterprojekte von uns Fahrern. Mir ist es nicht wichtig, zu gewinnen. Ich fahre mit, weil es Spaß macht. Meine Frau ist als Zuschauerin mit dabei. Für uns ist so ein Rennwochenende immer ein Kurzurlaub. 

© Karl-Ludwig Oberthuer

Kathrin Kitsch aus St. Johann

In unserem Dorf in der Schwäbischen Alb gibt es einen Seifenkisten-Verein. 2005 bin ich dazu gekommen, einige aus unserer Familie machen mit. Meinen Mann Horst habe ich überredet, weil ich technisch nicht so viel drauf habe. Er hat unsere Seifenkiste gebaut, ein Carioli. Das besteht komplett aus Holz, bis auf die Räder, die Lenkzüge und Achsen.  In Kleinnaundorf gefällt es uns gut, die Strecke ist sehr schön, nur die Oberfläche der Straße ist etwas holprig. Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen.

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