merken
PLUS

Bahn kehrt zur Normalität zurück

Der Bau am Görlitzer Postplatz kommt voran. Ab Dienstag fährt die Straßenbahn wieder nach Fahrplan. Um die gab es jetzt Ärger.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Ingo Kramer

Eigentlich hat sich Rüdiger Petzold gefreut. Seit einiger Zeit gibt es das neu gestaltete Fahrplanheft zu allen Straßenbahn- und Busverbindungen in Görlitz. „Es ist prima gestaltet, übersichtlich, mit einem Liniennetzplan und mit Tarifliste“, lobt der SZ-Leser aus Biesnitz.

Anzeige
IT-Techniker (m/w/d) gesucht
IT-Techniker (m/w/d) gesucht

Lust auf die Arbeit in einem inhabergeführten, wachsenden & innovativen Unternehmen? Der IT-Dienstleister INFOTECH besetzt Stellen!

Als er sich den Plan abholte, fragte er im Kundenbüro der Verkehrsgesellschaft (VGG) in der Theaterpassage vorsichtshalber nach, ob denn die Straßenbahnen nach diesem Plan fahren würden. Die Antwort überraschte ihn: Nein, tun sie nicht. „Nur auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass es aufgrund der seit Monaten dauernden Bauarbeiten am Postplatz diverse Planänderungen gäbe“, sagt Petzold. Als er nach einem ergänzenden Hinweiszettel fragte, folgte die nächste Enttäuschung: So etwas sei nicht da. Nichts gegen die notwendigen Bauarbeiten, sagt Petzold. Die seien gut und bräuchten ihre Zeit. Aber einen ergänzenden Hinweiszettel zu den lange geplanten Bauarbeiten und zum monatelang geänderten Fahrplan, den bräuchte es schon, gerade auch für Fremde, die in Görlitz mit Bus oder Bahn fahren wollen.

VGG-Chef Frank Müller hat sich inzwischen in aller Form bei Petzold entschuldigt. Die Beschwerde sei umgehend mit dem Mitarbeiter im Kundenbüro ausgewertet worden. Denn: Die Informationen zu den Planänderungen seien tatsächlich vorhanden. Sie liegen zur Ausgabe bereit, der Mitarbeiter vor Ort habe dies aber nicht getan. Das sei intern mit dem Kollegen ausgewertet worden: „Wir setzen alles daran, unsere Mitarbeiter zu sensibilisieren.“

Ärger ganz anderer Art hatte im Übrigen auch die VGG. Sie habe versucht, die Fahrplanänderungen zusammenzufassen und mit Handzetteln in den Fahrzeugen sowie über die Presse und durch Aufsteller an den Haltestellen so gut wie möglich bekannt zu machen, sagt Müller. „Leider wurden fast 50 Prozent unserer Aufsteller an den Haltestellen durch Vandalismus völlig zerstört, sodass wir uns gezwungen sahen, die restlichen einzuziehen“, berichtet der VGG-Chef. Die Informationen mit den geänderten Abfahrtszeiten befinden sich aber zumindest in den Fahrplankästen.

Doch Müller hat auch eine gute Nachricht: „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dem Wechsel auf das andere, bereits neu gebaute Gleis am Dienstag den normalen Fahrplan wieder aufnehmen können.“ Die Bahn am Postplatz fährt dann auf dem stadtauswärtigen Gleis. Durch die Verlegung der Kreuzung vom Demianiplatz in Richtung Annengasse könne es aber zu geringfügigen Verspätungen kommen.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung liegen alle Bauarbeiten am Postplatz im Zeit- und Kostenrahmen. Drei Auftraggeber teilen sich in die Arbeiten: Stadt, Stadtwerke und VGG. Für die Stadt erklärt Amtsleiter Torsten Tschage, dass zurzeit die Gehwegplatten einschließlich Pflaster von der Einfahrt der Justizvollzugsanstalt (JVA) bis Höhe Schuhhaus Leiser verlegt werden. „Wenn der Gleisbau etwa im September fertig ist, beginnt auch die Pflasterung der Fahrbahn von Höhe JVA bis Leiser“, sagt er. Der Neubau des Gehweges von der Zufahrt zum Parkhaus in Richtung C&A beginne zeitnah. Der Gehweg um das Postgebäude herum sei bereits fertig, der Fahrbahnunterbau zwischen JVA und Leiser ist es zu 80 Prozent. Die Montage der ersten Laternenmasten in Höhe JVA bis Höhe Bäckerei Dreißig beginne diese Woche.

Zufrieden zeigt sich auch Stadtwerke-Sprecherin Belinda Brüchner: „Unsere geplanten Arbeiten am Postplatz liegen sehr gut im Zeitplan.“ Die Verlegung und Sanierung der Abwasserkanäle sei zum überwiegenden Teil abgeschlossen. Diverse Schächte seien noch grabenlos zu sanieren, wofür keine Erdarbeiten notwendig sind. Zudem müssten die Stadtwerke einige Anschlusskanäle unter dem nächsten auszuwechselnden Gleis reparieren. Die Erneuerung der Trinkwasserleitung vor C&A bis zum geplanten Bauende der Stadt in Richtung Citycenter stehe noch bevor. Ebenso müsse noch die Trinkwasserleitung auf dem Gehweg von Leiser bis zum Demianiplatz erneuert werden. Das sei abhängig vom Gleisbau und der notwendigen Straßensperrung vor der Fleischerei Homilius und dem dm-Markt. Planmäßig wird das nicht vor Ende September passieren. Alle Kabel zwischen Sparkasse und Post seien verlegt. „Es sind aber noch Leistungen im neuen Kirchplatz und in Richtung Demianiplatz geplant“, so Belinda Brüchner. Diese werden wie geplant voraussichtlich auch ab September beginnen.

Zurzeit liege das Hauptaugenmerk am Postplatz auf den Leistungen der VGG, wie der Auswechslung der Gleise zwischen Frauenkirche und Sparkasse, sowie auf den Straßenbauleistungen der Stadt, betont Belinda Brüchner. „Wenn der Baufortschritt so gehalten werden kann, werden die Stadtwerke 100 Prozent der für dieses Jahr geplanten Bauarbeiten schaffen und sogar voraussichtlich etwa 90 Prozent ihrer Gesamtleistungen erreichen, also bezogen auf die komplette Baumaßnahme Postplatz, die noch bis Ende 2019 dauert.

Die VGG bestätigt die Pläne. Ab nächstem Mittwoch bis Ende September solle das stadteinwärtige Gleis entfernt und neu gebaut werden. Zudem werden im September drei neue Abspannmasten gesetzt und die Fahrleitungen umgespannt. Die Gleisbauarbeiten am Gleisdreieck in Richtung Parkhaus Citycenter seien für Frühling 2019 geplant. Dann folgt dort auch der Straßenbau. Am Ende will die Stadt planmäßig den Asphalt vor der Post sowie zwischen Sparkasse und Modehaus Stöcker bis Ende 2019 durch Kopfsteinpflaster ersetzen. Diese Arbeiten wird Rüdiger Petzold aus der dann längst wieder regulär fahrenden Straßenbahn beobachten können.