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Bahn ohne Hof

Vergangene Woche bot die Bahn-AG in einer Zeitungsanzeige den Bahnhof Freital-Hainsberg zum Verkauf an. Nach und nach sollen alle Empfangsgebäude im Weiße-ritzkreis neue Besitzer finden.

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Von Christian Eißner

Tristesse auf fast allen Bahnhöfen im Weißeritzkreis: Die Schalter sind nicht mehr besetzt, Bahnhofsvorsteher und Weichenwärter ausgezogen, die Bahnhofskneipe schon ewig dicht. Und die Passagiere sollen in Zukunft – wie zum Beispiel in Altenberg oder Glashütte – an modernen „Übergangsstellen“ auf ihren Zug warten. Wozu braucht man da noch einen Bahnhof? Die Bahnhofsgebäude im Weißeritzkreis sind „betriebstechnisch nicht mehr notwendig“, wie es im Bahnjargon so schön heißt. Aber sie sind teuer im Unterhalt. So sucht die Bahn nach neuen Besitzern.Obwohl der Bahnhof in Freital-Hainsberg in Sachen Gaststätte und Schalter noch eine rühmliche Ausnahme ist, bot ihn die DB-Immobilien vergangene Woche in einer Zeitungsanzeige zum Kauf an. Und das, obwohl die Bahn seit längerem in Verhandlungen mit der Interessengemeinschaft Weißeritztalbahn steht. Deren Büros befinden sich auch im Hainsberger Bahnhof. „Wir bemühen uns seit drei Jahren um den Kauf des Gebäudes“, sagt Vereinschef Ralf Kempe, verwundert über das Vorgehen. Bahnsprecher Volker Knauer bezeichnet die Anzeige dagegen als reine Formsache. Die Interessengemeinschaft werde als Käufer favorisiert, da sie ein gutes Nutzungskonzept habe.Dass Bahnhöfe verkauft und umgenutzt werden, ist nicht neu. Die Stadt Altenberg hat zum Beispiel die Stationen in Altenberg und Kipsdorf übernommen, die Uhrenfirma Nomos hat den Glashütter Bahnhof gekauft. Die Gemeinden konnten in begründeten Fällen ein Vorkaufsrecht geltend machen. Dies wurde aber nur relativ selten genutzt, da viele Stationen saniert werden müssen oder ein geeignetes Nutzungskonzept fehlt. Bärenstein ist ein Beispiel dafür, wo die Stadt das Gebäude kaufte und der Förderverein für die Müglitztalbahn ein Begegnungszentrum einrichtet.Inzwischen überträgt die Deutsche Bahn ihre Stationsgebäude im großen Stil an eine Firma in Wiesbaden – mit dem Auftrag, die Gebäude zu vermarkten. Die „First Rail Property“ wird auch die Bahnhöfe in Freital-Potschappel und Freital-Deuben übernehmen und nach Käufern suchen. Anfang nächsten Jahres soll es so weit sein, so Bahnsprecher Knauer. Im Freitaler Rathaus weiß man darüber Bescheid. Man habe von der Bahn ein Exposé zum Potschappler Bahnhof angefordert, sagt Stadtsprecherin Inge Nestler. Kaufabsichten seien damit aber zunächst nicht verbunden. Etwas weiter war man schon in Höckendorf. Hier beriet der Gemeinderat über einen möglichen Kauf des Bahnhofsgebäudes Edle Krone. Da man aber kein Nutzungskonzept hatte, sah die Gemeinde von einem Kauf ab. Auch die Station Edle Krone soll nun an die „First Rail Property“ übergehen.Nur rund 40 Empfangsgebäude in ganz Sachsen will die Bahn-AG behalten. Das betrifft vor allem große Bahnhöfe wie in Leipzig oder Dresden. Es gehören aber auch einige wenige kleine Stationen dazu wie Bad Schandau. Im Weißeritzkreis trifft das aus Bahn-Sicht auf kein Empfangsgebäude zu.