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Bahnbögen oben ohne

Am Neustädter Bahnhof gehen die Bauarbeiten nun auch außerhalb weiter. Platz für Geschäfte oder Bars entsteht.

© André Wirsig

Von Kathrin Kupka-Hahn

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Die gute Nachricht zuerst: Der Neustädter Bahnhof wird gut eineinhalb Jahre eher fertig als geplant. Bahnreisende können voraussichtlich schon ab dem Jahresende 2014 die neuen Bahnsteige benutzen, die dann auch barrierefrei über Aufzüge erreichbar sein werden. „Ursprünglich war geplant, dass das erst 2016 möglich wird“, erklärt Günter Roßmann.

Er ist einer der Bauleiter der Deutschen Bahn vor Ort und koordiniert die Zusammenarbeit der verschiedenen Firmen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Rund 40 Bauarbeiter und Spezialisten sind momentan am Neustädter Bahnhof tätig. Sie arbeiten in zwei Schichten á zwölf Stunden – sie betonieren, schweißen, kleben, bauen Verschalungen, verlegen Leitungen und Rohre, reißen ab und füllen auf. „Dass wir so gut vorankommen, ist eine echte Meisterleistung“, sagt Roßmann.

Wie gut die Zusammenarbeit klappt, wird derzeit an den Bahnbögen in Richtung Marienbrücke sichtbar. Da die Eisenbahnbrücke an der Hansastraße im Großen und Ganzen steht, gehen die Arbeiten nun dort weiter. „Für uns ist das nichts Besonderes. Das war ein fließender Übergang“, sagt der Bauleiter. Die Bahnbögen wurden deshalb schon vor einigen Tagen „freigelegt“. Wer auf der Antonstraße an ihnen vorbeiläuft, sieht, dass sie keine Decke haben und Licht von oben eindringt. Gerüste stützen die Wände. Stahlstreben ragen aus dem Beton. „Da die Bögen nicht auf die heutigen Standards ausgelegt sind, werden sie jetzt statisch saniert“, erklärt Roßmann, weshalb dort so aufwendig gearbeitet wird. Schließlich sollen in wenigen Wochen die neuen Streckengleise darüber verlaufen.

Deshalb wurden hinter den Bahnbögen mehrere neue Pfeiler gebaut. Sie sollen die künftige Fahrbahnplatte tragen und müssen die durch Geschwindigkeit und Gewicht der Bahnen wirkenden Kräfte aushalten. „Dabei sind die Züge nicht schwerer als früher, sondern einfach nur schneller unterwegs“, erklärt der Bauleiter. Während vor hundert Jahren rund 15 bis 20 Züge den Bahnhof in Richtung Leipzig verließen, sind es heute zwischen 50 und 60. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht, die bestehenden Konstruktionen zu verstärken. Die Schwierigkeit in den Bahnbögen war, die vorhandenen Mauern nicht zu beschädigen und sie in das neue Stützsystem zu integrieren. „Es ist schon erstaunlich, wie das früher gebaut wurde, ohne deutsche Industrienorm und ohne Stahl im Beton. Damals waren Baumeister eben noch richtige Baumeister. Da wurde für die nächsten hundert Jahre geplant und gebaut“, sagt Roßmann.

Positiver Nebeneffekt der statischen Verstärkung: Die Räume in den Bahnbögen werden gleich mit saniert. „Vor Jahren wollte Wolle Förster in einem der Räume eine Sushi-Bar eröffnen“, erzählt der Bauleiter. Doch das war wegen des schlechten baulichen Zustands in den Bahnbögen nicht möglich. In wenigen Wochen wird das nun anders sein.

Wie die Räume nach Abschluss der Bauarbeiten genutzt werden, weiß Roßmann nicht. „Da wird sich die Abteilung Bahn-Immobilien drum kümmern.“ Allerdings kann sich der Bauleiter vorstellen, dass einmal Geschäfte oder Bars darin entstehen – so wie in Berlin am Alexanderplatz.

Doch bis es so weit sein wird, haben Roßmann und seine Leute noch allerhand zu erledigen. Denn auch von außen, auf der Seite zur Antonstraße, müssen die Bahnbögen wieder ansehnlich gestaltet werden. „Obendrauf kommt wieder das historische Geländer“, erklärt der Bauingenieur. Die einzelnen Elemente wurden bereits vor den Umbauarbeiten abgenommen. Momentan restauriert sie ein Spezialist. Doch bevor sie wieder ihren alten Platz erhalten, müssen sie noch aufgerüstet werden. „Für die Originale bekomme ich keine Genehmigung“, sagt Roßmann.

Denn es gibt heute andere Sicherheitsvorschriften wie vor hundert Jahren. Außerdem wirken aufgrund der höheren Zuggeschwindigkeiten auch stärkere Kräfte. Deshalb wird ein zweites Geländer montiert. „Dort verläuft ein Dienstweg, den unter anderem Streckenläufer und Monteure benutzen werden.“