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Riesa

Bahnfahren ohne Funklöcher?

Der Saxonia-Express bietet seit Dienstag WLAN für jedermann. Doch funktioniert das auch? Ein Praxistest.

Funktioniert auch außerhalb des Zuges: Das neue WLAN-Angebot im Regionalexpress kann SZ-Redakteur Kevin Schwarzbach schon am Bahnsteig in Riesa anwählen.
Funktioniert auch außerhalb des Zuges: Das neue WLAN-Angebot im Regionalexpress kann SZ-Redakteur Kevin Schwarzbach schon am Bahnsteig in Riesa anwählen. © Lutz Weidler

Riesa/Dresden. Hinsetzen, einloggen, lossurfen – die Ankündigung der Deutschen Bahn und des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) klingt denkbar einfach. Seit Dienstag kann man im Regionalexpress von Dresden nach Leipzig kostenlos im Internet surfen. Doch funktioniert das auch?

Auf dem Weg zum Bahnhof Dresden-Neustadt flackern bei mir Erinnerungen an frühere Innovationen der Bahn auf: Das WLAN im ICE wurde im Vorfeld groß gefeiert, brauchte dann aber lange, um wirklich problemfrei zu funktionieren. Ob man da beim Regionalexpress sauberer gearbeitet hat? Eine Frage, auf die wohl zunächst nur wenige Bahnfahrer eine Antwort bekommen. Allein schon deshalb, weil sie von dem neuen Angebot noch nichts wissen. Das WLAN-Symbol, das Bahn und VVO bei ihrer Pressekonferenz auf einem der roten Züge präsentierten, ist auf meinem Regionalexpress nirgendwo zu entdecken.

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Die Anmeldung funktioniert dagegen wie angekündigt: Kaum dass ich Platz genommen habe, navigieren mich meine Finger zu den Einstellungen meines Smartphones, wählen den Unterpunkt WLAN aus – und schon steht das Angebot der Bahn bereit. „[email protected]“ heißt das neue Netzwerk, für dessen Nutzung man lediglich den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen muss. Sieben kurze Punkte enthält das Kleingedruckte, selbst für Detailversessene eine lösbare Aufgabe. Alle anderen können indes schon lossurfen.

Und das funktioniert wirklich ausgezeichnet, ich bin ernsthaft überrascht. Schnell ein paar Textnachrichten an die Kollegen, die Antworten kommen sofort. Auch Bilder lassen sich erstaunlich schnell verschicken. Sogar die GIFs – sozusagen bewegte Bilder, die wie ein Kurzfilm auf dem Handy ablaufen – flimmern munter über das Display. Der Zug ist mittlerweile in Weinböhla und alles läuft reibungslos. Zeit für das nächste Level.

Auch die aufgerufenen Internetseiten laden zügig, die Nachrichten prasseln auf mich ein. Das Wunder von Anfield bewegt die Welt. Wer hätte gedacht, dass Klopps Liverpool den Messi-Verein Barcelona nach der saftigen Hinspielniederlage doch noch aus der Champions League wirft?

Ich habe nicht alle Tore gesehen, will mir deshalb eine Zusammenfassung anschauen. Normalerweise würde ich das niemals unterwegs erledigen, schließlich geht das alles auf Kosten meines verfügbaren Datenvolumens. Doch jetzt gibt es WLAN im Zug, das Internet muss nicht mehr meine Sorge sein. Ich warte kurz, dann läuft das Video ohne jegliches Ruckeln bis zum vierten und letzten Liverpooler Tor. Fast eine halbe Stunde hänge ich nun schon am Handy, das neue WLAN hat mich bisher nicht enttäuscht.

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