merken
PLUS Görlitz

Fahrradparken: Was kann Görlitz von Bautzen lernen?

Die Spreestadt hat eine diebstahlsichere Fahrradgarage am Bahnhof gebaut. An der Neiße aber stocken die Planungen.

Christoph Mehnert vom Zvon steht vor der neuen Sammelschließanlage am Bahnhof Bautzen. Er ist froh, dass es hier nun eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder gibt.
Christoph Mehnert vom Zvon steht vor der neuen Sammelschließanlage am Bahnhof Bautzen. Er ist froh, dass es hier nun eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder gibt. © SZ/Uwe Soeder

Note 4 für Görlitz, Note 2 für Bautzen: So unterschiedlich urteilt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Sachsen (ADFC) in seiner neuen Studie über Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an den Bahnhöfen beider Städte.

Tatsächlich sind die Unterschiede gravierend. Am Bautzener Bahnhof gibt es 105 überdachte Fahrradständer. Hinzu kommen 68 Plätze in einer Sammelschließanlage, die der Verkehrsverbund Zvon gerade erst montieren ließ. In Görlitz hingegen stehen gerade mal 80 Fahrradständer – allesamt unter freiem Himmel. Viel zu wenige, findet der ADFC. „Wir wollen, dass auf jeden siebenten Fahrgast ein Fahrradstellplatz kommt“, sagt Janek Mücksch vom ADFC in Dresden. Bei 2.000 Menschen, die täglich am Bahnhof in einen Zug steigen, wären das Abstellmöglichkeiten für 300 Fahrräder. Weil es nur 80 sind, gab es die Note 4. Eine Fahrgastbefragung aber hat der ADFC nicht durchgeführt.

Anzeige
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!

Jetzt die Zukunft des Festivals mit Spenden sichern.

Am Görlitzer Bahnhof stehen die Fahrräder im Regen. 80 Ständer gibt es hier. Zu wenige, findet der ADFC. Tatsächlich aber sind sie faktisch nie komplett ausgelastet.
Am Görlitzer Bahnhof stehen die Fahrräder im Regen. 80 Ständer gibt es hier. Zu wenige, findet der ADFC. Tatsächlich aber sind sie faktisch nie komplett ausgelastet. © nikolaischmidt.de

Damit hätte er womöglich festgestellt, dass die Realität anders aussieht: Die 80 Plätze sind faktisch nie ausgelastet. Das hat auch Janek Mücksch bei seinen Besuchen in Görlitz schon gesehen. „An der Unbekanntheit der Ständer oder der Entfernung zum Bahnhof kann es nicht liegen“, sagt er. Seine Vermutung: Weil die Diebstahlszahlen an der Neiße besonders hoch sind, trauen sich möglicherweise viele Leute nicht, mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu kommen und ihr Rad dort anzuschließen.

Eine Lösung wäre eine Sammelschließanlage, wie es sie seit Kurzem in Bautzen gibt. Wie ein überdimensionaler Tierkäfig sieht sie aus. Engmaschige Streben aus Edelstahl erschweren den Blick ins Innere. Eine Metalltür versperrt den Weg. Zugang hat nur, wer eine Chipkarte besitzt, Diebe bleiben außen vor. Ein Dach schützt vor Schnee und Regen. Auf zwei Etagen reihen sich links und rechts futuristisch anmutende Vorrichtungen aus Metall. Das Parken in der oberen der beiden Ebenen ist kein Problem: Mithilfe eines Mechanismus lässt sich die Vorrichtung nach vorn und unten schieben. Das Rad kann so bequem in dem Rahmen platziert und abgeschlossen werden. Danach kommt das Schiebesystem bequem wieder an seinen Platz.

Kein Käfig für Görlitz geplant

Ist das auch für Görlitz die Lösung? Scheinbar nicht, denn einen abschließbaren Käfig soll es hier nicht geben. „Auf dem Vorplatz ist das aus städtebaulichen und aus Gründen des Denkmalschutzes problematisch“, sagt Hartmut Wilke vom Amt für Stadtentwicklung. Stattdessen planen Stadt, DB Station&Service und Zvon die Errichtung von Fahrradabstellanlagen im Bahnhofstunnel, sagt Christoph Mehnert vom Zvon: „Dieses Vorhaben ist Bestandteil des Efre-Programms für nachhaltige Stadtentwicklung im Brautwiesenbogen.“ Im Efre-Antrag der Stadt ist es zu finden. Kosten 180.000 Euro, Umsetzung 2017/18, heißt es dort. „Die Umsetzung geht aber nicht ganz so wie geplant voran“, sagt Mehnert. Vor allem sei die Projektplanung für den Tunnel im Zusammenhang mit dem Brandschutz anspruchsvoll.

Platz für 40 Fahrräder im Bahnhof

Die SZ hatte schon vor einem Jahr über das Projekt „Fahrradstation im Bahnhof Görlitz“ berichtet. Die Station soll im Personentunnel entstehen, also zwischen dem Empfangsgebäude und den Bahnsteigen 7 und 8. Dort ist viel Platz, schließlich ist der frühere Aufgang zu den Gleisen 5 und 6 zugemauert. Nach Auskunft der Stadt ist eine Abstellanlage für rund 40 Fahrräder geplant, außerdem Schließfächer, einige von ihnen mit Lademöglichkeit für E-Bikes. Darüber hinaus soll es Sitzmöglichkeiten, Informationstafeln und eine sogenannte Do-it-yourself-Reparaturstation geben, an der Fahrradfahrer ihre Vehikel also selbst reparieren können.

Der Förderbescheid im Efre-Programm „Brautwiesenbogen“ sei die letzte große Hürde, die das Projekt noch nehmen muss, hieß es vor einem Jahr. Wenn das geschafft sei, könne es losgehen. Damals rechnete sie nur noch mit Baukosten von 123 000 Euro und hoffte auf eine 80-Prozent-Förderung. So bliebe ein Eigenanteil von knapp 25 000 Euro an ihr hängen. Der ist gesichert. Die Stadträte im Technischen Ausschuss haben sich vor einem Jahr in einem einstimmigen Beschluss hinter das Projekt gestellt. Anschließend hofften sie auf eine Bewilligung der Efre-Gelder. Der Förderantrag lag der SAB schon damals vor. Die Stadt ging von einem Bau im Jahr 2020 aus.

Fertigstellung im nächsten Jahr

Das ist inzwischen hinfällig. „Ein Büro überführt derzeit die Idee in eine umsetzungsreife Planung“, sagt Hartmut Wilke. Im ersten Halbjahr 2021 solle die neue Anlage in Nutzung gehen. Darüber hinaus seien auch am Haltepunkt Rauschwalde Fahrradständer vorgesehen, für die ebenfalls eine Förderung beabsichtigt ist. Die ADFC-Studie sei Anfang der Woche im Fachamt eingegangen – mit der gleichzeitigen Einladung zur Vorstellung der Projektergebnisse per Videokonferenz nächste Woche. „Der Sachbereich Verkehrsplanung hat sich dafür angemeldet und wird im Nachgang eine Bewertung vornehmen“, sagt Wilke.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz