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Bahnlärmgegner verbünden sich

Die Bürgerinitiative für ein leises Elbtal hat Gleichgesinnte in Berlin gefunden. Auch mit Lärmgegnern aus Sachsen sind die Coswiger jetzt im Gespräch.

© Thomas Kube

Von Philipp Siebert

Die Nachricht hat schnell unter den Bahnlärmgegnern in ganz Deutschland die Runde gemacht: Der Petitionsausschuss des Bundestages hat der Lärmbeschwerde der Bürgerinitiative Bahnemission Elbtal (BI) aus Coswig einstimmig zugestimmt. Ein Novum, das es vorher noch nie in Deutschland gab. Die Abgeordneten sprechen sich für die geforderte Verringerung der Geschwindigkeit in der Nacht und die Errichtung einer Lärmschutzwand am Coswiger Fachkrankenhaus aus. Jetzt muss der Deutsche Bundestag über Maßnahmen beraten. Bis zum 5. Juni 2014 soll es eine Entscheidung geben.

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Seit 2011 demonstrieren in Coswig Anwohner der Bahnstrecke Dresden-Berlin gegen den Zuglärm. Die Züge donnern auch durchs obere Elbtal, etwa durch Königstein. Auch dort werden die Anrainer Nacht für Nacht aus dem Schlaf gerissen. Insgesamt sind zwischen S
Seit 2011 demonstrieren in Coswig Anwohner der Bahnstrecke Dresden-Berlin gegen den Zuglärm. Die Züge donnern auch durchs obere Elbtal, etwa durch Königstein. Auch dort werden die Anrainer Nacht für Nacht aus dem Schlaf gerissen. Insgesamt sind zwischen S

Ähnliche Erfolge wünschen sich Lärmbetroffene in ganz Deutschland. Auch sie fordern die Politik auf, etwas gegen den Schienenlärm zu unternehmen. „Mit denen wollen wir jetzt ins Gespräch kommen“, sagt Marco Kunze von der BI. Mit einigen, wie den Mitgliedern der Bürgerinitiative Berlin Nord-Ost (BINO), die ebenfalls vom Lärm an der Strecke Dresden-Berlin betroffen sind, treffen sich die Coswiger regelmäßig. Bereits morgen ist der nächste Austausch in Berlin geplant.

Doch auch in Sachsen findet die BI Verbündete. Etwa in der Sächsischen Schweiz. Neben Landrat Michael Geisler (CDU) haben Coswigs Bahnlärmgegner bereits mit mehreren Bürgermeistern und Unternehmern aus der Region gesprochen. Jetzt wollen Kunze und seine Mitstreiter mit den Betroffenen elbaufwärts ebenfalls zusammenarbeiten. Treffen wie mit den Betroffenen rund um Berlin soll es auch im Raum Pirna geben. „Nur wenn wir viele sind, die für ein leises Elbtal kämpfen, können wir etwas bewegen – besonders auf der politischen Ebene“, so Kunze.

Vor allem vor den 2014 anstehenden Landtagswahlen in Sachsen wollen die Coswiger das Bahnlärmproblem deshalb wieder in die Öffentlichkeit und das Bewusstsein der Politiker rücken. „Einige Aktionen sind schon vorbereitet.“ Welche, wollte Kunze noch nicht verraten. Nur soviel: „Die Politiker sollen dadurch dazu gebracht werden, darüber nachzudenken, um wie viele Wählerstimmen es geht.“

Dass es ohne Politiker nicht geht, weiß Kunze. „Das zeigt der Besuch der Lärmgegner aus der Sächsischen Schweiz bei der Deutschen Bahn in Berlin.“ Mitglieder des Forums Bahnlärm des Landkreises, dem neben Landrat Michael Geisler die Bürgermeister von Bad Schandau, Königstein, Rathen und Stadt Wehlen sowie Hoteliers aus der Region angehören, waren zu einem Bahngipfel in die Konzernzentrale am Potsdamer Platz gereist.

Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: Die Bahn betrachtet die Strecke zwischen Schmilka und Heidenau bereits als lärmsaniert. Der Konzern habe die Pflicht zum Lärmschutz, so weit gesetzlich vorgeschrieben, erfüllt.

Für die Bewohner entlang der Bahntrasse heißt das: Am aktuellen Geräuschpegel wird sich nicht viel ändern. Ähnlich wie in Coswig übersteigt der jedoch vor allem nachts die gesundheitsrelevante Schwelle von 55 Dezibel deutlich, heißt es aus dem Landratsamt in Pirna.

Überrascht sind die Coswiger von den Äußerungen der Bahn nicht. „Das kennen wir“, sagt Kunze. Er und die Mitglieder der BI wollen deshalb weiter Druck machen. Dafür brauchen die Coswiger Unterstützer – auch aus dem Raum Pirna. Denn: „Jetzt ist das Thema Bahnlärm endlich auch in Berlin angekommen“, sagt Kunze.

Die mögliche Große Koalition will sich laut dem Koalitionsvertrag für mehr Lärmschutz einsetzen. CDU, CSU und SPD wollen die Umrüstung der Güterwaggons auf Flüsterbremsen bis 2020 weiter vorantreiben. Das würde den Bahnlärm halbieren. Außerdem sollen die Mittel für Lärmsanierungen von 100 auf 200 Millionen Euro verdoppelt werden. Zu laute ausländische Güterzüge sollen zudem nach 2020 auf deutschen Schienen nicht mehr fahren dürfen. Möglich seien auch Nachtfahrverbote.

Jetzt liegt es an der Regierung, durch Gesetze etwas zu ändern. „Nur wenn alle vom Bahnlärm Betroffenen die Politiker an ihre Worte erinnern, wird sich etwas ändern“, sagt Kunze. Dafür wollen die Coswiger mit ihren Verbündeten sorgen.