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Künftig nur noch Bus statt Bahn?

Seit eineinhalb Jahren pendelt der Schienenersatz zwischen Sebnitz über Neustadt nach Pirna. Brauchen die Fahrgäste noch einen Zug? Ein Test.

Von Anja Weber
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Der Schienenersatzverkehr rollt auch die nächsten Wochen noch weiter zwischen Pirna über Neustadt nach Sebnitz.
Der Schienenersatzverkehr rollt auch die nächsten Wochen noch weiter zwischen Pirna über Neustadt nach Sebnitz. © Steffen Unger

Früh, 7.30 Uhr auf dem Nationalparkbahnhof in Sebnitz. Drei Fahrzeuge sind auf dem Vorplatz abgeparkt und ein Fahrrad. Vermutlich sind deren Besitzer schon etwas früher gefahren. Pünktlich steht der Schienenersatzverkehr am Bussteig. Der Fahrer erklärt unkundigen Fahrgästen die Tarife. Doch so viele sind es nicht. Zwei Personen steigen ein, zwei weitere eilen von der Nationalparkbahn in den Schienenersatzverkehr. Der pendelt nun seit Mai 2018 von Sebnitz über Neustadt bis nach Pirna und zurück und wird auch noch ein paar Wochen weiter in Betrieb sein.

7.43 Uhr startet der Bus. Es ist der dritte, der täglich im Stunden-Takt fährt. In den Mittags- und Abendstunden fährt er dann genau wie früher die Bahn nur noch aller zwei Stunden von Sebnitz nach Neustadt, von dort aber weiterhin stündlich. "Die Busse in den frühen Morgenstunden sind besser besetzt", sagt Melanie Richter, die fast täglich mit dem Schienenersatz nach Pirna pendelt. "Das hat sich alles eingepegelt. Ich komme mit dem Bus klar. Im Zug ist aber der Komfort besser", sagt sie.  

Erster Halt ist in Krumhermsdorf Am Park. Kein weiterer Fahrgast steigt zu. Am Bahnhof in Neustadt ist das schon anders. Insgesamt 14 Fahrgäste steigen ein, die meisten Schüler die die Verbindung zum Berufsschulzentrum in Pirna-Copitz nutzen, vor allem weil sie fußläufig schneller erreichbar ist. In den Zeiten des Schienenersatzes müssen sie allerdings eine längerer Wegstrecke ins Berufsschulzentrum in Kauf nehmen. Die Zugbegleiterin der Städtebahn kontrolliert die Ausweise, verkauft neue Tickets. 

Der nächste Halt ist in Langenwolmsdorf Mitte. Den kann der Busfahrer auslassen und auch den in Langenwolmsdorf Aue, der Ersatz für den Stolpener Bahnhof. Erst in Helmsdorf steigt ein junge Mann ein. In Dürrröhrsdorf-Dittersbach am Bahnhof ein Frau. Hier allerdings wird es problematisch für den Bus. Der muss, vom Bahnhof kommend, die schmale Ausfahrt durch die Bahnbrücke meistern. Mit einem Lkw im Gegenverkehr ist das für den Busfahrer Millimeterarbeit.

Weiter geht es über Porschendorf nach Lohmen. Am Haltepunkt Lohmen Bahnhofstraße steigt eine Frau aus, niemand ein. Die meisten Schüler verlassen den Bus dann in Pirna Copitz,  Heinrich-Heine Straße. Bis zum Zentralen Busbahnhof sitzen noch zwei Fahrgäste im Schienenersatzverkehr.  Ankunft, pünktlich 9.44 Uhr in Pirna. Kurze Pause für den Busfahrer und die "Zugbegleiterin".

10.13 Uhr geht es die gleiche Strecke wieder zurück. Zwei Fahrgäste steigen ein. Bis zum Bahnhof nach Dürrröhrsdorf-Dittersbach muss der Bus seine Fahrt nicht unterbrechen. Dort steigt einer der Passagiere, offenbar ein Stammgast aus.  "Wahrscheinlich ist es heute zu kalt. Ein paar mehr fahren sonst mit", sagt er. In Hemsdorf wartet eine Frau. Mit zwei Fahrgästen steuert er auf Langenwolmsdorf zu. Und dort scheint sich eine kleine Sensation anzubahnen. Auch für den Busfahrer. Eine Schulklasse der Oberschule Stolpen wartet auf den Schienenersatz. Sie wollen nach Neustadt ins Mariba-Freizeitbad.

Auf dem Bahnhof in Neustadt heißt es für den nun einzigen Fahrgast umsteigen in einen anderen Bus. Der bisherige wird wieder für den Regionalverkehr in Bautzen benötigt. Eine logistische Leistung. Denn schließlich muss jeder Zug durch einen Bus ersetzt werden. Auf der weiteren Fahrt nach Sebnitz bleibt es einsam im Bus. Keine weiteren Fahrgäste steigen ein. Im Bahnbetrieb sollen es auch nicht mehr gewesen sein, zumindest zwischen Sebnitz und Neustadt. Da passierten pro Zug fünf bis sieben Fahrgäste die Zählschranke. Als Grund sieht der Verkehrsverbund Oberelbe hier, dass man mit der S-Bahn und dann mit der Nationalparkbahn schneller nach Sebnitz kommt.

Einen zahlenmäßigen Vergleich zu den Zugfahrgästen existiert nicht, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper. Kapazitätsbeschwerden habe es zumindest keine gegeben. Es sei auch nicht angedacht, das Angebot mit dem neuen Fahrplan auszudünnen.  Und vorerst bleibt alles beim Alten. Schienenersatz statt Bahn. Und das übrigens noch länger als erwartet. Erst ab dem 2. März 2020 sollen auf der gesamten Strecke von Pirna über Neustadt bis Sebnitz wieder Züge rollen, bereits ab dem 10. Februar voraussichtlich auf dem Abschnitt von Pirna nach Neustadt wieder.  Darüber informiert die Mitteldeutsche Regiobahn. Hintergrund sei, dass es noch immer unklare Eigentumsverhältnisse bei den Ersatzteilen gebe und immer noch Werkstattkapazitäten fehlen würde.  

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