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Bahntrasse Dresden-Prag: Wie es vorangeht

Die Bahn plant eine neue Strecke mit einem gigantischen Tunnel. Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren, die Unterlagen liegen jetzt öffentlich aus.

Neubaustrecken-Projektleiter Kay Müller von der Deutschen Bahn: Das Baurecht kommt wohl erst 2030.
Neubaustrecken-Projektleiter Kay Müller von der Deutschen Bahn: Das Baurecht kommt wohl erst 2030. © Norbert Millauer

Es ist ein gigantisches Vorhaben: Die Deutsche Bahn plant eine neue Strecke von Dresden nach Prag, um künftig den Engpass im Elbtal zwischen Pirna und Tschechien zu umgehen. Die Details der Route sind noch nicht abschließend geklärt, das Projekt befindet sich noch im Anfangsstadium. Fest steht aber: Die künftige Strecke zweigt zwischen Heidenau und Pirna von der bestehenden Bahntrasse ab. Kernstück ist ein mindestens 25 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge mit bis zu 350 Metern Gebirgsüberdeckung. Wird dieser Tunnel gebaut, wäre er der längste Eisenbahntunnel Deutschlands - und auch der erste grenzüberschreitende. Die ersten Schritte für das Megaprojekt - erste Kostenschätzungen gehen von 1,3 Milliarden Euro Baukosten aus - sind getan. Sächsische.de fasst den aktuellen Stand zusammen. 

Welches Verfahren läuft aktuell?

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Bei der Landesdirektion Sachsen läuft derzeit das Raumordnungsverfahren. Bei diesem Verfahren wird begutachtet, ob die infrage kommenden Trassen-Korridore auf  sogenannte Raumwiderstände treffen - beispielsweise Rohstoff-Lagerstätten, Trinkwasservorkommen, Naturschutzgebiete oder andere große Verkehrsprojekte. Laut der Landesdirektion werden alle Varianten untersucht, die prädestiniert sind, das Projekt-Ziel zu erreichen und nicht von vornherein wegen erkennbarer Konflikte auszuschließen sind. Am Ende des Raumordnungsverfahrens steht noch kein konkreter Streckenverlauf fest, wohl aber mögliche Korridore, durch die die Trasse verlaufen kann. 

Wie werden die Bürger beteiligt?

Innerhalb des Raumordnungsverfahrens beteiligt die Landesdirektion auch die Öffentlichkeit sowie öffentliche Stellen. Die Verfahrensunterlagen werden vom 6. Januar bis 28. Februar 2020 in den Kommunen öffentlich ausgelegt, die von den Bahnprojekt tangiert werden: Altenberg, Dresden, Heidenau, Pirna, Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt, Dohna und den Gemeinden Dohma und Bahretal. Die Unterlagen können während der üblichen Öffnungszeiten eingesehen werden. Alle Bürger haben bis zum 6. März die Möglichkeit, Anregungen, Bedenken und Hinweise zu formulieren und einzureichen. "Jede Stellungnahme wird beantwortet", verspricht Kay Müller, Projektleiter für die Neubaustrecke Dresden-Prag bei der DB Netz AG. Darüber hinaus wurden die Unterlagen auch an 98 sogenannte Träger öffentlicher Belange gesandt, unter ihnen ist auch die Dohmaer Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag", die Alternativrouten für die Bahnlinie entwickelt hat. Ebenso werden tschechische Kommunen und Behörden an dem Verfahren beteiligt. Die Unterlagen sind auch auf der Internetseite der Landesdirektion zu finden. 

Wie viele Streckenvarianten werden untersucht?

Die Deutsche Bahn ist mit sieben möglichen Trassenkorridoren ins Raumordnungsverfahren gegangen. Der Unterschied zwischen den Streckenverläufen: Es gibt Teiltunnel- und Volltunnelvarianten. Die von Sachsen bevorzugte Strecke zweigt hinter Heidenau ab, führt durch einen kurzen Tunnel, dann mit einer Brücke übers Seidewitztal in Pirna, um dann bei Dohma wieder im langen Tunnel zu verschwinden. Von der Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag" stammen zwei Alternativrouten, die von Heidenau bis Tschechien vollständig im Tunnel verlaufen. Laut Müller seien grundsätzlich alle sieben Varianten machbar, die Bahn selbst favorisiert allerdings nur vier, weil es bei drei Linienvorschlägen schon jetzt großes Konfliktpotzenzial gibt. In jedem Fall will die Bahn aber zwei Varianten - eine, die vollends im Tunnel verläuft und eine, die auch teilweise oberirdisch verläuft - voll durchplanen. 

Welche Vorteile bringt die neue Bahnstrecke mit sich?

Die Deutsche Bahn listet mehrere Vorzüge auf:

  • Die Fahrzeit von Dresden nach Prag verkürzt sich von derzeit zweieinhalb Stunden auf dann eine Stunde. 
  • Das internationale Eisenbahnnetz bekommt zusätzliche Kapazitäten, denn mit über 240 Zügen täglich ist die Elbtalstrecke jetzt schon ausgelastet, mehr geht nicht. 
  • Tschechien wird in das Hochgeschwindigkeitsverkehrsnetz Mitteleuropas eingebunden. Denn die bisherige Strecke durch das Elbtal gilt als eines der letzten Langsamfahr-Nadelöhre auf der großen Nord-Süd-Bahnachse von Norwegen bis auf den Balkan. 
  • Mit der neuen Strecke gibt es eine hochwassersichere Eisenbahnverbindung zwischen Dresden und Usti nad Labem.
  • Mit der neuen Strecke wird die Elbtalstrecke vom Güterverkehr und somit die Anwohner vom Bahnlärm entlastet. 

Wie geht es nach dem Raumordnungsverfahren weiter?

Ziel ist es, das Raumordnungsverfahren im Juni/Juli 2020 abzuschließen. Dann soll die raumordnerische Beurteilung vorliegen - Grundlage für die weitere Planung. Danach geht es in die Vorplanung, dabei will die Bahn möglichst zwei Auswahlvarianten in zwei verschiedenen Korridoren technisch detailliert planen. Daraus ergibt sich dann eine Vorzugsvariante. Steht diese fest, beginnt voraussichtlich ab 2025 die sogenannte Ausführungs- und Genehmigungsplanung. Dazu gehört, dass der Bundestag die Vorzugsvariante bestätigt und die Gelder freigibt, generell ist die neue Strecke schon als vordringlicher Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan 2030 eingeordnet. Nach der Genehmigungsplanung schließt sich ein drei bis fünf Jahre dauerndes  Planfeststellungverfahren an, das unter der Ägide des Eisenbahnbundesamtes läuft.  2030 könnte dann das Baurecht für die Bahnlinie vorliegen. Für die Strecke selbst wird eine Bauzeit von zwölf bis 15 Jahren veranschlagt.

Wann gibt es weitere Infos für die Bürger?

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Die Deutsche Bahn plant Ende Januar 2020 in Heidenau und Pirna weitere öffentliche Informationsveranstaltungen zu dem Bahnprojekt, die Termine stehen aber noch nicht fest. Darüber hinaus plant die Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag" am 13. Januar einen Info-Abend zum Thema Neubaustrecke im Hotel "Zur Post" in Pirna-Zehista, Liebstädter Straße 30. Los geht es 18 Uhr. "Wir wollen interessierten Zuhörern den aktuellen Stand schildern und erklären, was sie jetzt tun und wie sich am Verfahren beteiligen können", sagt Steffen Spittler von der Bürgerinitiative.

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