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Bald darf jeder in den Stasi-Festsaal

Die ehemalige Zentrale an der Bautzner Straße wird umgebaut. Bei der Dekoration sollen nun die Dresdner helfen.

Jana Mundus

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Er schaut ins Leere. Verlassen steht die Büste von Feliks Edmundowitsch Dzierzynski in dem kargen Büroraum. Hier, in einem Verhörzimmer der ehemaligen Stasi-Zentrale an der Bautzner Straße, hat der polnische Revolutionär und erste Leiter der sowjetischen Geheimpolizei vor über zwei Jahrzehnten den Schreibtisch eines Mitarbeiters geschmückt. Er war dekoratives Beiwerk stundenlanger Vernehmungen, bei denen vermeintliche Gegner des DDR-Regimes mürbe gemacht werden sollten. Doch Dzierzynski gehört zu den Letzten seiner Art. Viel ist in der heutigen Gedenkstätte Bautzner Straße nicht übrig geblieben von den Statussymbolen, mit denen sich die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gern umgaben. Das soll sich nun ändern.

Beliebt bei Stasi-Mitarbeitern: der Teller zum Jubiläum ihres Ministeriums. Fotos: Steffen Unger (2)
Die Büste von Dzierzynski war auf vielen Schreibtischen zu Hause.
Lothar Klein vom Verein im ehemaligen Büro des Stasi-Chefs. Das zog jetzt um. Foto: Steffen Füssel

Gerhard Glaser steht im neuen Foyer der Gedenkstätte, die nur wenige Hundert Meter von der Waldschlößchenbrücke entfernt ist. Noch wird der Eingangsbereich gebaut, doch spätestens im März sollen Besucher an dieser Stelle ihren Rundgang beginnen. Zum ersten Mal werden dann auch Räume im Haus 2 zugänglich sein. Bis 2007 wurde es von einer Berufsschule genutzt, danach stand es leer. „Mit dem Hafthaus und den Verhörzimmern wurde den Gästen bisher vor allem die Opferseite nähergebracht“, erklärt Glaser, der Mitglied im Trägerverein der Gedenkstätte ist. Er weiß, wovon er spricht. Im Jahr 1962 war er hier nach einer Flugblatt-Aktion gegen den Abbruch der Sophienkirche selbst einen Tag und eine Nacht in Haft. Mit Einbeziehung des zusätzlichen Gebäudeteils soll nun auch die Seite der Täter beleuchtet werden. Insgesamt 2,25 Millionen Euro kostet der Umbau. 1,9 Millionen Euro kommen vom Land Sachsen – aus einem Fonds für Guthaben ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der DDR. Die Stadt unterstützt den Umbau mit 350.000 Euro.

Neben Verwaltungszimmern befand sich in dem Komplex auch der Versammlungs- und Festsaal für die Mitarbeiter der Stasi-Bezirksleitung. Nun wurde er denkmalgerecht saniert und ist ab März erstmals wieder öffentlich zugänglich. „Er war sehr gut erhalten“, fügt Glaser, der viele Jahre Sächsischer Landeskonservator war, hinzu. „Die gesamte Bühnentechnik zum Beispiel ist komplett original.“ Künftig soll der Saal für Veranstaltungen und Sonderausstellungen genutzt werden.

Für die Gestaltung einer anderen Etage zog jetzt auch das originale Büro des letzten Dresdner Stasi-Chefs, Generalmajor Horst Böhm, um. Ursprünglich befand es sich in einem Gebäudeteil direkt an der Bautzner Straße. Den will jetzt jedoch ein Investor nutzen. „Böhms Büro wurde dort also ab- und hier wieder aufgebaut“, erläutert Gerhard Glaser. Das Parkett in Fischgrätenoptik glänzt schon wieder, die Wandvertäfelung aus Holz ist angebracht. In den nächsten Wochen werden die Möbel wieder aufgebaut. „Die sind alle noch da.“ Doch etwas fehlt – die Dekoration.

Deshalb hoffen die Verantwortlichen der Gedenkstätte nun auf die Mithilfe der Dresdner. Kurz vor der Besetzung der Stasi-Zentrale durch Demonstranten am 5. Dezember 1989 räumten viele Mitarbeiter der Behörde ihre Büros, nahmen Urkunden, Orden, Ehrenzeichen, Büsten oder Wandteller mit. Was sie nicht wegbrachten, entdeckten später Demonstranten und nahmen es als Andenken mit nach Hause.

„Wir hoffen, dass der ein oder andere noch einen Teil dieser Sachen zu Hause findet und uns für die Ausstellung zur Verfügung stellen kann“, sagt Uljana Sieber, Leiterin der Gedenkstätte. Als Schenkung oder auch als Leihgabe. Mit Namen oder auch anonym. Sie spricht damit auch die Nachkommen ehemaliger Dresdner Stasi-Mitarbeiter an.

„Uns ist durchaus klar, dass das Thema gerade für diese Familien schwierig ist. Aber vielleicht gibt es Leute, die trotzdem helfen wollen, die Büros so authentisch wie möglich zu gestalten.“ Gesucht werden auch private Fotos, Videos oder sogar Tagebucheinträge, die bei der Besetzung der Stasi-Zentrale oder danach entstanden. „Ich hoffe, dass unser Anliegen bei den Dresdnern auf offene Ohren stößt“, fügt Gerhard Glaser hinzu. „Nur so ist es möglich, einen wirklichen Eindruck von den Verantwortlichen in der Bezirksleitung des Ministeriums für Staatssicherheit zu vermitteln.“ Authentizität sei wichtig, um die Vergangenheit begreifbar zu machen.

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