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Bald Luxus-Wohnungen im Schloss

Das Anwesen in Klipphausn-Weistropp drohte zu verfallen. Jetzt entsteht es wieder in alter Schönheit.

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Von Dieter Hanke

Ein Märchenprinz ist Uwe Herrmann nicht. Doch der Böblinger Unternehmer aus Baden-Württemberg rettet einmal mehr ein Schloss, das eine reiche Tradition hat. Das Weistropper Anwesen aus dem 17. Jahrhundert vor den Toren Dresdens, das seinerzeit sogar den sächsischen Hof mit dem reizvollen Blick in das Elbtal beeindruckte, wird jetzt restauriert.

In dem dreiflügligen Bauwerk, das in den vergangenen Jahren leer stand und zu verfallen drohte, entstehen gegenwärtig Luxus-Appartements. Insgesamt 19 Zwei- bis Vierraumwohnungen mit Terrasse oder Balkon sind es. „Alle wurden bereits verkauft“, sagt Uwe Herrmann, Chef des Aufsichtsrats der Ventar Immobilien AG. Kapitalanleger aus Dresden, Stuttgart, Hamburg und weiteren Orten Deutschlands haben in Weistropp investiert. Billig ist das Ganze allerdings nicht. Die teuerste Luxuswohnung befindet sich im Erdgeschoss, hat über 140 Quadratmeter und kostete eine halbe Million Euro. Ab 250 000 Euro und aufwärts lagen die Verkaufspreise. „Fast alle Wohnungen werden von den Besitzern vermietet“, sagt Herrmann.

Die Sanierung des Schlosses, die im Spätherbst 2014 begann, ist im vollen Gange. „Wir wollen Ende dieses Jahres fertig sein“, bemerkt Bauleiter Andreas Thümmler. Der 44-Jährige kann sich auf ein eingespieltes Team verschiedener Gewerke verlassen, das versiert bei der Restaurierung denkmalgeschützter Bauten ist. Das ist sehr wichtig, denn Schloss Weistropp war schon stark heruntergekommen. Am Südflügel brach der Giebel ein, durch Dächer regnete es, Putz bröckelte ab, historische Holzdecken vergammelten. „Einfach so alles abreißen und neu machen, geht da nicht. Wertvolle historische Bausubstanz soll erhalten bleiben. Da müssen wir behutsam vorgehen. Schließlich hat das Schloss eine jahrhundertelange Geschichte“, sagt der Bauleiter. So werden alte Türen und Fenster restauriert. Auch Holzeinbauten im Kaminzimmer zum Beispiel, die Kassettendecke oder im Saal die originale illusionistische Felderdecke sowie ursprüngliche Putzflächen im Treppenhaus werden erhalten. Auch beim Dachstuhl gehen die Fachleute sorgsam vor. Nur Balken und andere Teile werden ausgewechselt, wo Nässe und Schädlinge nicht mehr viel übrig ließen. Denkmalschützer Dr. Christl im Meißner Landratsamt ist erfreut über die denkmalgerechte Sanierung. „Das Unternehmen bringt sich hier ein“, sagt er.

Klipphausen war schon ratlos

An die 6,5 Millionen Euro investiert die Ventar Immobilien AG in die dreiflüglige Schlossanlage, die 1601 Heinrich von Eckersberg errichten ließ. Nach Umbauten sind verschiedene Baustile erkennbar, vorherrschend aber klassizistische Elemente. Zu DDR-Zeiten wurde das Schloss von Schule, Tagesstätte, Gemeinde und LPG genutzt. Auch Wohnungen gab es dort.

Der große Innenhof soll künftig autofrei bleiben. In einem Seitengebäude werden Garagen für die Wohnungsinhaber eingerichtet. „Wir wollen, dass das Schloss wieder seine alte Schönheit erhält“, sagt Aufsichtsrats-Chef Herrmann. Dazu gehört auch eine gelbliche Fassade, wie sie einst typisch war. Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann ist froh, dass es beim Schloss Weistropp nun ein gutes Ende gibt. „Wir hatten kein Glück mit bisherigen Interessenten, waren schon ratlos. Es gab für Weistropp oft große Pläne“, sagt er. Die Gemeinde hatte vor einigen Jahren das Anwesen für 100 000 Euro verkauft. Der Besitzer wollte Künstlerateliers und -werkstätten sowie Reihenhäuser errichten. Das Projekt ging aber finanziell nicht auf. 2011 erwarb dann Ventar das Schloss. Nach dessen Ausbau soll es gleich weitergehen. In einem angrenzenden Seitengebäude des Rittergutes will Ventar 17 Wohnungen ausbauen.

Wieder mit von der Partie wird da auch SMC, die Deutsche Generalbau GmbH Samer Mohammad mit Sitz in Dresden sein. Seit über zehn Jahren arbeitet die Ventar Immobilien AG, die seit 1997 in Dresden und dem Umland tätig ist und einen Jahresumsatz von etwa 40 Millionen Euro hat, mit diesem Bauunternehmen erfolgreich bei der Altbausanierung zusammen. Aktuell entstanden jetzt im historischen Gasthof an der Dohnaer Straße in der Landeshauptstadt 20 neue Wohnungen. Im früheren Stasi-Areal auf der Bautzener Straße baut Ventar zurzeit auch Wohnungen aus.