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Bald möglich: Dom-Führung via Handy

Studenten erkunden das Freiberger Gotteshaus. Von der virtuellen Reise sollen auch die Besucher profitieren.

Von Gabriele Fleischer

Ein virtueller Rundgang mit Blick in die Geschichte und auf die Intensionen der einstigen Bauherren – im Dom soll das in naher Zukunft erstmals in der Freiberger Öffentlichkeit Wirklichkeit werden. Ein neben Tulpenkanzel, Goldener Pforte oder im Kreuzgang angebrachter Code müsste dafür per Smartphone oder Tablet-PC eingescannt werden. Dann kann der Ausflug in die Geschichte beginnen.

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Noch aber steckt das interdisziplinäre Projekt, das Studenten der Kunstgeschichte, Germanisten, aber auch Kartografen vereint, in den Kinderschuhen. In dieser Woche waren die jungen Leute erstmals mit ihren Professoren auf Spurensuche im Dom. Die 30-köpfige Gruppe startete ihre Bestandsaufnahme. Wann der Rundgang angeboten werden kann, das allerdings steht noch nicht fest.

Initiiert vom Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, haben sich dem Projekt das Medienzentrum der Dresdner Universität sowie das Institut für Germanistik und Kommunikation der TU Chemnitz angeschlossen. „Wir müssen uns sensibilisieren, um die Architektur, die nicht nur einem Stil zuzuordnen ist, wahrzunehmen“, erklärt Professor Stefan Bürger, der den Studenten vor dem Rundgang Gedankenstützen mit auf den Weg gibt. Wie wirkt die Architektur auf den Betrachter? Kann man im Aufbau den Strukturen einer Erzählung folgen? Fragen, die im Raum stehen, aber auf die es bald Antworten gibt.

Noch steht Franziska Spaniel voller Respekt vor der Tulpenkanzel. Die 23-Jährige, die im zweiten Mastersemester Kunstgeschichte studiert, sieht dieses Meisterwerk aus dem beginnenden 16. Jahrhundert das erste Mal. Noch habe sie nichts darüber gelesen, weil sie das Bauwerk erst einmal auf sich wirken lassen will. Wie die Figuren mit dem eigentlichen Sinn der Kanzel, dem Predigen, verschmelzen, sei schon beeindruckend, erzählt die junge Frau, die sich diesem Objekt mit einer angehenden Germanistin nähert. Die 27-jährige Sandra Hille, die an der TU Chemnitz studiert, möchte die Geschichte erkunden, die sich um die Kanzel rankt. Genau das sind auch die Intensionen von Bürger und seiner Chemnitzer Kollegin, Literaturwissenschaftlerin Gesine Schochow-Mierke. Es gehe nicht nur um kunstwissenschaftliche Fachbegriffe, sondern um Dinge, die „man sieht“.

Für Domküster Otto Schröder ist das Projekt „eine tolle Geschichte. Wie Baukunst und Liturgie hier auf wunderbare Weise verbunden werden, das hat es noch nicht gegeben“. So würden auch nicht mehr sichtbare Zeiträume in die Gegenwart geholt, der Übergang von der Romanik in die Gotik sichtbar gemacht. „Das ist möglich in der Zeit des Medien- und Informatikzeitalters“, betont der Küster, der froh ist, dass die Wahl bei diesem Projekt auf den Freiberger Dom gefallen ist. Nun hofft er, dass sich das auch positiv auf die Besucherzahlen auswirkt.