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Bald rollen sie wieder

Vor dem Rosenmontagsumzug in Wittichenau Anfang März stimmen sich die Wagenbauer schon jetzt ein.

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© Gernot Menzel

Von Hagen Linke

Der Rosenmontagsumzug in Wittichenau zieht Tausende Menschen an die Strecke. Wie viele Leute am Rande stehen, sehen vor allem die Faschingsfans auf großen Wagen. Nur: Sie bekommen vom Umzug kaum was mit. Oder erst jetzt, zur Einstimmung auf die 308. Saison. Kürzlich fand im Schützenhaus der Stadt ein Lichtbildervortrag statt. Die Umzugskommission des Karnevalsvereins lädt traditionell Mitglieder der Clubs und Vereine ein, die aktiv beim Umzug mitmachen. „Das ist eine schöne Sache“, sagt Norbert Wolf von den „Schwarz-Weißen Panthern“ und lobt die Verantwortlichen. „Das macht sicher viel Arbeit, die Bilder zu sortieren.“

Dicht gedrängt stehen die Zuschauer beim Rosenmontagsumzug in Wittichenau. Bei der Sollschwitzer Elsterjugend hieß es 2013: „Ein Netzwerk, sie zu knechten ...“ mit Sprüchen wie: „Früher gab es Stasi-Akten, heute stehn bei Facebook die wichtigsten Fakten!“
Dicht gedrängt stehen die Zuschauer beim Rosenmontagsumzug in Wittichenau. Bei der Sollschwitzer Elsterjugend hieß es 2013: „Ein Netzwerk, sie zu knechten ...“ mit Sprüchen wie: „Früher gab es Stasi-Akten, heute stehn bei Facebook die wichtigsten Fakten!“ © Gernot Menzel

Zu sehen gab’s reichlich. Wagen, Gruppenfotos bei der Wagenabnahme am Tag vor dem Umzug und jede Menge Sprüche zu Themen wie dem Flugplatzchaos in Berlin („Niemand hat die Absicht, einen Flugplatz zu errichten“), über Irland und die Krabat-Milchwelt („Kockerts Kühe steppen Tag und Nacht, so wird aus Milch Whiskey gemacht“) bis hin zum Wittichenauer Bier („Hast Du gesündigt und Fremdbier getrunken, kommst Du in die Hölle zu den Kott’ner Halunken.“).

Bei so viel ausgelassener Albernheit mit Freibier darf nicht vergessen werden: Die Umzugsvorbereitungen an sich sind eine ernste Sache. Die Wagenbauer werden jedes Jahr beim Lichtbildervortrag über technische Details (Wagenhöhe maximal 4,50 Meter) unterrichtet, über Versicherungsschutz für Pferde und Zugmaschinen und bekommen Hinweise, wie der Wagen gut zur Geltung kommt (möglichst nur so viel Schrift, wie der Zuschauer erfassen kann). Konfetti sollte Konfetti bleiben und nicht durch säckeweise Abfall aus Aktenvernichtern ersetzt sowie die Lautstärke der Musikanlagen in den engen Straßen runtergefahren werden.

Eine Zensur wie zu DDR-Zeiten gibt es beim Wittichenauer Karnevalsverein nicht, sagt Gerold Kochta von der Umzugskommission. Spott ist erlaubt, verletzende Sprüche sind es nicht. Der Aufwand, den die Clubs betreiben, ist enorm. „Die Wagen haben von der Qualität her einen Riesensprung gemacht“, sagt Kochta. Das liegt wohl auch an den erfahrenen Wagenbauern. Clubs wie aus Dörgenhausen, der Billard-Club aus Dubring oder der Club der Sonnensysteme haben schon mehr als 30 Wagen gebaut. Die „Schwarz-Weißen Panther“ basteln an ihrem 29. Rund drei Wochen sind dafür eingeplant, dann aber straff von Montag bis Sonnabend. „Wir haben es immer hinbekommen“, sagt Steffen Grellert über die Arbeit der 20 Mitglieder. Nach so vielen Jahren ist es freilich schwer, immer noch eine „Schippe draufzulegen“. Die Mittel sind begrenzt. „Jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein“, sagt Norbert Wolf. Im Vorjahr zogen die Panther als Mongolen durch das Narrenland. Die Helme entstanden aus zusammengesteckten Plastik-Blumenvasen.

Die Themen für dieses Jahr werden natürlich nicht verraten. An den Kostümen beim Maskenball gut eine Woche vor dem Umzug lässt sich erahnen, in welche Richtung es geht. Die Maukendorfer suchen sich unverfängliche Themen. „Wir wollen niemandem zu nahe treten“, erzählt Sven Robel. Voriges Jahr waren die Maukendorfer mit der Destille da. „Die Braukunst ist uns nicht gegeben, drum brennen wir Whisky, welch ein Segen“, hieß es damals.

Seit gut fünf Wochen wird nun wieder gebaut. Der Wagen ist halbfertig, so Robel, dessen Söhne (11/14) mitbauen. „Sie dürfen in der Kommandozentrale die nächsten Bausteine malen“, sagt der Vater. „Das machen sie gern, weil sie ja mitfahren möchten.“ Um Wagenbauernachwuchs muss man sich also dort keine Sorgen machen.