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Bald soll sich wieder ein Wasserrad drehen

Löbau. Zwei Ex- Oberlausitzer verbringen die Sommer wieder hier und wollen die Mühle in Liebesdörfel – ihr früheres Zuhause – sanieren.

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Von Daniela Pfeiffer

„Meine Oma schickt mich. Du sollst mir ein paar Pflanzen zeigen.“ Dass mal der eine oder andere Knirps aus dem Dorf bei Hans-Martin Lohnke klingelt und den Kräutergarten sehen will, ist für Lohnke nichts Besonderes. Schließlich weiß inzwischen jeder, dass Lohnkes die Sommer längst wieder hier in der alten Heimat verbringen.

Kurz nach der Wende war das Ehepaar nach Rheinhessen gezogen – die erwachsenen Kinder mit ihnen. Dort in Dienheim zwischen Mainz und Worms sind sie inzwischen heimisch. Schon allein wegen der Enkel, die es mittlerweile gibt, wollen sie auf keinen Fall ganz zurück nach Liebesdörfel. Obwohl es doch ihre Heimat ist.

Demnächst ein Wasserrad

Irmtraut Lohnkes Elternhaus ist die ehemalige Wassermühle in Liebesdörfel. Die wollen beide sanieren und touristisch vermarkten. Als Pension, aber auch in ihrer ursprünglichen Funktion als Wassermühle. Zum diesjährigen Mühlentag hat Hans-Martin Lohnke seine Vorhaben schon der Öffentlichkeit vorgestellt. Das große Interesse, auf das er dabei gestoßen ist, beflügelt ihn, weiterzumachen. Ziel bis zum nächsten Jahr ist es, wieder ein Wasserrad an der Mühle zu haben und das Haus damit langsam wieder seiner ursprünglichen Funktion zuzuführen. „1819 wurde es als Wassermühle gebaut“, sagt Lohnke. Davon zeugen heute nur noch der Verlauf des Mühlbachs und die Mühlenrutsche im Haus. Als später nämlich eine Wassermühle nach der anderen umfunktioniert wurde, kam auch das Aus für die in Liebesdörfel. Sie wurde ein Steinbetrieb.

„Unser Ziel ist es, naturnahe Erholung anzubieten“, erklärt der 68-Jährige. Er will beispielsweise den Urwuchs entlang des Löbauer Wassers wieder heranzüchten. „Wiedergutmachung an der Natur“, nennt er es. Denn Ahorn, Schwarzerle oder Spitzahorn seien heute fast völlig verschwunden. Auch Schulklassen würde er gern begrüßen und ihnen Anschauungsunterricht bieten, der den Kindern von heute oft fehle. Deshalb gibt es auf dem idyllisch am Löbauer Wasser gelegenen Grundstück des Paares auch schon den Kräutergarten.

Doch nicht nur auf dem eigenen Grundstück, sondern generell wollen Lohnkes den Tourismus in der Oberlausitz fördern. Dass die Region in Rheinhessen zum Teil noch nicht mal in einschlägigen Reisebüros bekannt ist, ärgert das Paar. Deshalb haben sie die Touristenwerbung zumindest in Dienheim selbst in die Hand genommen und bei den eigenen Nachbarn angefangen. Schon zum zweiten Mal war unlängst die Nachbarschaft zu Besuch und verbrachte hier ein erlebnisreiches Wochenende.

Freundlicher zu Touristen

Nicht nur von Lohnkes gemütlichem Garten, auch von Obercunnersdorf, Lawalde, Oybin, Kottmarsdorf oder Löbaus gusseisernem Turm waren sie begeistert.

Lohnkes Ziel, dass sich Touristen „in die Oberlausitz verlieben sollen“, haben sie bei ihren Nachbarn schon mal geschafft. Denn für nächsten Sommer haben die sich wieder angemeldet. Hans-Martin Lohnke hofft, diese Begeisterung auch in größerem Rahmen zu verbreiten und baut darauf, dass „sich die Leute hier noch etwas freundlicher auf Touristen einstellen“.