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Bald Zinnabbau in Sadisdorf möglich

Der Vorrat im Kupfergrübner Stollen ist relativ klein. Trotzdem würde sich die Investition lohnen.

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Von Franz Herz

Sadisdorf gehört zu den 14 weltweit aussichtsreichsten Erkundungsvorhaben für einen Abbau von Zinn. Das geht aus einer Übersicht hervor, die das internationale Zinnforschungsinstitut (ITRI), das in England ansässig ist, jetzt veröffentlicht hat. Die Rechte für Sadisdorf hält die Sachsenzinn GmbH in Chemnitz, ein Unternehmen, das über seine Mutterfirma Tin International zur Deutschen Rohstoff AG in Heidelberg gehört. Das Unternehmen treibt neben der Erkundung in Sadisdorf zwei weitere Projekte im Erzgebirge voran, in Gottesberg und in Geyer.

Sadisdorf ist zwar das kleinste der drei Vorhaben, kann aber am schnellsten entwickelt und zum Abbau gebracht werden, weil dort schon der Kupfergrübner Stollen als ausgebauter Zugang zu der Lagerstätte existiert. Diesen Stollen hat die Sicherungsfirma Intec im Auftrag von Sachsenzinn seit März wieder gangbar gemacht. Es ging darum, einen sicheren Zugang für weitere Erkundungen zu ermöglichen. Diese werden in den nächsten Wochen beginnen, wie Jörg Reichert, Geschäftsführer von Sachsenzinn und Vorstandsmitglied der Deutschen Rohstoff AG, mitteilte.

Dann werden Geologen den Stollen genau untersuchen, das Gestein überprüfen und mehrere Hundert Proben nehmen. Die Erkenntnisse werden sie in detaillierte Karten übertragen. „Damit gewinnen wir dann einen Überblick, wie sich die Situation in Sadisdorf geologisch und mineralogisch darstellt“, sagt Reichert. Als nächste Schritte lässt Sachsenzinn dann Großproben nehmen und Bohrungen machen.

Bei den Großproben werden mehrere Tonnen Stein abgebaut und an Fachinstitute geliefert. Die untersuchen das Material darauf, mit welcher Technologie es aufbereitet werden kann, welche Maschinen und welcher Aufwand dafür erforderlich sind. „Das ist die Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung“, sagt Reichert. Aus dem Gestein, das einen Zinngehalt von 0,4 bis 0,5 Prozent hat, soll bei der Aufbereitung ein Konzentrat gebildet werden, das 50 Prozent Zinn enthält.

Bohrungen sind erforderlich, um zu erkunden, wie sich die Rohstoffvorräte in der Erde verteilen. Die Geologen können von der Erdoberfläche oder vom Stollen aus sich ihre Urteile bilden. Aber der letzte Beweis, ob diese richtig sind, der lässt sich nur mit dem Bohrer erbringen.

Der Kupfergrübner Stollen in Sadisdorf enthält teilweise Hohlräume, die bis zu fünf Meter hoch und breit sind. Das reicht, um unterirdisch Bohrgeräte aufzustellen und zu arbeiten. Damit werden Nachbarn oder Umwelt am wenigsten gestört.

Wenn dann die Ergebnisse der Proben und Bohrungen überzeugen, hoffen die Zinnsucher von Sadisdorf, dass sie auch Investoren finden, die den Abbau finanzieren. Bei einer vorsichtigen Schätzung geht die Deutsche Rohstoff AG davon aus, dass in Sadisdorf rund 15 000 Tonnen Zinn in der Erde liegen. „Wenn bis dahin alles zusammenpasst, wäre 2018 der früheste Zeitpunkt, zu dem ein Bergwerk in Betrieb gehen könnte.“ Die anderen Vorhaben von Sachsenzinn dauern länger. Für Geyer ist ein Start im Jahr 2020 und für Gottesberg 2023 denkbar.

In Tellerhäuser im Westerzgebirge läuft noch ein Erkundungsvorhaben auf Zinn. Die britische Firma Treliver Minerals betreibt dies. Sie besitzt auch Rechte in Cornwall in England. Weltweit werden fünf weitere Zinnfundstätten in Australien, zwei in Afrika, eines in der Mongolei und eines in Kasachstan erkundet, informiert ITRI.

Zinn ist für die Wirtschaft nicht ganz so wichtig wie Kupfer oder Stahl, dennoch gehört es zu den bedeutenden Metallen. Viel Zinn wird bei der Produktion von elektronischen Geräten und von Fahrzeugen benötigt, vor allem zum Löten.

Die Hersteller von Weißblech für Dosen verwenden ebenfalls Zinn in Größenordnungen. Die Preise für Zinn waren in den 1990er-Jahren sehr niedrig. Zeitweise lagen sie unter 5 000 Dollar pro Tonne. Seit Anfang der 2000er-Jahre stiegen sie jedoch wieder über 20 000 Dollar pro Tonne.