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Bande spezialisiert auf VW Multivan

Ein 42-jähriger Angeklagter soll an zwölf Diebstählen in Sachsen beteiligt gewesen sein. In seinem Prozess schweigt er.

Von Alexander Schneider

Ein 42-jähriger einschlägig vorbestrafter Autoknacker muss sich seit gestern am Landgericht Dresden verantworten. Petr M. soll an mindestens zwölf Diebstählen von Autos in Dresden, Leipzig und Chemnitz beteiligt gewesen sein. Im Juli vergangenen Jahres wurde der Tscheche in einem gestohlenen VW Bus auf dem Weg nach Tschechien verhaftet. Sein Pech: Das Auto, das er kurz zuvor in Chemnitz aufgebrochen und kurzgeschlossen haben soll, war mit einem GPS-Sender ausgestattet. Die Dresdner Staatsanwaltschaft wirft ihm nun schweren Bandendiebstahl vor.

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Bei dieser Anklage dürften die Herzen sächsischer Autobesitzer höher schlagen. Deutsche und tschechische Ermittler haben eine Bande hochgenommen, die mindestens seit 2012 exklusiv VW-Transporter vom Typ T5 Multivan zu Geld gemacht haben soll. Konkret sieht das Geschäftsmodell so aus, dass sie die Fahrzeuge nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sogar auf Bestellung in Sachsen stehlen, um sie dann kurz hinter der Grenze auszuschlachten. Die Beamten stellten nicht nur Garagen und Werkstätten im Bereich Ústí nad Labem und Decin sicher, wo die Beutefahrzeuge zerlegt wurden. Es fanden sich etwa auch Airbags, die von dort nach Polen verkauft worden waren – der Handel mit gestohlenen Autoteilen ist international.

Petr M. soll an zwölf nächtlichen Autodiebstählen und -versuchen beteiligt gewesen sein – einer in Chemnitz, zwei in Leipzig, der Rest in Dresden. Laut Anklage reiste er gemeinsam mit weiteren Komplizen ein. Ehe die Multivans gestartet werden konnten, mussten die Täter die Autos aufbrechen, elektronische Wegfahrsperren überwinden und Zündschlösser manipulieren. Viel Glück hatte diese Bande dabei offenbar jedoch nicht. Mal trällerten Alarmanlagen los, mal verhinderte eine Lenkradkralle oder eine zusätzliche, verborgen eingebaute mechanische Wegfahrsperre den Diebstahl. In fünf Fällen blieb es daher beim Versuch. In den verbliebenen sieben Fällen wurden mehrfach Fahrer unterwegs festgenommen, sowohl noch auf sächsischer als auch auf tschechischer Seite.

Ermittlungen im Aufwärtstrend

In der Anklage werden mindestens fünf mutmaßliche weitere Bandenmitglieder namentlich genannt. Das zeigt auch, dass die Ermittler inzwischen mit deutlich größerem Erfolg in organisierte Strukturen eindringen, als noch vor wenigen Jahren. Die Aufklärungsquote von Autodiebstählen betrug 2013 etwas über 21 Prozent – 2011 war sie gerade halb so hoch.

Petr M. ließ von seinem Verteidiger Peter Kanev mitteilen, dass er sich nicht zu den Vorwürfen äußern wolle. Auch zu Hintermännern könne er keine Angaben machen. Erfolglos blieb ein Rechtsgespräch, in dem das Gericht dem Verteidiger im Falle eines Geständnisses einen Strafrabatt in Aussicht stellte. Eine Bewährungsstrafe, wie es Kanev forderte, sei jedoch außerhalb der Vorstellungskraft von Staatsanwaltschaft und Gericht, teilte die Vorsitzende Richterin Michaela Kessler danach mit. Das Gericht wird nun eine aufwendige Beweisaufnahme mit Beamten aus Sachsen und Tschechien durchführen müssen. Der Prozess wird fortgesetzt.