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Bangen um die Wanderfalken

Die Falken-Brut in der Sächsischen Schweiz war nicht überall erfolgreich. Ob die geschlüpften Jungvögel durchkommen, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Diese Brut ist gescheitert: Vom Nationalpark beauftragte Kletterer konnten nur noch kalte Eier bergen.
Diese Brut ist gescheitert: Vom Nationalpark beauftragte Kletterer konnten nur noch kalte Eier bergen. © Mike Jäger

Am 23. März hat Ulrich Augst das brütende Wanderfalken-Paar im Großen Zschand entdeckt. Tags darauf stellten der Vogelschutzexperte des Nationalparks Sächsische Schweiz und seine Kollegen die gelben "Betreten verboten"-Schilder auf. Der Kletterfelsen Bergfreundschaftsstein wurde zur Horstschutzzone erklärt und war damit für Kletterer gesperrt. 

Der Brutplatz liegt in einer großen Höhlung an der Südseite des Felsens und ist nur vom gegenüberliegenden Felsriff einsehbar - aus rund 600 Metern Entfernung. Von dort beobachteten die Nationalpark-Ranger fortan mit den Fernglas, was sich in dem Horst tut. 

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Normalerweise brüten die Wanderfalken 34 Tage über einem Ei. Diese Frist war Ende April schon um. Doch auch am 23. Mai saß das Weibchen noch immer auf seinem Gelege. Damit war klar, dass etwas nicht stimmte. 

Vergangene Woche schickte Ulrich Augst deshalb zwei Kletterer los, um die Eier am Bergfreundschaftsstein zu bergen. Von oben seilten sie sich durch die 40 Meter hohe Wand ab, um zu dem Horst zu gelangen. Die Falken waren an diesem Tag nicht zu sehen. Zwei Eier lagen verlassen im Sand der Brutnische. Sie waren kalt. 

Der verlassene Wanderfalken-Horst am Bergfreundschaftsstein: Die zwei Eier waren schon kalt.
Der verlassene Wanderfalken-Horst am Bergfreundschaftsstein: Die zwei Eier waren schon kalt. © Mike Jäger

Haben Kletterer die Tiere gestört, worauf die Eier auskühlten? Artenschutzexperte Ulrich Augst vertritt seit Längerem die These, dass das stetig wachsende Begängnis im Nationalpark die erst Anfang der 1990er-Jahre erfolgreich wieder angesiedelten Wanderfalken verschreckt. Nachdem seit 2009 durchgängig zwischen 17 und 20 Brutpaare in der Sächsischen Schweiz gezählt wurde, geht die Zahl der ausfliegenden Jungvögel seit 2016 zurück. 

Für die toten Eier am Bergfreundschaftsturm kann der Experte aber Entwarnung geben, was die Ursache angeht. In diesem Fall ist nicht der Mensch am ausgebliebene Bruterfolg Schuld: Die Eier waren nicht befruchtet. Das hat die Untersuchung ergeben. "Sowas kommt vor", sagt Ulrich Augst. Es kann sein, dass einer der beiden Vögel unfruchtbar ist oder dass während der Paarung selbst etwas nicht geglückt ist.

Corona-Lockdown sorgte für Ruhe

In diesem Frühjahr sind die Hoffnungen auf Wanderfalken-Nachwuchs im Elbsandsteingebirge besonders groß. Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie fiel ziemlich genau auf die Brutzeit der Vögel. In den entscheidenden Wochen waren nur vereinzelt Wanderer und Kletterer in der Sächsischen Schweiz unterwegs.

Ein Bild von 2019: Ulrich Augst beim Beringen von jungen Wanderfalken im Bielatal.
Ein Bild von 2019: Ulrich Augst beim Beringen von jungen Wanderfalken im Bielatal. © Archivfoto: Mike Jäger

Die Zwischenbilanz: Am Klettergipfel Admiral im Rathener Gebiet und am Hohen Torstein in den Schrammsteinen war die Brut nicht erfolgreich. Im Schmilkaer Gebiet kam es erst gar nicht zur Brut, obwohl die Vögel zur Paarungszeit im zeitigen Frühling balzten.

In sechs Revieren hingegen sind kleine Wanderfalken geschlüpft. Aktuell weiß Ulrich Augst von 14 lebenden Jungvögeln. Vier von ihnen sind schon ausgeflogen, zehn sitzen noch in ihrem Horsten. Die jüngsten von ihnen sind gerade eine reichliche Woche alt. Es dauert etwa 42 Tage bis sie ausfliegen und ihren Horst verlassen.

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Erst Ende Juni ist also klar, wie viele der 14 geschlüpften Jungvögel es tatsächlich schaffen. Ein Uhu kann sie entdecken, wenn ihre Eltern gerade Nahrung suchen, oder ein Rabe oder ein Marder. Dann haben sie kaum eine Chance. "Noch wissen wir nicht, was passiert", sagt Ulrich Augst. 

Mitarbeit: Mike Jäger

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