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Wirtschaft

Erstes Restaurant bekommt Soforthilfe

Das Berghotel Greifensteine erhält als eines der ersten Unternehmen in Sachsen ein Blitzbürgschaft. Die hilft zwar, aber lange reicht das Geld nicht.

So hätte der Biergarten an den Osterfeiertagen eigentlich aussehen sollen.
So hätte der Biergarten an den Osterfeiertagen eigentlich aussehen sollen. © Berghotel Greifensteine

Ehrenfriedersdorf. Dass sie die Kühlschränke ausräumt, ist Andrea Braun gewohnt. Immer im November, wenn das Berghotel Greifensteine für zwei Wochen seine Türen schließt und sich das Gastronomen-Paar Braun eine Auszeit gönnt, werden die Fächer leergemacht. Nun ist März, gut fünf Monate später, und Andrea Braun arbeitet sich schon wieder durch das Lager. Schuld ist Corona. Die Pandemie zwingt auch Familie Braun zur Schließung ihres Hotels und ihres Gasthofs. Die letzten Gäste sind in der vorigen Woche abgereist und die letzten Essen wurden am vergangenen Sonnabend verkauft, an gerade einmal vier Gäste. Die elf, allesamt langjährigen Mitarbeiter hat Jürgen Braun in die Kurzarbeit geschickt. Sie haben ihm ihre Treue versichert und der Gastronom hofft, dass das Team wieder komplett ist, wenn es weitergeht.

Bürgschaftszusage innerhalb eines Tages

Wann das sein wird, weiß Jürgen Braun nicht. Er hatte aber ein Gespür für den Ernst der Lage als viele von uns noch von Panikmache sprachen und Ausgangssperren weit weg schienen. Er suchte das Gespräch mit seiner Hausbank, der Volksbank Chemnitz, nach Lösungen für einen drohenden Finanzengpass schon vor vielen Tagen. In der vorigen Woche wurde der Antrag bei der Bürgschaftsbank Sachsen gestellt und keine drei Tage später kam die Zusage über einen fünfstelligen Betrag, erzählt der Wirt. Das ging auch für ihn überraschend schnell. 

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Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Die Bürgschaftsbank Sachsen übernimmt für 80 Prozent der gesamten Kreditsumme das Risiko. Bisher betrug der maximale Bürgschaftsrahmen zwei Millionen Euro, jetzt sind es 2,5 Millionen Euro. Wer bis zu 50.000 Euro Sofortliquidität braucht, kann innerhalb eines Bankarbeitstages mit einer Zusage rechnen. Und für größere Beträge tagt der Bewilligungsausschuss nicht mehr 14-tägig, sondern jede Woche. Schnelle Hilfe ist wichtig. Für Jürgen Braun bedeutet sie, dass er seinen offene Rechnungen begleichen kann.

Geld reicht bis Juni

Die Coronakrise - sie bleibt dennoch ein Desaster für Jürgen Braun und viele seine Kollegen. Täglich erreichen das Hotel dutzende Stornierungen. Zu Ostern wäre das Haus komplett ausgebucht gewesen und auch Goldene Hochzeiten und runde Geburtstage standen im Reservierungsbuch. 

Dass viele der Gäste die Feiern nicht absagen, sondern nur Verschieben wollen, und einige schon neue Termin für den Herbst 2020 vereinbaren, ist ein Trost für die Unternehmer, die das über einhundert Jahre alte Gasthaus schon viele Jahre betreiben. Sie hoffen auf ein Ende der Pandemie und auf ein Ende der Ausgangssperren. Jürgen Braun weiß, er wird Geduld haben müssen. Die verbürgte Kreditsumme reicht bis Ende Juni. Wenn dann wieder die Gäste kommen dürfen und das Sommerwetter mitspielt, ließe sich der Schaden eindämmen.

>>> Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Ganz aufzuholen sind die Verluste nicht und der Kredit muss auch zurückgezahlt werden. Aber, das Traditionshaus gäbe es noch, genauso wie die elf Jobs. Sie zu erhalten, ist Ziel der Bürgschaftsbank, die bis gestern acht Anträge auf Bürgschaften vorliegen hatten. Fünf seien bereits bewilligt, so eine Sprecherin. Sie rechne in den kommenden Tagen mit weiteren Anträgen. 

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Wurden vor der Corona-Krise nur 60 Prozent der Kreditsumme verbürgt, sind es aktuell schon 80 Prozent und eine weitere Anhebung auf 90 Prozent ist in der Diskussion, was das Risiko für die Banken weiter minimieren würde. Bei den Antragstellern lässt sich übrigens bis dato keine besonders betroffene Branche ausmachen. Es sind Speditionen genauso dabei wie Ingenieure oder eben Hoteliers.

Andrea Braun ist mittlerweile fertig mit dem Ausräumen der Kühlschränke. Was haltbar ist, hat sie in die Kühltruhe gepackt. Das Obst und Gemüse, das zur Bewirtung des Gäste eingekauft worden war, durften die Angestellten mit nach Hause nehmen.