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Bannewitz erwartet Flüchtlinge

Asylbewerber sollen bald in örtliche Objekte ziehen, wird gemunkelt. Und das sogar nicht unbegründet.

Von Verena Weiß

Gesund und Fit

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Die Gerüchteküche brodelte schon einmal in Bannewitz, was die Unterbringung von Asylbewerbern im Gemeindegebiet betrifft – bisher allerdings haltlos. Nun wird schon wieder über die baldige Anreise von Flüchtlingen gemunkelt, sogar über konkrete Unterkünfte. „Der Buschfunk funktioniert“, postet ein Possendorfer öffentlich auf seiner Facebook-Seite und weiter: „So sollen möglicherweise bald in Cunnersdorf, in der alten Schule, und in Possendorf, im alten Bauhof, unsere Gäste Einzug halten.“ Dafür werde auch schon gewerkelt. Was den Possendorfer besonders ärgert: „Wir werden dann höchstwahrscheinlich einfach so vor die Tatsachen gesetzt.“ Alles wieder nur Gerüchte oder ist doch was dran an den Asylplänen?

Die entfachte Facebook-Debatte entging auch Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) nicht. Auf Nachfrage der SZ erklärt er, man sei seit Kurzem mit der Betreibergesellschaft im Gespräch, mit welcher der Vertrag zur Unterbringung der Flüchtlinge abgeschlossen wird. Diese Woche habe man sich hierzu auch noch einmal im Rathaus zusammengesetzt. Tatsächlich gebe es Pläne, in dem Gebäude auf der Hauptstraße 15 in Possendorf Platz für maximal elf Asylbewerber zu schaffen. Diese könnten im ersten Obergeschoss des Objektes unterkommen, frühestens aber erst ab März oder April, so Fröse. Die Räume wurden bis vor Kurzem von den Schülern der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz als Ausweichquartier genutzt. Nun seien diese aber wieder im Bürgerhaus, und das Geschoss stehe leer. Hier künftig Asylbewerber unterzubringen, sei eine gute Möglichkeit. Das Haus befindet sich in kommunalem Eigentum und besagte Räume seien erst vor einiger Zeit für die Musikschüler hergerichtet worden. Damit hier Flüchtlinge wohnen können, müsste die Gemeinde nun etwa noch 8 000 Euro für ein paar kleinere Arbeiten aus dem eigenen Topf der Gebäudeinstandhaltung nehmen und später mit der Vermietung refinanzieren, erklärt der Bürgermeister. Die leerstehenden ehemaligen Räume der Fleischerei im Erdgeschoss blieben aber von den Plänen unberührt. Um diese überhaupt nutzen zu können, müsste die Gemeinde rund 30 000 Euro in die Hand nehmen. „Das geht nicht“, sagt Fröse.

Prinzipiell tendiere die Rathausspitze dazu, künftig Asylbewerber in kleineren Gruppen im gesamten Gemeindegebiet unterzubringen. Eigentlich hätte Bannewitz 2014 schon gut 40 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Mit diesem Jahr müssten es schon insgesamt über 80 Asylbewerber sein. Bisher fehlte es Bannewitz aber an geeigneten Unterkünften. Trotz der Pläne in Possendorf: „Unterkünfte fehlen noch immer“, sagt Fröse. Deshalb sei man im Rathaus nach wie vor für jedes Angebot von Vermietern dankbar. Pläne, wie man die voraussichtlich im Frühjahr anreisenden Flüchtlinge in Bannewitz integrieren will, gebe es zumindest schon. Pensionierte Deutschlehrer hätten sich bereits dazu bereiterklärt, die Flüchtlinge zu unterrichten. Auch im Bauhof der Gemeinde sollen die Neuankömmlinge künftig kleinere Beschäftigungen finden. Weitere Pläne bespricht der Integrationsrat, der sich schon im Herbst gründete und seither regelmäßig zusammensitzt, um ein Netzwerk für Asylbewerber aufzubauen.

Bald Flüchtlinge in Cunnersdorf?

Als „falsch“ weist Bürgermeister Fröse aber das Gerücht zurück, ähnliche Unterbringungspläne gebe es in Cunnersdorf. Um die ehemalige Schule auf der Kaitzer Straße vermieten zu können, müsse das Objekt ebenfalls erst saniert werden. Rund 800 000 Euro soll eine Rundum-Erneuerung kosten. Geld, das Bannewitz nicht hat. Zudem wolle man das Haus keinem zusätzlichen Risiko unterwerfen. Ein Brand habe katastrophale Folgen. Schließlich befindet sich hier noch nicht allzu lang das Archiv der Gemeinde. Eine Vermietung in diesem Sinne käme für den Bürgermeister deshalb ohnehin nicht infrage.

Das hat Christoph Fröse auch noch am Dienstagabend zur Sitzung des Gemeinderates so erklärt. Allerdings war da – zumindest öffentlich – noch nicht von den Asylplänen auf der Possendorfer Hauptstraße die Rede. Man könne nicht jeden Schritt, den die Verwaltung macht, nach außen mitteilen, sagt Fröse. Würden die Pläne konkret, werde man aber sehr wohl die Öffentlichkeit informieren. Gestern noch machte die Gemeinde das Versprechen auf der Internetseite wahr.

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