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Barbie gibts jetzt auch mit Beinprothese

Die weltgrößte Spielemesse zeigt 120.000 Neuheiten. Das sind die vier großen Trends.

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Barbie zeigt sich jetzt multikulti mit vielen Haut- und Haarfarben.
Barbie zeigt sich jetzt multikulti mit vielen Haut- und Haarfarben. © Daniel Karmann/dpa

Spielzeughersteller Mattel hat die Kritik der letzten Jahre ernst genommen. Seine Barbies, so ein häufiger Vorwurf, würden zu wenig die unterschiedlichen Frauentypen, Körperformen und Kleidungsstile berücksichtigen und sich zu sehr nach veralteten Schönheitsidealen richten. Auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg zeigt die US-Firma, dass es auch anders geht. Noch bis Sonntag präsentieren dort fast 3.000 Unternehmen aus 70 Ländern rund 120.000 Neuheiten. Mehr als 360 Aussteller kommen aus China.

Trend 1: Vielfalt

So gibt es jetzt eine neue Barbie-Puppe ohne Haare, eine dunkelhäutige Barbie mit goldener Beinprothese und eine mit der Hautkrankheit Vitiligo. Dafür hätten die Designer mit einem Dermatologen zusammengearbeitet. Vorbild dürfte das weltbekannte kanadische Model Winnie Harlow sein, das die Weißfleckenkrankheit hat. Den bislang stets adretten Ken gibt es jetzt auch mit langem Haar und Batik-Shirt.

Spielzeughersteller Mattel hat neue Barbie-Puppen vorgestellt, die für mehr Vielfalt stehen sollen. Darunter ist ein Ken mit langem Haar - bislang war dessen Frisur nur aufgemalt. Außerdem gibt es nun eine Puppe mit der Hautkrankheit Vitiligo. 
Spielzeughersteller Mattel hat neue Barbie-Puppen vorgestellt, die für mehr Vielfalt stehen sollen. Darunter ist ein Ken mit langem Haar - bislang war dessen Frisur nur aufgemalt. Außerdem gibt es nun eine Puppe mit der Hautkrankheit Vitiligo.  © Daniel Karmann/dpa

Trend 2: Nachhaltigkeit

Der wichtigen Trends auf der Messe ist allerdings das Thema Nachhaltigkeit. So bringt Geomag in diesem Jahr Magnetbausätze aus recycelten Kunststoffen auf den Markt. Der Schweizer Hersteller habe sich bewusst gegen Bio-Plastik entschieden, sagte Manager Ignacio Ramos. „Wir bevorzugen Plastik, das bereits produziert wurde.“ Zwei Jahre habe man gearbeitet, damit das für verschiedene Formen funktioniert.

Das Start-up Calculix aus Schleswig-Holstein verwendet für seine Zahlenlernspiele neben Massivholz auch Flüssigholz, das aus Abfällen der Holzindustrie besteht. „Das ist quasi ein natürlicher Kunststoff. Da kann man auch filigrane Formen draus machen“, sagt Gründer Jan Engling. Er ist sich sicher, dass künftig deshalb noch viel mehr aus dem Material gefertigt werden kann.

Das Start-up Calculix verwendet für seine Zahlenlernspiele neben Massivholz auch Flüssigholz.
Das Start-up Calculix verwendet für seine Zahlenlernspiele neben Massivholz auch Flüssigholz. © Daniel Karmann/dpa

Doch bisher ist Plastik bei vielen Spielzeugen der Hauptbestandteil und lässt sich oft nicht ohne Weiteres ersetzen. Der baden-württembergische Hersteller Fischer zum Beispiel nutzt aus Rizinus gewonnenen Kunststoff, aber nur in seinen Dübeln und nicht für die Spielzeugmarke Fischertechnik. „Wir sind leider noch nicht so weit, dass wir es ohne Abstriche einsetzen können“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Schoch. Beim Spielzeug sei das auch eine Frage der Sicherheit.

Auch die Verpackung ist eine Herausforderung. So will Ravensburger in den nächsten ein bis zwei Jahren auf Kunststoff bei Spiele- und Puzzle-Verpackungen verzichten. Andere Hersteller wollen mehr Recyclingpappe einsetzen, Plastikschalen weglassen und Kartons verkleinern.

Trend 3: Analoges Spielen

Die Rückkehr zum analogen Spielen ist ein weiterer Trend. So sind viele verschiedene Baustein-Systeme zu sehen, die Feinmotorik und logisches Denken trainieren. Auch Gesellschaftsspiele sind dabei, die das Miteinander betonen, bei denen die Mitspieler zum Beispiel gemeinsam eine Restaurantküche oder einen Hofladen betreiben.

Das Smart SuperZoom von fischertechnik wird per Vakuum an einem Mobiltelefon befestigt. Die Lupe befindet sich dann vor der Kamera des Telefons, welche dann zur Makrofotografie verwendet werden kann. 
Das Smart SuperZoom von fischertechnik wird per Vakuum an einem Mobiltelefon befestigt. Die Lupe befindet sich dann vor der Kamera des Telefons, welche dann zur Makrofotografie verwendet werden kann.  © Daniel Karmann/dpa

Das Analoge verbindet sich außerdem mit der digitalen Welt. Das Computerspiel Minecraft wird zum Brettspiel, das Smartphone lässt sich mit einem Bausatz zum Mikroskop umrüsten. Mit bunten Plättchen können Kinder bei einer Eisenbahn steuern, wie schnell die Züge fahren und welche Strecke. Mit einer App können sie das Ganze auch selbst programmieren.

Trend 4: Spiele für Erwachsene

Mit dem Lego Technic Top-Gear Ralleyauto mit App-Steuerung will Lego nun auch verstärkt Erwachsene als Kunden gewinnen. 
Mit dem Lego Technic Top-Gear Ralleyauto mit App-Steuerung will Lego nun auch verstärkt Erwachsene als Kunden gewinnen.  © Daniel Karmann/dpa

Bauklötzchen-Hersteller Lego will in Deutschland nun auch verstärkt Erwachsene als Kunden gewinnen. Bereits im vergangenen Jahr sei jeder zehnte Euro des Unternehmensumsatzes für Erwachsene ausgegeben worden. (dpa)