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Barocke Pracht auf dem Dorf

Die Kirche in Konojedy überrascht mit viel Prunk. Einem kleinen Verein gelang die Rettung.

Umgeben von Barock. Tomáš Hlavácek sorgte mit einem Verein für die Rettung der Mariä-Himmelfahrtskirche.
Umgeben von Barock. Tomáš Hlavácek sorgte mit einem Verein für die Rettung der Mariä-Himmelfahrtskirche. © Steffen Neumann

Marmor, wohin man nur schaut: am Altar, der Kanzel, an den Seitenaltären, der Chorschranke und an Teilen des Geländers der Empore. Sogar der Fußboden ist aus Marmor. „Das ist alles echt“, versichert Tomáš Hlaváček und schiebt eine rhetorische Frage hinterher: „Wo man wohl hier in der Nähe so viel Marmor bewundern kann? In Dresden, Prag? Aber das sind große Städte, wir sind hier auf dem Dorf“, beantwortet er seine Frage gleich selbst. Das Dorf heißt Konojedy (Konojed) und befindet sich im Böhmischen Mittelgebirge. Tatsächlich leben hier gerade mal einhundert Menschen. Die nächste Stadt heißt Úštěk (Auscha) und hat nicht mehr als 3.000 Einwohner.

Hlaváček hat mit dem „Verein zur Erneuerung der Denkmäler um Úštěk“ die Kirche gerettet. Vor gar nicht so langer Zeit war sie noch eine Ruine. Hlaváček ist anzusehen, dass ihn die Verwunderung freut, warum so viel Pracht gerade in dieser gottverlassenen Gegend zu finden ist. Als die Mariä-Himmelfahrt-Kirche vor 250 Jahren erbaut wurde, war die Gegend keineswegs gottverlassen. Der damalige Besitzer der Ländereien, Franz Karl Sweerts-Sporck, gründete an dieser Stelle ein Kloster mit Kirche als Dank für die Genesung seines einzigen Sohnes, die er dem Wunderwirken einer Reliquie der sieben Gründer des Servitenordens zuschrieb. Also zogen in das Kloster auch Serviten ein.

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Eine Kirche wie ein Schloss

„Sweerts-Sporck ging den Bau von Kloster und Kirche an, wie er es auch von seinen weltlichen Bauten gewohnt war. Da wurde nicht gespart“, erzählt Hlaváček. Wer den Vergleich in Tschechien sucht, muss sich das ostböhmische Kuks ansehen, das sein Vater Franz Anton Sporck erbauen ließ. Die Sporcks waren eine noch junge aus dem Westfälischen stammende Adelsfamilie, die erst im Dreißigjährigen Krieg zu Titel und Besitz gelangt war.

Ein früheres Bild von der Kirche.
Ein früheres Bild von der Kirche. © Archiv SOPU

Doch während Kuks bekannt ist, erlebte die Kirche in Konojedy in den letzten Jahrzehnten Verfall. Es drohte sogar der Abriss. Nicht anders ging es dem benachbarten ehemaligen Kloster, das nach der Auflösung der Orden im 18. Jahrhundert in Österreich-Ungarn, zum Schloss wurde. „Sie konnten hier ein und ausgehen. Fenster waren zugemauert oder rausgebrochen, das Dach kaputt, die Statik angegriffen und große Teile des Interieurs fehlten“, beschreibt Hlaváček den Zustand der Kirche, wie er ihn vor Jahren vorfand.

Dass er ein Juwel vor sich hatte, wusste er schon damals. Doch eine Rettung war nicht in Sicht. Bis 1990 nutzte die Armee das Schloss als Lager. Danach übernahm es ein privater Eigentümer, das Gotteshaus blieb im Besitz der Kirche. Die hatte kein Geld und der Schlossbesitzer auch nicht. „In den 1990er-Jahren war das eine beliebte Form, zu Krediten zu kommen. Man war Schlossbesitzer, das machte kreditwürdig“, sagt Hlaváček. Die so erlangten Kredite flossen aber nicht ins Schloss.

Inzwischen hatte Hlaváček mit dem Verein begonnen, historische Denkmäler in der Region zu erneuern. Doch Konojedy konnte er nicht helfen. Das änderte sich erst, als der Schlossbesitzer verkaufte. „Ich konnte einen Bekannten überreden, es zu kaufen. Er suchte nach einem geeigneten Objekt, sein Erbe zu investieren“, erzählt Hlaváček. Jener Eigentümer ist Vladimír Přibyl, seines Zeichens Händler mit Motorrädern. Seit dem Kauf 2008 erneuert er schrittweise das Schloss. Noch ist nicht sicher, wie es einmal genutzt wird. Die Möglichkeiten reichen vom Seniorenwohnsitz bis zum Hotel.

Der heutige Anblick.
Der heutige Anblick. © Steffen Neumann

Um die Kirche jedoch kümmerte sich Hlaváček mit dem Verein. „Herr Přibyl konnte die Kirche überzeugen, sie ihm zu verkaufen. Seitdem haben wir die Nutzungsrechte“, erzählt er. Dem Verein gelang es, über eine Million Euro aus den Efta-Fonds für die ärmeren EU-Länder für die Sanierung der Kirche zu bekommen. „Das Problem war, dass wir die Mittel innerhalb von 14 Monaten verbrauchen mussten“, erzählt Hlaváček. Außerdem reichte das Geld nur knapp. Doch das Unglaubliche gelang und 2016 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. „Damit hatten wir ungefähr das Bautempo aus der Bauzeit erreicht“, fügt Hlaváček schmunzelnd hinzu.

Dabei half dem Verein, dass fast alle Rechnungen aus der Bauzeit erhalten waren. „Wir konnten also präzise nachvollziehen, wie die Kirche gebaut wurde.“ Glück hatte der Verein mit den Kirchenbänken. Die sind zum Glück aus Eiche. „Sie waren zwar übersät von dem Kot von geschätzt 600 Tauben, aber einen Holzwurm finden Sie da nicht drin“, erzählt Hlaváček. Mit dem allerletzten Geld gelang es ihm noch, neue Kronleuchter aus Kamenický Šenov (Steinschönau) anzuschaffen.

Hoffen auf Geld für die Orgel

Hlaváček verschweigt nicht, dass es auch für ihn intensive 14 Monate waren. Er und seine Mitstreiter machen die Arbeit komplett ehrenamtlich. Dazu gehört nicht nur die Abwicklung der Sanierung und die Verwaltung der Gelder, sondern auch eine ordentliche Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit. „Natürlich haben wir auch etwas davon. Wir leben hier, das ist unsere Heimat. Und mich freut, wenn die Einheimischen sich daran erfreuen“, begründet Hlaváček sein Engagement.

Seitdem die Kirche fertig ist, kann sie zwischen April und September immer an den Wochenenden von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr besichtigt werden. Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich. Außerdem veranstaltet der Verein zwei bis drei Konzerte im Jahr. „Dieses Jahr ist alles verschoben. Da finden im September gleich zwei Konzerte kurz hintereinander statt“, sagt Hlaváček.

Vielleicht kann er dann schon frohe Neuigkeiten verkünden. Der Verein hat noch einmal über 1,5 Millionen Euro aus dem Efta-Fonds beantragt. Damit soll die noch fehlende Ausstattung ergänzt und gegebenenfalls restauriert werden. „Wir haben die Zusage, die Orgel zurückzubekommen“, sagt Hlaváček. Die wurde bisher in Varnsdorf zwischengenutzt. Außerdem sind Originalteile der Ausstattung aufgetaucht. Die Entscheidung über das Geld soll irgendwann im Herbst fallen.

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