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Bischofswerda

Barockschloss auf Rädern

Bei Spediteur Michael Hoop bekommen die Fahrer eigens lackierte Trucks. So fährt auch Rammenau durchs Land.

Für seinen Rammenauer Fahrer ließ Firmenchef Michael Hoop (Foto) Motive vom Barockschloss auf den Truck lackieren.
Für seinen Rammenauer Fahrer ließ Firmenchef Michael Hoop (Foto) Motive vom Barockschloss auf den Truck lackieren. © Steffen Unger

Rammenau. Seine Trucks sind echte Hingucker. Das spüren Michael Hoops Fahrer immer wieder, wenn sie mit ihren Lastern durch die Lande kurven. Denn die feuerroten Brummis der Marke DAF sind wahre Schmuckstücke. Nicht etwa einfach nur mit Folie beklebt. Sondern jeder einzelne Laster ist mit besonderen Airbrushmotiven versehen und sorgsam lackiert.

Das Führerhaus eines der zwölf Lastkraftwagen des Rammenauer Transportunternehmens Hoop ziert das einheimische Barockschloss. Zu sehen sind sowohl eine Luftaufnahme des idyllischen Schlossgeländes als auch ein romantischer Blick durchs Torhaus. Für das Schloss-Motiv habe er sich aus zwei Gründen entschieden, verrät der Firmenchef. Wegen des Fahrers, der in Rammenau zu Hause ist. Und letztlich auch, weil seine Firma in dem mehrfach für seine Schönheit ausgezeichneten Ort ansässig ist. Finanzielle Vorteile bringe diese Originalität nicht, erklärt der Unternehmer. Im Gegenteil. Die aufwendige Gestaltung seiner Firmenfahrzeuge sei eine eher kostspielige Angelegenheit. Trotzdem bekommt jeder seiner Fahrer seinen individuellen Truck. Der Motorradfreak fährt beispielsweise mit Harley-Davidson-Motiven durchs Land, beim Ford-Fan schmückt ein alter Mustang das Fahrerhaus, für den DAF-Schwärmer wurde das Retro-Firmenzeichen des niederländischen Lkw-Produzenten auf den Brummi gesprüht.

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Muss den Leuten etwas bieten

Ursprünglich war dieses innovative Truckdesign als Anerkennung „für einen sehr guten Fahrer“ gedacht. Inzwischen ist es Firmenphilosophie, erzählt Michael Hoop. Der 49-jährige Firmenchef nutzt es zur Mitarbeitermotivation und als Markenzeichen. „Heutzutage muss man den Leuten auch etwas bieten.“ Trotzdem sei es schwer, gute Fahrer zu finden. „Das ist eigentlich das größte Problem in unserer Branche.“ Der Rammenauer weiß, wovon er spricht. Vor mehr als zwei Jahrzehnten wagte der gebürtige Sachsen-Anhaltiner den Schritt in die Selbstständigkeit. Zuvor saß er mehrere Jahre als Angestellter auf dem Bock. Zunächst als Fernfahrer, später im Nahverkehr. Und er ärgerte sich. Zum Beispiel darüber, wie umständlich in mancher Firma disponiert wurde, erinnert sich seine Ehefrau Manja. „Er hat immer gesagt, ich kann das besser“, erzählt sie. Sich selbstständig zu machen, sei deshalb schon lange sein Ziel gewesen. Als die Rammenauerin schwanger war und mit nach Gardelegen zog, setzte sich Michael Hoop nach Feierabend und am Wochenende noch einmal auf die Schulbank, um seinen Traum zu verwirklichen. Denn nur mit entsprechendem IHK-Abschluss durfte er seine Firma gründen. Per Urkunde bescheinigte man ihm nach erfolgreich bestandener Prüfung schließlich im schönsten Amtsdeutsch den „Nachweis der fachlichen Eignung zur Führung eines Güterkraftverkehrsunternehmens im innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Verkehr“.

Als Michael Hoop 1998 in die Selbstständigkeit startete, war er nicht nur sein eigener Chef, sondern auch sein einziger Angestellter. Inzwischen hat sich seine Firma zum mittelständischen Betrieb mit zwölf Fahrern gemausert. Michael Hoop setzt auf moderne Fahrzeuge mit topausgestattete Kabinen. Schließlich sind das die Arbeitsplätze seiner Fahrer. Großen Wert legt er außerdem auf gutes Betriebsklima. Dass sich das auszahlt, zeigt die niedrige Personalfluktuation. „Ich bin noch vom alten Schlag“, sagt er. Alles laufe über seinen Tisch. Jede Tour plane er selbst. Ob Messegut nach Sardinen gefahren werden muss oder Stückgut von Bautzen nach Dresden. „Wir arbeiten nicht fremdbestimmt.“

Transporte für VW und Audi

Die Rammenauer haben sich auf den Transport von Rohbauteilen wie Karosserien oder Motoren für die Automobilindustrie – vor allem für VW und Audi – spezialisiert. Abgewickelt werde alles über sogenannte Gebietsspediteure. Mit seinen Megatrailern sei er dafür geradezu prädestiniert, so der Unternehmer. Seine Laster haben, im Unterschied zu Standard-Sattelaufliegern, nämlich eine lichte Ladehöhe von drei statt 2,60 Metern. Außerdem lasse sich das Dach des Aufliegers hochklappen. Das sei ein frappanter Vorteil, da VW alles, was transportiert werden muss, auf ein oder anderthalb Meter hohe Paletten stellt. „Wir kriegen also mehr weg, als andere.“

Das Transportgewerbe sei zwar unbestritten ein hartes Geschäft, aber „man findet seine Nische, wenn man will“. Er kümmere sich um seine Leute, die moderne Fahrzeuge fahren „und wir haben einen kleinen Wasserkopf“, erklärt Michael Hoop das Erfolgsrezept seiner Firma. Dennoch gab und gebe es auch immer Höhen und Tiefen. Die Dieselkrise sei ein Beispiel. „Das ging nicht spurlos an uns vorbei.“ Durch Kurzarbeit im Automobil-Konzern, musste er auch mal Trucks einen Tag stehenlassen. Trotz Spezialisierung ist seine Firma aber breit aufgestellt. Es könne durchaus sein, dass er in einer Woche sechs bis sieben Transporte für ebenso viele Auftraggeber erledige. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Damit das auch so bleibt, legt sich der Rammenauer immer ins Zeug.

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