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PLUS Meißen

Damit es für alle besser rollt

Meißen wartet nicht länger auf Großbaustellen, damit Muttis, Senioren und Rollstuhlfahrer bequemer einsteigen können.

So eine Rampe wie auf diesem Foto vom April aus Waldheim soll künftig bei möglichst vielen Haltestellen in Meißen nicht länger für Rollstuhlfahrer nötig sein. Ein Ausbau der Haltestellen soll es ihnen ermöglichen, direkt in den Bus zu rollen.
So eine Rampe wie auf diesem Foto vom April aus Waldheim soll künftig bei möglichst vielen Haltestellen in Meißen nicht länger für Rollstuhlfahrer nötig sein. Ein Ausbau der Haltestellen soll es ihnen ermöglichen, direkt in den Bus zu rollen. © Dietmar Thomas

Meißen. Optimal sind 16 Zentimeter. 18 Zentimeter können schon zu viel sein. Dann sitzt manchmal der Bus auf. Fachmann Günther Schütze vom Meißner Straßenbauamt kennt sich damit aus. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) ist er 13 Uhr bei praller Mittagssonne ins tiefste Triebischtal gekommen. Hier – zwischen der Bäckerei Riedel und dem Seniorenheim Johann Joachim Kaendler – ist ein Hingucker entstanden. Entscheidend dabei: Die Höhe der Bordsteinkante macht den Unterschied. Sie gewährleistet, dass junge Mütter ohne großes Hebeln mit dem Kinderwagen in den Bus hineinrollen können, dass der Rollator ohne Ruckeln ins Innere gleitet und auch Rollstuhlfahrer keine Probleme mehr haben.

Besonders an dieser Haltestelle ist, dass sie zusammen mit den weiteren Haltepunkten Zuckerhut, Afra-Schule und Hafenstraße außerhalb von Generalsanierungen umgebaut wurde. Durchaus kein kleines Unterfangen, wie der Laie denken könnte: Es war nicht damit getan, die Kante nach oben zu setzen. Mehrere Meter über den eigentlichen Haltestellenbereich hinaus haben die Bauarbeiter eine neue Schwarzdecke eingezogen. Die Einläufe seien überholt, die Leitung für Gas, Wasser und Strom neu verlegt worden, sagt Oberbürgermeister Raschke. Insgesamt rund 80 000 Euro hätten dafür pro Haltestelle zu Buche geschlagen. Am Ende kommt so das erkleckliche Sümmchen von fast einer viertel Million Euro zusammen. Dank Förderprogrammen muss die Stadt davon lediglich zehn Prozent selbst berappen.

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Genau aus diesem Grund sei es vergleichsweise schwierig, in das Förderprogramm für den barrierefreien Ausbau aufgenommen zu werden, sagt Raschke. Der Stadt habe geholfen, dass sie einige Projekte fertig in der Tasche hatte.

Für die Zukunft kündigte der Rathauschef am Dienstagmittag bei seinem Vor-Ort-Termin an, schrittweise mit dem Ausbau der Haltestellen fortzufahren. „Bislang war das immer in Großprojekte eingebunden wie jüngst auf der Neugasse“, so der Politiker. Darauf könne nicht immer gewartet werden. Welcher Punkt als Nächstes an die Reihe käme, werde nach der Frequenz entschieden.

Die Haltestelle an der Kühnestraße ist dafür ein gutes Beispiel. Ringsherum wohnen viele Rentner. Das Seniorenheim Johann Joachim Kaendler liegt nur wenige Meter entfernt. Ab September dürfte eine ganz neue Gruppe an Fahrgästen hinzukommen. Dann eröffnet die Hochschule der sächsischen Verwaltung eine Zweigstelle im Innovationscentrum. Unter den Stundenten befinden sich auch Menschen mit Handicap.

Wie wichtig das Thema für die Stadt ist zeigt ein Blick in den Demografiebericht, welchen die Bertelsmann-Stiftung für Meißen erarbeitet hat. Dieser geht in seiner Prognose davon aus, dass die Zahl der über 65-Jährigen von 2012 bis 2030 in der Stadt um nochmals deutlich über zehn Prozent zunimmt. Bei den Einwohnern, die über 80 Jahre alt sind, wird ein weiteres Wachstum um mehr als 40 Prozent vorhergesagt.

In der Vergangenheit hatte es wiederholt Kritik an der Barrierefreiheit in der Stadt sowie fehlenden Fußgängerüberwegen gegeben. Die Initiative Bürger für Meißen nutzte das Thema während des Oberbürgermeisterwahlkampfes im vergangenen Jahr. Ein Stadtrundgang von SZ-Redakteur Maximilian Helm mit einem Vertreter des Blinden- und Sehschwachenverbandes brachte zudem Mängel in diesem Bereich an den Tag.

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