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Barrikaden auf dem Malerweg

Die Route ist das touristische Aushängeschild der Sächsischen Schweiz. Streckenweise ist ihr Zustand aber bedenklich.

© Norbert Millauer

Von Heike Wendt und Ines Mallek-Klein

Der Deutsche Wandertag zu Gast in der Sächsischen Schweiz: 50 000 Gäste sollen im Juni 2016 durch die Region pilgern – vor allem auf dem Malerweg. Zwischen Pirna-Obervogelgesang, der Königsnase und Struppen hat der ansonsten gut gepflegte Pfad jedoch große Schwachstellen. Dort legte ein Sommersturm 2012 etliche Bäume quer. Wanderer haben um die inzwischen Trampelpfade in den Waldboden getreten. Der besagte Abschnitt befindet sich auf privatem Grund. Das macht die Wiederherstellung des Weges schwierig. Bisherige Versuche waren an Meinungsverschiedenheiten mit der Waldeigentümerin gescheitert. Sie hatte nach dem Unwetter 2012 erklärt, die Bäume aus ökologischen Gesichtspunkten liegenlassen zu wollen.

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Wie wird es sein, wenn in zwei Jahren Hunderte Wanderer dort unterwegs sind? Klaus Brähmig, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, hatte unlängst Hoffnung auf Besserung gemacht. Bis zum Deutschen Wandertag solle der Malerweg zwischen Pirna und Struppen in Ordnung gebracht sein, kündigte er an.

Bereits vor einem Jahr hatte Brähmig nach gescheiterten Gesprächsversuchen mit Eigentümerin Annegret Jesser-Wickel um Unterstützung bei Bundesfinanzminister Schäuble und Sachsens Umweltminister Kupfer gesucht. Sein Ziel: die Rückabwicklung des Vertrages, mit dem der Wald einst an privat verkauft wurde. Brähmig sieht einen „Grundfehler darin, dass der Freistaat nicht von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht hat, da die Bärensteine und der Malerweg aus tourismuspolitischer Sicht nicht an Privatpersonen hätten verkauft werden sollen“. Die Schwierigkeiten in dem beliebten Ausflugsgebiet wären vermeidbar gewesen, findet er.

Gemeinde müht sich vergeblich

Lassen sich querliegende Bäume auf dem Malerweg aber mit einer Enteignung beseitigen? Das scheint kaum realistisch, wie aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an Brähmig hervorgeht. Rücktrittsgründe vom Vertrag, wie „erhebliches Abweichen vom Forstbetriebskonzept ohne wichtigen Grund“ seien im Fall des Bärenstein-Waldes nicht erkennbar.

Jetzt will Brähmig neue Schritte gehen. In Vorbereitung auf den Wandertag sollen alle Bürgermeister mit Landratsamt und Landesbehörden an einen Tisch geholt und alle Probleme angesprochen werden, sagt der Bundestagsabgeordnete. Eines davon wird das Malerwegstück an der Königsnase sein. Als Termin ist Mitte des Jahres geplant. „Dort werden die speziellen Anforderungen eines Deutschen Wandertages diskutiert“, sagt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Allerdings, sagt er, könne die Problemlösung letztlich nur durch die Kommunen und die Grundstückseigentümer erfolgen. Damit wäre der Ball an die Gemeinde Struppen gespielt, die sich seit Jahren vergeblich um Annäherung mit der Besitzerin bemüht.

Etwa 45 Prozent des Waldes in Sachsen sind in Privatbesitz beziehungsweise im Eigentum der Treuhand. Normalerweise. Denn im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist der Freistaat der größte Waldbesitzer. Der Sachsenforst bewirtschaftet eine Fläche von 40 000 Hektar und besitzt damit zwei Drittel des Baumbestandes. Ein Grund dafür ist, dass dem Freistaat nach der Wiedervereinigung viele Flächen zugeschlagen wurden, die für den Naturschutz von Belang sind. Man sei darum bemüht, kompakte und vor allem gut zu bewirtschaftende Einheiten zu erhalten, sagt Daniel Thomann, Sprecher des Staatsbetriebes Sachsenforst. Um das zu erreichen, kauft der Sachsenforst auch heute noch regelmäßig Splitterflächen von anderen Eigentümern.

Knapp ein Drittel, nämlich 16 500 Hektar der Waldflächen im Landkreis, sind im Privatbesitz. Das entspricht im Wesentlichen der Eigentumsquote vor 1945, sagt Daniel Thomann. Es gibt auch noch kommunalen und Kirchenwald, der mit insgesamt 3 700 Hektar aber einen vergleichsweise geringen Anteil ausmacht.

Annegret Jesser-Wickel, die die Waldflächen rund um Königsnase und Bärensteine bewirtschaftet, zeigte sich in einem Schreiben an die SZ vom Vorstoß Klaus Brähmigs entsetzt. Die erwogene Enteignung würde ihre Existenz als Forstunternehmerin bedrohen. Der Malerweg führe in diesem Abschnitt „durch ein Waldrefugium, das bewusst nicht forstwirtschaftlich genutzt wird und in dem die umgestürzten Bäume aus dem Sommersturm 2012 wie in einem Urwald der Zukunft vermodern können“, erklärt Annegret Jesser-Wickel. „Sie sind keine Barrikaden, sondern ein bewusst von mir bewahrtes Stück Natur.“

Zur Lösung des Problems schlägt sie eine alternative Route für den Malerweg östlich der Königsnase vor. „Warum die Alternative nicht genutzt wird und stattdessen der Ruf nach Enteignung ertönt, müssen Herr Brähmig und sein Parteifreund, Struppens Bürgermeister Dr. Schumann, erklären“, sagt sie. Sie wolle beide zu einem Gespräch über „einen sinnvollen Verlauf des Malerweges auf meinen Grundstücken“ einladen.