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Basisdemokratie nach dem Geschmack von Red Bull

RB Leipzig erfüllt die letzte Lizenzbedingung – und schweigt.

© dpa (Symbolfoto)

Von Ullrich Kroemer und Daniel Klein

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Die Presseabteilung bei RB Leipzig ist wie alles in diesem Verein: personell bestens bestückt und höchst professionell. Es gibt aber einen Punkt, bei dem sie schmallippig wird oder ganz verstummt. Wenn es um die Vereinsstruktur geht, um die Mitbestimmung der Mitglieder, sinkt die Auskunftsfreude auf Null-Niveau.

Vor zwei Wochen wurde immerhin eine Mitteilung verbreitet, die man in etwa so übersetzen könnte: Der Verein hat auch die letzte Forderung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Erteilung künftiger Lizenzen erfüllt. Im Originaltext liest sich das so: „RB Leipzig freut sich, hiermit offiziell bestätigen zu können, dass die DFL das vorgelegte Konzept akzeptiert hat.“

Nur, wie das Konzept konkret aussieht, darüber möchte der Verein „keine weiteren Auskünfte“ erteilen. Die DFL auch nicht. Das hat bei beiden Methode, vielleicht ist es ihnen auch ein bisschen peinlich, Details zu verraten. Der Ligaverband hatte im Frühjahr die Lizenz im ersten Anlauf verweigert, dabei das Vereinslogo moniert und die Besetzung der Führungsebene – die Nähe zu Red Bull war einfach zu offensichtlich. Außerdem empfahl die DFL die Aufnahme von Fördermitgliedern.

Alle drei Forderungen arbeitete RB Leipzig quasi mit dem Skalpell ab, bei der vierten wurde eine Frist bis Mitte Januar gesetzt: Der Zweitligist sollte die Basis künftig mitbestimmen lassen. Heraus kam also ein Konzept, über das nicht geredet werden darf. Dennoch sickerte durch, dass ab der kommenden Saison eines der rund 160 Fördermitglieder, die kein Stimmrecht besitzen, in den Aufsichtsrat darf – eine wahre Demokratieoffensive also.

Nur RB-Vertraute im Aufsichtsrat

Wie genau das Fördermitglied ausgewählt wird – kein Kommentar. Man ahnt aber, wie es laufen könnte, wenn man sich die Besetzung des bisher dreiköpfigen Gremiums anschaut: Walter Bachinger ist Finanzvorstand bei Red Bull, Juristin Wiebke Gorny eine Rechtsvertreterin des Brause-Konzerns und Oliver Hubertus half als Anwalt einst, aus dem Eishockey-Verein EHC München den EHC Red Bull München zu machen.

Thomas Barth würde sich gerne mit ihnen an einen Tisch setzen. Der 60-jährige Leipziger ist einer der in Bronze-, Silber- und Gold-Förderer eingeteilten Unterstützer. Viele von ihnen wollen öffentlich nichts sagen, als ginge es um die Mitgliedschaft in einem Geheimbund.

Als Anfang Dezember unter höchster Geheimhaltungsstufe die Lizenzspieler-Abteilung in eine GmbH ausgegliedert wurde, durften die Fördermitglieder zum ersten Mal bei einer Mitgliederversammlung dabei sein, zuhören, Einblick in die Bilanzen nehmen und sogar Fragen stellen. Barth sprach damals als einer der wenigen über die obskure Veranstaltung, bei der Journalisten durch Security vom Veranstaltungssaal ferngehalten wurden.

14 stimmberechtigte Mitglieder saßen damals im Raum, sie vertreten quasi den Stammverein in der neuen GmbH. In diesen erlauchten Kreis aufgenommen zu werden, ist nahezu unmöglich. Was nicht nur am Jahresbeitrag von 800 Euro liegt, der nach SZ-Informationen auch im neuen Konzept nicht gesenkt wurde. „Da gibt es keinerlei Vorgaben durch den Gesetzgeber, solange ein Beitrag nicht sittenwidrig ist. Jeder Verein kann frei darüber abstimmen“, erklärt Sportrechts-Experte Johannes Arnhold. „Gleiches gilt für die Frage, wer Mitglied werden soll und wer nicht.“

Red Bull wollte von Anfang an verhindern, dass bei der Leipziger Tochter die Basis mitbestimmt. Das ist geglückt, und daran hat sich auch nach dem halbherzigen Veto der DFL so gut wie nichts geändert. „Wenn man es nicht so gut meint mit den Leipzigern, könnte man sagen, dass sich ein Brause-Ableger hier die Lücken des deutschen Vereins- und Verbandsrechts zunutze gemacht hat, um sein Marketingprojekt voranzubringen“, findet Arnhold. „Man kann aber auch sagen: Mit juristischem Geschick und Professionalität arbeitet man in Leipzig an der Wiederbelebung eines Landstrichs auf der Fußballkarte.“

Ansichtssache also. Fördermitglied Barth will den romantischen Gedanken von der Mitglieder-Mitbestimmung noch nicht aufgegeben. Doch die Chancen, dass Barth tatsächlich das einzige stimmberechtigte Mitglied aus der Basis von RB Leipzig wird, stehen eher schlecht. Für RB-Verhältnisse redet er einfach zu viel.

Weniger erfreulich ist die Nachricht, die den Verein im Trainingslager in Doha erreichte. Der Weltverband Fifa untersagte den Wintertransfer von Nils Quaschner von RB Salzburg nach Leipzig, weil der 20-Jährige in dieser Saison auch schon für den Zweitligisten FC Liefering, einer weiteren RB-Außenstelle, im Einsatz war. Drei Klubs in einer Saison – das ist verboten. Leipzig will den Fall juristisch prüfen lassen, schickte Quaschner aber zurück nach Österreich. Im Testspiel der beiden RB-Filialen trennten sich die Leipziger und Salzburger gestern mit 3:3 (1:1).

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