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Auch Basketball spielt wieder - ein gewagtes Experiment

Zehn Teams, 23 Tage, ein Quarantäne-Hotel – die Bundesliga startet ihr finales Turnier mit einem gefährlichen Gegner: dem Coronavirus.

Der Ball im Korb. Das ist das Ziel.
Der Ball im Korb. Das ist das Ziel. © dpa

Von Florian Krebl

München. Der Kronleuchter über der Bar spiegelte sich in der Theke, an der die besten deutschen Basketball-Mannschaften bald Erfolge begießen oder Niederlagen verarbeiten. Noch sind die Hocker im Münchner Leonardo-Royal-Hotel leer, verrücken Angestellte eifrig Sofas und beziehen Betten. Die Zeit rennt, denn ab Samstag werden 220 Basketballer inklusive Betreuern für drei Wochen während des finalen Turniers der Bundesliga im Audi-Dome dort wohnen – ein ambitioniertes Unterfangen für die Gastgeber im Kampf gegen Coronavirus und Lagerkoller.

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Wenn München zu Deutschlands Basketball-Hauptstadt wird, beginnt zugleich ein kühnes Experiment. Dabei gerät fast in den Hintergrund, dass zehn Bundesligisten in einem bisher einzigartigen Wettbewerb den deutschen Meister ausspielen. Denn alle Beteiligten kämpfen um die nationale Zukunft einer ganzen Sportart. Und auf dieser Mission ist das Coronavirus der letzte Gegner.

Deshalb warnt Liga-Chef Stefan Holz kurz vor dem Start vor voreiliger Zufriedenheit: „Das Turnier hat noch nicht einmal angefangen. Es gibt natürlich Risiken. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass unser Konzept keine 100-prozentige Sicherheit vor Infektionen gewährleisten kann.“ Dass bisher nur wenig schief ging, heißt nicht, dass im dreiwöchigen Turnierverlauf nichts passiert. Die Angst vor dem größten anzunehmenden Unfall schwingt also mit.

So gut wie keiner darf zu den Profis

Für Manager Stephan Loewel ist die Beherbergung von Sportteams in seinem Hotel nahe des Olympiaparks kein Neuland. Regelmäßig machen die Gegner der Basketballer von Bayern München in der EuroLeague dort halt. So etwas wie das Basketball-Bundesliga-Finalturnier hat aber auch er noch nicht gesehen. Sein Hotel ist nur mit Korbjägern gefüllt. Um dies zu ermöglichen, bedurfte es reichlich Planung. Das Hygienekonzept wurde eingehend studiert.

Das Ergebnis: Das Vier-Sterne-Haus wird zum Quarantäne-Hotel, (fast) niemand darf zu den Basketballern. „Dieser normale Kontakt, Essen servieren, mit Gästen sprechen, interagieren, der findet nicht statt. Das ist die Herausforderung dabei“, sagt Loewel. Für normale Hotelgäste alltägliche Berührungspunkte mit der Belegschaft werden umgangen.

Keine Gäste in der Hotellobby. Genau so soll es sein. Nur Basketballer haben jetzt Zutritt.
Keine Gäste in der Hotellobby. Genau so soll es sein. Nur Basketballer haben jetzt Zutritt. © dpa/Sven Hoppe

Stichwort Roomservice. Bei der Zimmerreinigung besteht kein Kontaktrisiko. Die 260 belegten Einzelzimmer (Teams, Betreuer und Ligavertreter) werden einmal vor Einzug und dann jeweils an den Spieltagen des Teams gesäubert, wenn die Mannschaften im acht Kilometer entfernten Audi-Dome den deutschen Meister ausspielen.

Insgesamt stehen nur drei der 141 am Turnier beteiligten Beschäftigten sowie die Spieler unter Quarantäne. Sie halten den Barbetrieb am Laufen. Auch ihre Wäsche müssen die Mannschaften selber waschen. Dafür sind im derzeit stillgelegten Fitnessraum im Keller Haushaltswaschmaschinen aufgebaut worden. Spieler können zusätzlich den Dienst einer örtlichen Wäscherei nutzen.

Dartscheibe und Tischkicker stehen bereit

In Sachen Verpflegung ist ebenfalls Social Distancing geboten. Es gibt ein Buffet. Die Mannschaften kommen in Gruppen. „Beim Buffet bringen wir das Essen und das notwendige Geschirr zu den Tischen“, sagt Loewel. „Dann verlässt das ganze Team das Restaurant und kommt erst wieder zurück, wenn die Gäste das Restaurant verlassen haben.“ Schon beim Essen will Loewel einem Lagerkoller entgegenwirken. Es soll zum Abendbrot auch „Futter für die Seele“ gereicht werden, wie er sagt. Schnitzel, Pizza, Lasagne, Leberkäse – alles ist möglich.

Und sollte den Spielern doch irgendwann das Hotelleben zu eintönig werden, schafft eine „Fun Area“ im über 700 Quadratmeter großen Ballsaal Abhilfe. Die Dartscheibe steht bereits. Auch ein Tischkicker und eine Basketball-Wurfanlage werden installiert. Für frische Luft bieten sich bei Bedarf ein Spaziergang oder eine Fahrradtour durch den Olympiapark an. Die Spieler dürfen in Gruppen zu maximal drei Personen raus, solange sie unter sich bleiben. Motto: nur kein Risiko.

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Von wegen nur Fußball. Auch andere Wettkämpfe sind wieder erlaubt, aber mit Einschränkungen. Alte Regeln gelten nicht mehr, und die Athleten improvisieren.

Große Angst vor dem Lagerkoller scheint bei den Teams aber ohnehin nicht zu herrschen. „Die Spieler werden sehr beschäftigt sein, auf ihre Körper zu achten“, sagt Frankfurts Trainer Sebastian Gleim. Aller zwei Tage sind die Spieler schließlich gefordert bei dem Experiment, für das sich inzwischen sogar die US-amerikanische Vorzeigeliga NBA interessiert. (sid)

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