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Basketballfeld muss Containern Platz machen

Pirnas Herder-Gymnasium ist zu klein. Die Erweiterung beginnt im Mai. Glücklich ist mit der Notlösung niemand.

© Norbert Millauer

Von Alexander Müller

Die Schüler des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums müssen bald in den Container. Das war bereits bekannt, doch nun wurden die Einzelheiten der mobilen Lösung des Platzproblems an der Einrichtung öffentlich. Die Schule soll mit den „mobilen Raumeinheiten“, wie die Pirnaer Stadtverwaltung die Container nennt, nur vorübergehend ausgestattet werden. Wobei vier Jahre – so lange sollen sie nämlich stehen – nicht gerade ein kurzer Zeitraum sind. Geschaffen werden sollen sechs Klassenräume für jeweils bis zu 28 Schüler. Dazu wird es noch einen Fachraum Kunst, ein Fachkabinett Physik, drei Vorbereitungs- und Lagerräume, eine Garderobe, einen Sanitärraum für Mädchen und einen Sanitärraum für Jungen geben.

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Als Standort wurde das Areal hinter der Schule festgelegt, das bisher als Basketballplatz genutzt wird. Dieser Platz biete optimale Flächen und Anschlussbedingungen, teilte Pirnas Baubürgermeister Christian Flörke den Stadträten mit. Die Anlage selbst werde eingeschossig, Sie sei dadurch behindertengerecht und auch brandschutztechnisch wesentlich leichter zu handhaben, sollte es denn mal zu einem Feuer oder zu einer Rauchentwicklung kommen. Außerdem entstünden Kostenvorteile, da zum Beispiel die Treppenhäuser entfallen könnten. „Alle anderen Standorte auf dem Schulgrundstück mussten aus baulichen Gründen verworfen werden“, erläutert Christian Flörke.

Das sehen nicht alle so. Ralf Wätzig, Chef der SPD/Grünen-Fraktion im Pirnaer Stadtrat, fordert, die Container nicht auf das Basketballfeld zu setzen, sondern etwas westlich davon hinter eine Baumreihe vor der Grundstücksgrenze der Schule. Aber auch das verwirft die Stadtverwaltung mit dem Hinweis auf mangelnde Umsetzungsmöglichkeiten. Da die Container auch an Strom, Wasser und andere Medien angeschlossen werden müssen, könnten sie nur auf das jetzige Basketballfeld gestellt werden. Die vom Rathaus vorgeschlagene Lösung werde den Bedürfnissen der Schule gerecht.

Die Containervariante sei auch aus wirtschaftlichen und terminlichen Gründen zu bevorzugen, verteidigt Baubürgermeister Christian Flörke den Vorschlag der Stadt. Doch auch er muss zugeben, dass diese Lösung alles andere als optimal ist.

So erfüllt sie gleich mehrere Anforderungen nicht, die aber eigentlich Pflicht sind an einer Schule. Als Beispiel wird die Energiesparverordnung genannt. Aus diesem Grund könne die Containerlösung auch keine dauerhafte sein. Andere Alternativen, die allen Anforderungen entsprechen würden, seien entweder zu teuer oder nicht bis zum Beginn des kommenden Schuljahrs umzusetzen.

Die Stadt will die Container nicht kaufen, sondern mieten. Monatlich kostet das 11 500 Euro. Das ist aber längst noch nicht die gesamte Summe, die Pirnas Stadtverwaltung hinblättern muss. Allein für die Planung und Installation werden über 830 000 Euro fällig. Die Folgekosten belaufen sich dann jährlich auf knapp 200 000 Euro. Bei vier Jahren sind das also noch einmal 800 000 Euro. Da kommen für das Projekt „Containerschule“ also letztendlich über 1,6 Millionen Euro zusammen.

Im Stadtrat gibt es nicht nur deswegen einigen Unmut. Ralf Wätzig beklagt auch weitere negative Folgen. „Zu einer modernen Schule gehören adäquate Möglichkeiten, sich in den Pausen zu bewegen“, erklärt er. Das Herder-Gymnasium sei überbelegt. Umso wichtiger seien deshalb Räume und Plätze außerhalb des Schulgebäudes. Mit den Containern würden aber weitere Plätze vernichtet. Nach Gesprächen mit dem Schülerrat fordert seine Fraktion daher ein Kleinfußballfeld oder eine andere Freizeitmöglichkeit als Ersatz. Dazu äußert das Rathaus, dass diese derzeit noch geprüft würden.

Ziemlich klar ist aber, wie es mit den Containern weitergeht. Baubeginn ist am 20. Mai. Tatsächlich aufgestellt werden sollen die Container ab dem 15. September. Ab 21. Oktober sollen sie dann genutzt werden. Während der bald beginnenden Prüfungszeit soll es aber keine lauten Arbeiten geben. Das alles steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass der Stadtrat diesen Plänen auf seiner nächsten Sitzung auch zustimmt. Die findet am kommenden Dienstag, ab 18 Uhr, im Großen Ratssaal des Rathauses am Marktplatz statt.