merken
PLUS Meißen

Wohnen in einem Denkmal

Die Horn'sche Stiftung aus Meißen rettete das Haus vor dem Verfall. Ab Oktober sind die Wohnungen bezugsfertig.

Statt einer Ruine sieht man nun ein fertiges Fachwerkhaus, das zum gemütlichen Wohnen am Burgberg einlädt.
Statt einer Ruine sieht man nun ein fertiges Fachwerkhaus, das zum gemütlichen Wohnen am Burgberg einlädt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Lange wurde darüber diskutiert, die Häuser am Lommatzscher Tor abzureißen. Jetzt kann eines davon bewohnt werden. Ab Oktober ziehen erste Mieter ein, in das Fachwerkgebäude am Lommatzscher Tor 1. Unweit des Burgbergs hatte die Stiftung Otto-und-Emma-Horn das Haus 2015 gekauft, nachdem die Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen mbH keinen Käufer gefunden hat. Tom Lauerwald, Verwalter der Stiftung und Stadtarchivar, ist glücklich, dass das Haus erhalten werden konnte.

Im 13. Jahrhundert wurde das gesamte Gehöft erstmalig urkundlich erwähnt. Das Erdgeschoss, des nun sanierten Fachwerkhauses, stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Aufbau erfolgte im 19. Jahrhundert. Das Meißner Architekturbüro Hauswald plante dabei den Umbau des Denkmals zu einem Wohnhaus. 

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Das Gebäude wurde in sieben Wohnungen aufgeteilt. Sechs davon werden ab Oktober bezogen. Eine weitere im Erdgeschoss folgt ab November oder Dezember, und zwar ein Single-Apartment. Die Wohnungsgrößen betragen dabei zwischen 70 und 140 Quadratmetern.

Obere Wohnungen fast fertig

Jetzt ist man dabei, den Innenausbau weiter voranzutreiben. So sind in den oberen Etagen schon die Böden verlegt: Parkett und Fliesen. Einzelne Zimmer wurden dort schon farbig gestrichen, nach den Wünschen der baldigen Bewohner. Im Erdgeschoss erhalten die Wohnungen wiederum eine Fußbodenheizung. Allerdings: Es fehlen noch überall die Türen. "Die werden erst in den nächsten Wochen installiert. Sie müssen erst noch geliefert werden", so Tom Lauerwald.

Tom Lauerwald war schon damals stolz: Im November 2019 war das Haus noch komplett eingerüstet, doch innerhalb eines Jahres hat sich viel getan.
Tom Lauerwald war schon damals stolz: Im November 2019 war das Haus noch komplett eingerüstet, doch innerhalb eines Jahres hat sich viel getan. © Claudia Hübschmann

Sonst gestaltet die Stiftung das gesamte Gehöft mit insgesamt drei Häusern weiter aus. So wird es noch mehrere Garagen- und Carportplätze geben. Eine Wohnung im Erdgeschoss erhält einen extra Vorgarten mit mittelalterlichem Wassertrog: wie es ihn vor etwa 800 Jahren schon mal gab. Er wird zusätzlich noch umzäunt. 

Damit hat die Wohnung im Erdgeschoss zwei Terrassen. Die andere befindet sich am Hinterhaus mit saftig grüner Wiese, die offensichtlich die vergangenen Hitzetage gut überstanden hat. Der Innenhof wird ebenso begrünt. Zudem haben die zwei Wohnungen im ersten Obergeschoss jeweils einen Balkon. 

Die zwei anderen Häuser auf dem Hof werden später ausgebaut, nachdem sich 2018 kein Käufer gefunden hatte. Dort sollen zum Beispiel Lager- oder Büroräume entstehen, unter anderem für Vereine. Eine genauere Planung folge dann später, sobald das Fachwerkhaus fertig gebaut ist, sagt der Stiftungsverwalter. "Erst mal konzentrieren wir uns auf ein Projekt."

Darüber hinaus plant die Stiftung dort drei zusätzliche Wohnungen, erklärt Tom Lauerwald. Eine Familie mit behindertem Kind möchte eine davon gern bewohnen. Deshalb wird das Haus barrierefrei gestaltet und erhält sogar einen Fahrstuhl. Ursprünglich war ein solcher im fast fertigen Haus gegenüber geplant, wurde jedoch wieder verworfen.

Das Denkmal soll Vorbild sein

Die 1951 gegründete Stiftung setzt sich unter anderem für Denkmalschutz und -pflege ein. Seit 1998 hat sie unter anderem folgende Projekte gefördert: die Sanierung der Jehmlich-Orgel in der Johanneskirche oder Restaurierungsarbeiten an der Klosterruine "Heilig Kreuz", um nur zwei Beispiele zu nennen.

Weiterführende Artikel

Ein ungewöhnlicher Bauherr

Ein ungewöhnlicher Bauherr

Die Horn’sche Stiftung fördert vor allem Vereine und Projekte in der Stadt – aber sie saniert auch Häuser.

Etwa zweieinhalb Millionen Euro hat die Meißner Stiftung in die Anlage am Lommatzscher Tor investiert. Sie bleibt dabei in ihrem Besitz und soll Mieteinnahmen abwerfen. Mit dem Haus möchte die Stiftung zudem beispielhaft zeigen, dass Baudenkmäler in Meißen wirtschaftlich bewahrt werden können, laut ihrem Tätigkeitsbericht des Jahres 2018. 

Mehr aktuelle Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen