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Bau dir deine Festung

Bei der neuen Dauerausstellung auf der Festung Königstein gibt es auch ein eigens entwickeltes Strategiespiel – ein sehr großes.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Franz Werfel

Plötzlich war sie da, die Idee: Ein strategisches Brettspiel wollte Museumspädagogin Maria Pretzschner für die neue Dauerausstellung auf der Festung Königstein entwickeln. Am 1. Mai wird „In lapide regis – auf dem Stein des Königs“ im Torhaus eröffnet. Bis dahin ist noch viel zu tun, auch an dem Brettspiel von Maria Pretzschner wird fast bis zum Schluss gewerkelt. „Werde Festungsbaumeister“ soll es heißen – und das ist hier durchaus wörtlich gemeint.

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Denn bei dem Spiel, das sich auf einer großen, ovalen Tischplatte abspielen wird, legen kleine Festungsbaumeister ab zwölf Jahren selbst Hand an. Sie decken Ereigniskarten auf und müssen die jeweiligen Aufgaben erfüllen. Für das Jahr 1731 heißt es da etwa: „Der König benötigt ein Gebäude, um hochrangige Gäste zu empfangen.“ Also müssen die Spieler die alte Christiansburg in einen barocken Pavillon, die neue Friedrichsburg, verwandeln.

So gehen die Baumeister auf eine spannende und zugleich lehrreiche Reise durch das Jahrhundert Augusts des Starken und seines Sohnes. „Wir haben bei der Spieleentwicklung entschieden, uns auf das 18. Jahrhundert zu konzentrieren“, erläutert die 37-jährige Museumspädagogin. Sonst wäre das Spiel zu komplex und unübersichtlich geworden. Zu erleben gibt es so schon genug. Etwa elf Aufgaben müssen in 15 Minuten bewältigt werden, wenn man das Spiel beenden möchte.

Handarbeit fürs Original

Der zwei Quadratmeter große Spieltisch, die Ereigniskarten sowie die Figuren – Soldaten, Gebäude und Kanonen – entstehen derzeit an der Freitaler Stadtgrenze im Felsenkeller-Gelände im Plauenschen Grund. Die Firma Designprojekt Dresden hat in Absprache mit der Festung Königstein den Festungs-Grundriss auf den Spieltisch gebracht. In Handarbeit entwickelt sie nun die Spielfiguren. Pünktlich zum 1. Mai wird alles fertig sein, versprechen die Tüftler.

Um dieses wertvolle museumspädagogische Angebot den jüngeren Besuchern zu unterbreiten, hat die Festung Königstein keine Mühen gescheut. Maria Pretzschner erklärt ihren Ansatz: „Die Spieler sollen verstehen, wie der Festungsbau früher funktioniert hat.“ Wer käme zum Beispiel auf die Idee, dass man, bevor man die Festungsmauern verstärkt hat, zuerst den Brunnen auf der Festung vergrößerte? „Ohne Wasser hätte die Mannschaft eine längere Belagerung auf der Festung nicht durchgehalten“, so die studierte Historikerin. Da es in der Dauerausstellung für jüngere Besucher schon viele multimediale und digitale Angebote gebe, war Maria Pretzschner für die Festungsbaumeister ein haptisches Spieleerlebnis wichtig. „Anfassen und Verstehen“, wie sie sagt. Kinder wie Erwachsene könnten Informationen besser behalten, wenn sie etwas in der Hand hielten.

Den ausschlaggebenden Einfall hatte im vergangenen Frühjahr ein Praktikant von Maria Pretzschner. Er versuchte, die Stecktechnik, etwa eines Lego-Spiels, mit Abläufen des Monopoly-Brettspiels zu verbinden. So entstand auch die Idee mit den Ereigniskarten. Der Praktikant entwickelte dann auch gleich erste mögliche Aufgaben, zum Beispiel die in den Jahren 1716/25: „Nach den schlimmen Erfahrungen des Nordischen Krieges sollen die Wachmannschaften verstärkt werden.“ Also muss die alte Kaserne um eine Etage erweitert und neben der Kaserne eine weitere Soldatenunterkunft errichtet werden. Die Festung ist in den rund 500 Jahren ihres Bestehens immer wieder umgebaut worden. So reagierte man auf neue Waffen- und Angriffstechniken. Auch deshalb wurde der Königstein nie eingenommen.

Die Museumspädagogin ist gespannt, ob und wie die Kinder das Baumeister-Spiel aufnehmen werden. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich baufreudige Mütter und Väter unter ihre Kinder mischen. Und ob die dann noch etwas vom Spiel haben.