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Bau von Paintballhalle in Freital liegt auf Eis

Deuben/Birkigt

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Sie bekämpfen sich in alten Fabrikhallen oder im Gelände mit Luftgewehren, die allerdings nur Farbkügelchen als Munition haben. Paintball oder Gotcha heißt das Spiel, das auch in Freital zu Hause ist. Seit Jahren fröhnten Mitglieder und Gäste des Paintball-Vereins im Gebäude der Ex-Luft- und Metalltechnik Freital in Deuben ihrem Hobby.

Nicht nur ballern

Nun droht dem Verein das Aus – eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz schlägt ein bundesweites Verbot des „Kriegsspiels“ vor (die SZ berichtete) – eine Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen ermordet hat.

Andreas Füllborn vom Verein Paintball ist schockiert. „Es ist nicht nachgewiesen, dass es zwischen Paintball und Amokläufen einen Zusammenhang gäbe“, sagt er. Die Gotcha-Spieler betrachten ihr Hobby als Sport, für den es auch Turniere und eine Bundesliga gibt. Allein in Sachsen existieren 17 Paintball-Hallen.

Besonders stark trifft die Verbotsdiskussion die Freitaler Paintballer. Weil sie ihre alte Halle aufgeben müssen, haben sie im März mit dem Ausbau einer anderen Halle in Freital-Birkigt nahe Dresden-Coschütz begonnen. 250000 Euro sollten in die Herrichtung einer Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern fließen – übrigens nicht nur für Paintball, sondern auch für Badminton, Tanz, Fußball, Beach-Volleyball, Baseball und Basketball.

Doch daraus wird vorerst nichts. Mit Blick auf die unsichere Zukunft hat der Verein alle Arbeiten gestoppt. Stattdessen sammeln die Vereinsleute Unterschriften gegen ein mögliches Paintball-Verbot. In den vergangenen zwei Wochen sind weit über 1000 Signets zusammengekommen. Die Freitaler können sogar auf prominente Unterstützer verweisen. In der Freitaler Halle sind sogar die Fußballer von Dynamo Dresden und die Footballer von den Dresden Monarchs zum Wettkampf angetreten. „Teambildung“ nennt das der Veranstalter Andreas Füllborn.

Sachsen für die harte Linie

Lothar Hofner, Sprecher des sächsischen Innenministeriums, kann dagegen der Sache nichts Gutes abgewinnen. „Es handelt sich um ein Kriegsspiel, bei dem die Menschenwürde des Gegners herabgesetzt wird“, urteilt er. Dementsprechend plädiert Sachsen für ein bundesweites Gotcha-Verbot.

Schon vor Jahren sollte zumindest das Landespolizeigesetz geändert werden, allerdings hielt die Regelung vor dem Verwaltungsgericht nicht stand.

Hofner warnt zugleich davor, die Debatte auf das Thema Paintball zu konzentrieren. Dieses sei ein Punkt unter vielen. Zum Katalog gehört auch die sichere Aufbewahrung von Schusswaffen sowie Alterseinschränkungen für die Nutzung großkalibriger Waffen. Das ist freilich jener Teil der Diskussion, der die Paintballer nicht stört. Im Gegenteil sind die Aussagen der Fangemeinde gewissermaßen willkommen – als Vergleichsbasis. „Während 14-Jährige immer noch scharf schießen dürfen, muss ein Paintballspieler mindestens 18 sein“, unterstreicht Füllborn.