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Bauarbeiter statt Bademeister

So heißt es 2020 im Jahnbad in Weißwasser. Und auch auf dem Platz davor wird derzeit ordentlich zugepackt.

Auf dem Parkplatz am Jahnbad werden die Medien für den künftigen Caravanstellplatz verlegt. Neben Rohrleitungen müssen noch zwei Kontrollschächte gesetzt werden. Andreas Heidrich vom Straßen- und Tiefbau Schmidt und Dunkel aus Forst und weitere Mitarbeite
Auf dem Parkplatz am Jahnbad werden die Medien für den künftigen Caravanstellplatz verlegt. Neben Rohrleitungen müssen noch zwei Kontrollschächte gesetzt werden. Andreas Heidrich vom Straßen- und Tiefbau Schmidt und Dunkel aus Forst und weitere Mitarbeite © Joachim Rehle

Trotz Corona in vollem Gange sind die Bauarbeiten auf dem Parkplatz am Jahnbad in Weißwasser. Anfang des Monats war dort schwere Technik angerückt, um Kanäle zur Schmutzwasserentsorgung auszuheben und für die Elektroanschlüsse des künftigen Caravanstellplatzes. Bei der Gelegenheit wird auch gleich das Jahnbad an das zentrale Abwassernetz angeschlossen. Neben dem Verlegen der Rohrleitungen müssen zwei Kontrollschächte gesetzt werden. Das Naturbad wird grundlegend saniert und bleibt wegen der umfangreichen Bauarbeiten auch während der Saison geschlossen (Tageblatt berichtete).

Das Jahnbad besteht seit den 30er-Jahren. Wegen der angespannten Finanzlage der Stadt gab es eine Zeit lang Überlegungen, es nicht mehr als Freibad zu betreiben. „Aber eine offene Badestelle wäre der Anfang vom Ende“, hatte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ausgesprochen, was viele Weißwasseraner bewegt. Letztlich rang man sich im Rathaus zur Sanierung durch. „Das Bad wurde immer gut angenommen. Das soll auch in Zukunft so sein“, hieß es. Dafür wird es fit gemacht.

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Die Freidusche kommt

Die Planungen wurden Ende März abgeschlossen. Fragezeichen standen bis zuletzt hinter einer freien Dusche im Bad und dem dritten Volleyballfeld. „Die Freidusche ist geplant, die Installation findet statt“, bestätigte Stadtsprecher Wulf Stibenz jetzt auf Nachfrage von Tageblatt. Und auch für das umstrittene dritte Volleyballfeld könnte es eine Lösung geben. „Die fachliche Bewertung steht noch aus“, hieß es aus dem Rathaus. Vorstellbar sei aber, das dritte Feld als Aufwärm- und Trainingsfeld zu erhalten.

Das Jahnbad beschäftigt Verwaltung und Bürgerschaft schon lange. Als die Fraktion Klartext des Stadtrats im Oktober 2018 zu einem Bürgerforum lud, kamen mehr als 70 Leute. Aus der Veranstaltung heraus erging seinerzeit die klare Aufforderung an die Verwaltung, alles für den Erhalt des Bads zu tun. Vor den Kommunalwahlen 2019 befassten sich die Räte mehrfach mit dem Bad, trafen sich auch direkt an Ort und Stelle, ehe es bedingt durch die Haushaltkonsolidierung etwas ruhiger um das Thema wurde. Durch Zutun des Vereins Mobile Jugendarbeit und Soziokultur Weißwasser sei das Thema wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger gerückt worden. Der Verein selber hatte die weitere Betreibung des Bads über 2019 hinaus kategorisch ausgeschlossen, erklärte sich aber bereit, mit Veranstaltungen zur Attraktivität des Freibads beitragen zu wollen.

Das Jahnbad soll für 157.500 Euro hergerichtet und dabei 80 Prozent der Kosten aus Fördertöpfen eines Efre-Programms finanziert werden. Die Herausforderung: Bis Ende 2020 müssen die Fördermittel verbaut und obendrein abgerechnet sein. Für einen zügigen Bauablauf fällt der öffentliche Badebetrieb in dieser Saison aus. „Aber wir werden Gas geben, dass das Bad für das nächste Jahr vorbereitet wird“, versprach der OB beim Bürgerforum im März. Abermals hatte die Fraktion Klartext dazu eingeladen. Man wollte nach den Worten von Andreas Friebel „ein Signal setzen, dass wir das Thema nicht vergessen haben“.

Im Januar und Februar vergab der Bau- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrats für das Bad Aufträge für nahezu 100.000 Euro. Das war trotz Haushaltkonsolidierung möglich, weil das Vorhaben im Vorjahr begonnen worden war, die Mittel per Stadtratsbeschluss eigens für diesen Zweck bereitgestellt sind. Inzwischen ist – für jedermann sichtbar – so Einiges im Bad passiert.

Ein Freibad für Familien

Die Baumaßnahmen verlaufen in drei Abschnitten. Kiosk, Kassenhäuschen und die alten Toilettenanlagen sind bereits abgerissen. Das verbliebene Gebäude wird saniert, eine neue Dachhaut ist aufgebracht. Es entstehen Räume für den Schwimmmeister, ebenso für Tauchsportler und Lagerräume. Auch einen Imbiss soll es wieder geben, der dem künftigen Betreiber dabei hilft, seine Kosten zu refinanzieren. Bisher hatte sich die Stadt mit einem jährlichen Zuschuss von 25.000 Euro beteiligt.

In einem zweiten Abschnitt sind die Außenanlagen dran. Die maroden Stege werden von Hand zurückgebaut, Böschungen neu gestaltet. Zu beachten sind heutige Anforderungen wie ein barrierefreier Wasserzugang. Und auch der Umweltschutz spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Statt der bisherigen Volleyballfelder werden zwei neue angelegt. Man werde versuchen, diesen Bereich bis Ende August nicht anzufassen, damit die Turniere gespielt werden können, stellte Torsten Pötzsch in Aussicht. Ob weitere der sonst im Bad erfolgreichen Veranstaltungen stattfinden, sei allerdings noch ungewiss. Der OB hatte dabei auf den Bauablauf verwiesen. Inzwischen ist wegen Corona mehr als fraglich, ab wann Veranstaltungen wie die Schlagernacht in diesem Jahr möglich sind und ob überhaupt.

Gebaut werden soll außerdem ein neuer Spielplatz. Ob man dafür das Karussell weiter nutzen kann, werde noch geprüft. Vorgesehen sind Trampolin und Schaukel.Jemand schlug vor, die Edelstahlrutschen aus einem vor mehr als zehn Jahren geschlossenen Bad der Umgebung zu nutzen. „Wenn man schon Fördermittel verbaut, dann soll es ein Bad für Familien sein. Vielleicht kriegt die Stadt ja von irgendwoher noch was dafür, „damit sich das Jahnbad von den Baggerseen ringsherum abhebt“, so die Begründung. Die Gesetzeslage sei da nebulös, so der OB. Auch brauche man für eine Rutsche ab einer bestimmten Größe Aufsichtspersonen. „Aber Fachleute für Bädertechnik gibt es nicht wie Sand am Meer“, sagte er. Außerdem würden damit die Kosten für den Betreiber steigen.

Etwas Sorge habe er, so Torsten Pötzsch, was den Wasserstand angeht. Das Thema sei mit den Umweltbehörden diskutiert worden. Man müsse es im Auge behalten. Auch werde man weiterhin regelmäßig zur Beseitigung der Schlingpflanzen etwas tun müssen. Alle drei Jahre war der Teich deswegen ausgebaggert worden.Mit den jetzt begonnenen Bauarbeiten wird der Parkplatz am Bad für einen Sanitärcontainer vorbereitet. Ab Juli soll der Platz für Wohnmobile nutzbar sein.

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