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Bauboom in altem Kaufbacher Vierseithof

7,5 Millionen Euro werden in das historische Ensemble gesteckt. Probleme bereitet den Arbeitern die alte Remise.

Von Annett Heyse

Holzbalken liegen im Hof, Paletten mit Ziegelsteine stehen neben Baustahl, es wird geklopft, gebohrt, geschraubt, Arbeiter rühren Zement an, und über allem schwebt am Kranhaken der nächste Dachbalken durch die Luft. Der Kaufbacher Vierseithof, hinter der Gabelung Oberstraße und Dorfstraße gelegen, ist eine Großbaustelle geworden. Das Wohngebäude, die Remise sowie die Scheune werden so umgebaut, dass dort insgesamt 36 Wohnungen entstehen.

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Gestemmt wird das Projekt von der Ventar Immobilien AG aus Böblingen. Die Schwaben haben sich in und um Dresden seit 1997 mit der Sanierung alter Bausubstanz einen Namen gemacht. Sie kaufen ausschließlich unter Denkmalschutz stehende Häuser in Sanierungsgebieten. Nur damit könne man noch Geld verdienen – wegen der Abschreibungen und Steuereinsparungen, heißt es aus dem Unternehmen. Das Prinzip ist schnell erklärt: Ventar kauft, plant die Sanierung und verkauft die Eigentumswohnungen – erst dann beginnen die Arbeiten. Für die Eigentümer ist es eine Geldanlage, für Ventar das Startkapital. So wurde beispielsweise das Freitaler Jochhöhschlösschen oder das Lungkwitzer Stiftsgut saniert. Auch das Schloss in Weistropp soll zum Wohnobjekt umgebaut werden. Doch während dort noch die Vorbereitungen laufen, ist man in Kaufbach schon mittendrin im Baugeschehen – schließlich sollen die Wohnungen Mitte November 2014 übergeben werden.

Noch vor einem Jahr lag der riesige Bauernhof im Dornröschenschlaf. Scheune und Remise waren längst sich selbst überlassen, die letzten Mieter im Wohnhaus gerade ausgezogen. Lediglich das Auszugshaus war und ist bis heute noch bewohnt – hier lebt seit Jahrzehnten ein Ehepaar. Ansonsten herrschte der Charme des Verfalls. Dabei war der Kaufbacher Vierseithof einst ein großes landwirtschaftliches Gehöft. Das Wohnstallhaus wurde 1880 neu errichtet, in der Remise waren zahlreiche Gesindekammern eingebaut.

Und wie es bei derart alten Häusern der Fall ist, muss alles von Grund auf erneuert werden. Weil es nicht einmal eine funktionierende Abwasseranlage gab, wurde zunächst eine Biokläranlage installiert. Die Gebäude selbst konnten nicht entkernt werden, weil der Denkmalschutz dies nicht zulassen würde. „So mussten die Gewölbe und Wände verstärkt werden, um den heutigen Anforderungen zu genügen“, schildert Ventar-Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Herrmann. Wichtigste Aufgabe sei es aber derzeit, die neuen Dächer auf die Gebäude zu bekommen. Herrmann: „Dann können wir den Innenausbau beginnen.“

Am leichtesten dürfte dies bei der Scheune fallen. Sie konnte von den Architekten ganz nach Belieben mit modernen Grundschnitten ausgestattet werden. Probleme bereitet den Arbeitern dagegen die Remise. Von außen sieht das einstige Wirtschaftsgebäude gar nicht so schlecht aus. Säulen zieren als Hingucker den Eingangsbereich. Doch die Optik täuscht. „Da wurde beim Bau an allen Ecken und Enden gespart und nur das nötigste Material verwendet“, berichtet Herrmann. So ist die Remise über die Jahrzehnte in sich völlig verrutscht, auch das Dach war in einem katastrophalen Zustand. Darum kümmern muss sich nun der Hauptauftragnehmer, die SMC Deutsche Generalbau. Die 36 Wohnungen sollen zwischen 40 und 100 Quadratmeter groß werden. Die Gesamtwohnfläche liegt bei 2 540 Quadratmetern. Ventar investiert rund 7,5 Millionen Euro.

Zunächst unberührt bleibt das im Vergleich zu den anderen Gebäuden nahezu winzige Auszugshaus. Herrmann: „Was wir daraus machen, steht noch nicht fest.“