merken
PLUS

Meißen

Baucamp statt Malle

Jugendliche aus mehreren Ländern haben bei der Bürgerstiftung in Meißen zwei Wochen mit angepackt.

Insgesamt 13 Tonnen Sand haben Jugendliche aus verschiedenen Ländern in den vergangenen Wochen geschippt, um auf dem Gelände an der Jahnhalle einen Sandkasten zu schaffen.
Insgesamt 13 Tonnen Sand haben Jugendliche aus verschiedenen Ländern in den vergangenen Wochen geschippt, um auf dem Gelände an der Jahnhalle einen Sandkasten zu schaffen. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Die Sonne brennt an diesem Tag besonders heiß. Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius fällt jeder Schritt schwer. Sieben Jugendliche aus Ländern wie der Türkei, Spanien, Aserbaidschan und Deutschland lassen sich davon aber nicht abhalten.

Im Rahmen eines Baucamps des Internationalen Bauordens sind sie bei der Meißner Bürgerstiftung zu Gast. Dort leisten sie ihren Beitrag, damit die Bewegungslandschaft auf den Außenanlagen an der Jahnhalle Gestalt annimmt. „Ich könnte natürlich auch nach Malle fahren und den ganzen Tag feiern, aber das möchte ich nicht. Mir gefällt, was die Bürgerstiftung in Meißen vorhat und daher macht es mir Freude, hier freiwillig zu arbeiten“, sagt der 17-jährige Benedikt Weimer aus Hagen. In der Politik werde schon genug geredet, aber selten etwas Konkretes getan. Daher sei es ihm wichtig, mit anzupacken. „Außerdem macht es auch eine Menge Spaß, andere Leute aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen. Das ist eine sehr schöne, internationale Atmosphäre.“

Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Hinzu komme das Engagement der Menschen, die sich für die Bürgerstiftung und für das Projekt „Meißen bewegt sich“ engagieren. Jeden Tag habe ihnen jemand Essen gebracht. Zudem gab es eine Wohnung, in der sie kostenfrei wohnen konnten, so Benedikt Weimer. Dafür wollen sich die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren gern revanchieren. 

Am vergangenen Freitag sieht das folgendermaßen aus: Immer wieder füllen sie eine Schubkarre nach der anderen mit Sand und bringen diese zum neuen Sandkasten. Obwohl ihr Einsatz freiwillig ist, gibt es auch Vorgaben in Gestalt eines Zeitplans. Bis zum Abend soll alles fertig sein. Dann hat die Bürgerstiftung eine weitere Etappe geschafft. Nach der Fertigstellung der Slackline – also einem Bereich, wo man üben kann, auf einem dünnen Band durch die Luft zu balancieren, ist der Sandkasten das zweite große Projekt, das vollendet wird.

„Wir schließen das heute Abend mit einem Grillabend ab. Die Jugendlichen helfen uns, die insgesamt 13 Tonnen Sand in den Sandkasten zu schaffen“, sagt Projektkoordinatorin Johanna Singer von „Meißen bewegt sich“. Zuvor hätten zahlreiche Freiwillige in den zurückliegenden Wochen das Gerüst des Sandkastens gebaut, der die Form eines Schiffes hat. Zimmermann Martin Jonasch erklärt die Details: „Wir haben uns zwar die Baumpfähle aus Robinienholz anliefern lassen, ein fertiger Bausatz ist es aber nicht. Stattdessen haben wir alles selbst geplant“, sagt Martin Jonasch. 

Johanna Singer zeigt das Projekt der Bürgerstiftung.
Johanna Singer zeigt das Projekt der Bürgerstiftung. ©  Claudia Hübschmann

Bewusst habe man beim Bau auf den Einsatz von Maschinen, wie zum Beispiel Motorsägen, verzichtet. „Viele unserer Mitstreiter arbeiten sonst im Büro. Daher war es unser Ansatz, dass sie beim Bau des Sandkastens merken, was es bedeutet, körperlich tätig zu sein“, so der Zimmermann. Auf einer Fläche von 7,20 Meter mal vier Meter wurden die Holzbohlen schließlich verschraubt oder beispielsweise an einer Stelle, wo mehrere Pfähle eine Welle symbolisieren, auch einbetoniert. Was bei der aktuell intensiven Sonnenstrahlung besonders angenehm ist: Demnächst wird noch ein großes Sonnensegel montiert. Dann sieht aus wie ein richtiges Schiff.

Weil das am Freitag noch nicht möglich ist, haben die Verantwortlichen von „Meißen bewegt sich“ einen kleinen Pavillon aufgebaut, unter dem man sich erholen und auch etwas trinken kann. Da an diesem Tag auch der Eltern-Kind-Treff stattfindet, haben die Sandkastenbauer bei ihrer Arbeit jede Menge Gesellschaft. Viele junge Muttis kommen mit ihren Kindern vorbei. Und diese schauen schon sehnsüchtig auf den neuen Spielplatz.

Bis es so weit ist, müssen sie jedoch noch im kleineren Provisorium spielen, haben aber auch dort ihren Spaß. Ähnlich geht es auch ihren Müttern. Diese haben ihre lieben Kleinen zwar im Blick, können gleichzeitig aber auch unbesorgt mit anderen Müttern plauschen und sich austauschen. Für die internationalen Jugendlichen ist das ein gelungener Abschluss ihres mehrwöchigen Baucamps. Sie erleben auf diese Weise sofort, wofür sie das alles tun. Da wundert es nicht, dass die 23-jährige Hazal aus der Türkei ein positives Fazit ihres Aufenthaltes zieht. „Die Zeit hier hat meinen Horizont erweitert. Es war interessant, die Menschen und die Region kennenzulernen“, sagt sie.