merken
PLUS

Bauen auf dem Balkon Meißens

Die Siedlerstraße gehört zu den höchsten Punkten des ganzen Stadtgebiets. Das lässt sich der Eigentümer auch bezahlen.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

Die Türme der Albrechtsburg – die kann man von vielen Punkten im Stadtgebiet sehen. Aber noch die halbe Albrechtsburg dazu? Und außerdem die Landschaft jenseits des Elbtals bis nach Weinböhla? Den Blick kann wohl nur das geplante Wohngebiet in Obermeisa bieten.

Anzeige
"Was hast du zu essen mit, Mama?"
"Was hast du zu essen mit, Mama?"

Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Dass dort überhaupt noch Baugrundstücke zu haben sind, ist wohl nur der Insolvenz eines früheren Eigentümers, der Meißner Wohnbau-Gesellschaft, zu verdanken. So kann Makler Volker Herbold 20 Jahre nach dem Bau mehrerer Eigenheime und Mehrfamilienhäuser noch 20 000 Quadratmeter anbieten. „Der jetzige Eigentümer hat gekauft, was zu kaufen war. Mehr gibt’s hier einfach nicht.“ Momentan wächst das Gras schon fast bis in Kniehöhe, Birken und Gestrüpp sprießen. Über allem liegt das Zwitschern der Vögel. Dass die neue B 101 gleich hinter dem Areal vorbeiführt, ist kaum zu hören – die Planer haben zum Glück an Lärmschutzanlagen gedacht. Durchgangsverkehr ist im reinen Wohngebiet ebenfalls Fehlanzeige. „Die Lage ist deshalb auch ideal für Familien“, sagt der Makler.

Erste Anfragen gibt es bereits. Ein Arztehepaar hat angekündigt, bauen zu wollen. Wer sich bald entschließt, kann laut Volker Herbold noch vor Weihnachten einziehen. „Wir rechnen mit fünf bis sechs Monaten Bauzeit.“ Möglich ist, was die Kunden wünschen: Einfamilienhäuser genauso wie Reihenhäuser. Selbst Eigentumswohnungen mit Fahrstuhl für altersgerechtes Wohnen sei möglich. „Danach gibt es in Meißen mittlerweile rege Nachfrage.“ Eine gewisse Mobilität sollte allerdings mitbringen, wer ins obere Meisatal ziehen will. Für einen kurzen Spaziergang ist die Innenstadt definitiv zu weit weg. Zwar fährt regelmäßig ein Bus dorthin. Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen oder Arztpraxen sucht man allerdings im direkten Umfeld vergebens. „Dafür herrscht hier oben absolute Ruhe“, sagt der 64-Jährige. Die Feierabend-Entspannung auf Balkon oder Terrasse ist demnach garantiert.

Vor dem Einzug steht allerdings der Grundstückskauf. Und da schlägt sich die schöne Lage merklich nieder: Den Quadratmeter gibt es ab 105 Euro. Zum Vergleich: Die Stadt nimmt an der Niederauer Straße zwischen 60 und 80 Euro. Dennoch ist Volker Herbold zuversichtlich, dass das neue Wohngebiet in drei bis fünf Jahren komplett bebaut ist. „Bei der Lage und den Rahmenbedingungen müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht klappt.“ Und außerdem könne man eine Doppelhaushälfte mit 400 Quadratmetern ohne Keller schon für 240 000 Euro samt Grundstück bekommen. „Da ist das Haus aber fix und fertig, so dass man nichts mehr selbst machen muss.“ Was bekomme man für diesen Preis schon in Dresden oder Weinböhla?

Und ab vom Schuss sei man am oberen Meisatal auch nicht. Über die B 101 braucht man von hier mit dem Auto keine 20 Minuten auf die Autobahn bei Nossen, selbst bis Leipzig ist es nur eine Stunde. „Da können sich Pendler den ganzen Verkehr in der Innenstadt sparen.“ Und Bauen sei derzeit ohnehin das Gebot der Stunde. „Die Zinsen liegen für fünf bis 30 Jahre zwischen 1,6 und 3,5 Prozent.“ Wer 600 Euro Kaltmiete zahle, komme mit Bauen günstiger.

[email protected]