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Bauern testen Algenfutter für Schweine

Die Agraset-Agrargenossenschaft aus Naundorf bekommt 690.000 Euro vom Ministerium. Los geht es aber erst 2021.

Von Maria Fricke
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Seit sieben Jahren wird bei der Agraset-Agrargenossenschaft in Naundorf die Fütterung automatisch gesteuert.
Seit sieben Jahren wird bei der Agraset-Agrargenossenschaft in Naundorf die Fütterung automatisch gesteuert. © J. Voelker

Erlau. In der Agraset-Agrargenossenschaft in Naundorf bei Erlau fressen die Schweine in Zukunft Algen. „Algen scheinen der neue Schrei zu werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Jan Gumpert. Denn zum einen seien sie eine wichtige Eiweißkomponente, zum anderen ein umwelt- und ressourcenschonendes Futter.

Daher wollen die Landwirte im kommenden Jahr mit den Vorbereitungen für einen ganz besonderen Versuch starten. Sie werden einen Photobioreaktor auf dem Firmengelände aufbauen lassen, der Mikroalgen in künstlicher Umgebung produzieren wird. Die mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren Algen sollen dann in das Futter der Schweine gemischt werden. „Sie sind nur eine Ergänzung“, erklärt Gumpert. 

Bisher verfüttern die Tierproduzenten vor allem Gerste und Weizen aus eigenem Anbau an die rund 4.000 bis 4.300 Schweine in Naundorf. Als Eiweißlieferant dienen bislang vorwiegend Erbsen. „Die Komponenten werden wir erhalten, den Anteil an Erbsen anpassen“, so Gumpert. Welche Menge an Mikroalgen die Tiere verkraften, müsse erst einmal getestet werden.

Schon jetzt automatisierte Fütterung

Beobachtet werden die Tiere während des Versuchs nicht nur von Spezialisten der Universität Rostock, die den Versuch wissenschaftlich begleiten, sondern in erster Linie von den Mitarbeitern des landwirtschaftlichen Betriebs. „Das sind alles sehr fähige Mitarbeiter, teilweise diplomierte Landwirte. Richtig gute Leute mit fachlichem Know-how“, betont der Vorstandsvorsitzende. 

Sie werden täglich dokumentieren, wie die Tiere auf das Futter reagieren, wie viel sie zunehmen, wie sie es vertragen. Zudem werden digitale Helfer, wie zum Beispiel Kameras, Waagen sowie Spezialsoftware für die Auswertungen eingesetzt, berichtet Jan Gumpert weiter.

Regelmäßig werden zudem Vertreter der Universität vor Ort sein. Die Forscher werden „die Fütterungsversuche, die physiologischen Effekte der Algen, die Futtermischung sowie das Tierwohl untersuchen“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. 

Die Universität habe den mittelsächsischen Betrieb ausgewählt, da dieser bereits Erfahrung mit hochmodernen, automatischen Fütterungsanlagen habe, erklärt Gumpert. Die Anlage, die vor sieben Jahren in Betrieb gegangen ist, könne gruppengenau die Nahrung portionieren. Dabei werde die Menge alters- und bedarfsgerecht zugeteilt.

Als weiterer Partner mit im Boot sitzt die Gicon Großmann Ingenieur Consult GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Dresden wird den Photobioreaktor für Naundorf zusammenbauen. Mit dieser Produktionseinheit können das ganze Jahr über an jedem beliebigen Ort der Welt Mikroalgen produziert werden, so ein Unternehmenssprecher. Aufgebaut sind die Reaktoren aus einem flexiblen und transparenten Doppelschlauch auf Silikonbasis. „Dieser wurde durch Wacker Chemie für uns entwickelt“, informiert der Sprecher. 

In dem Schlauch befinden sich zwei Kammern, eine für die Mikroalgen, der andere für das Wasser, welches zur Kühlung beziehungsweise Beheizung genutzt wird. „Dadurch kann garantiert werden, dass die Algen stets eine optimale Wachstumstemperatur haben“,so der Sprecher. Das System erlaube die Produktion von Mikroalgen in Lebensmittelqualität.

Für das Unternehmen ist es das erste Mal, dass ein Reaktor zur Produktion von Mikroalgen für die Ernährung von Tieren in Betrieb geht. Die bisherigen Anlagen werden vor allem für die Forschung genutzt. 2011 sind die ersten Reaktoren am Mitteldeutschen Biosolarzentrum an der Hochschule Anhalt in Betrieb genommen worden. 

Ziel der Anlagen dort ist die Weiterentwicklung der Technologie. 2018 wurde ein Reaktor an das Szewalski Institut der polnischen Akademie der Wissenschaften übergeben. Auch diese Anlage wird vorwiegend zur Forschung genutzt. Seit Juni 2019 gibt es am Standort Cottbus ein Oktagon. „Die Einheit aus acht Reaktoren stellt die Basis für einen industriellen Produktionsmaßstab dar“, so der Mitarbeiter des Unternehmens.

Reaktor kommt erst 2021

Die Software für das ganze System sowie die Datenentwicklung wird von der fodjan GmbH entwickelt. Das Unternehmen, das ebenfalls in Dresden sitzt, entwickelt eine webbasierte Plattform, mit der die Fütterung der Tiere gemanaget wird. Mit Fotobioreaktoren hat das Team von fodjan bisher noch keine Erfahrungen, teilte eine Mitarbeiterin auf Nachfrage mit.

Bis die Schweine wirklich Mikroalgen in den Futtertrog bekommen, wird es noch dauern. Für 2020 sind zunächst einmal Vorversuche geplant. Dabei wird getestet, ob die Schweine die Algen als Futtermittel überhaupt akzeptieren. Anschließend geht es um die Konzeption und die Planung des Fotobioreaktors. „Anfang des Jahres 2021 soll dann mit der Errichtung begonnen werden“, so das Ministerium.

Das unterstützt den Versuch mit einer Fördersumme in Höhe von 690.000 Euro. „Das Vorhaben der Agraset-Agrargenossenschaft ist in dieser Art einzigartig“, sagte Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU). „Es sind genau dieser Mut und dieses innovative Denken über den Tellerrand hinaus, die es braucht, um die Landwirtschaft noch nachhaltiger zu gestalten.“ 

Jan Gumpert vom Naundorfer Betrieb begrüßt die Förderung. In den Produktionskosten für Milch und Fleisch ist kein Geld für Forschung enthalten, so Gumpert. Geld sei dafür demnach nicht vorhanden. Er sieht es daher als staatliche Aufgabe an, die Forschung in der Landwirtschaft zu unterstützen. Mit der Summe des Ministeriums werden 20 Prozent der Kosten des Projektes gedeckt. Die Naundorfer Landwirte selbst stellen Equipment zur Verfügung. Und das Personal, ergänzt Gumpert.