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Bauernregeln fürs Gemeindeblatt

Wetter-Expertin Bärbel Reich hat neue Sprüche erhalten. Jetzt will sie prüfen, ob diese auch für die Oberlausitz zutreffen.

Von Thomas Christmann

Steigt im März der Nebel auf, nach 100 Tagen gewittert‘s drauf. Das ist eine der Bauernregeln, die Bärbel Reich bereits kennt. Eine alte Bäuerin aus Eibau überbrachte den Vers, an den sich schon ihr Großvater hielt. Und die Leiterin vom Oderwitzer Wetterkabinett konnte den Spruch über die Wetteraufzeichnungen der vergangenen Jahre inzwischen nachvollziehen. „Der stimmt kurioserweise“, sagt sie. So muss auch dieses Jahr am ersten Juli-Wochenende mit einem Gewitter gerechnet werden. Der Grund: In den Nächten vom 28. bis 30. März stieg Nebel auf.

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Doch Frau Reich wünscht sich mehr von diesen Bauernregeln aus der Oberlausitz. Sie hat etliche Bücher davon, denn schon immer achteten Landwirte, aber auch andere naturverbundene Menschen wie Fischer, Förster oder Schäfer, auf das Wetter. Nur manches überschneide, anderes widerspreche sich, sagt sie. Und nie habe jemand dazu geschrieben, wo er seine Beobachtungen machte.

Deshalb startete die Oderwitzerin kürzlich einen Aufruf in der Sächsischen Zeitung, auf der Suche nach regionalen Versen – mit Erfolg. Ein Eibauer und Nieskyer meldeten sich kürzlich bei ihr. Dessen Großeltern betrieben eine Landwirtschaft und arbeiteten nach Bauernregeln, die sie der nächsten Generation hinterließen. So hat die Leiterin nun so viele Sprüche zusammenbekommen, dass diese für ein gesamtes Jahr reichen. Darunter würden sich auch Verse finden, die sie noch überprüfen müsse, sagt Frau Reich. Schließlich seien es keine wissenschaftlichen Vorhersagen, wenn auch oftmals ebenso zuverlässig.

Die Expertin will nun jeden Monat im Amtsblatt eine Bauernregel veröffentlichen und diese auch in die wöchentlichen Wettervorträge einfließen lassen. Der erste Spruch steht in der neuesten Ausgabe von Oderwitz: „Hat der April mehr Regen als Sonnenschein, wird‘s im Juni trocken sein“. Doch bislang habe die erste Hälfte des Monats noch nicht die Mengen gebracht, die er dafür bräuchte, sagt sie.

Und Frau Reich ist auch schon am nächsten Thema dran. In Oppach lebt ein Mann, der mit Zwiebeln das Wetter für das gesamte Jahr vorhersagt. Dazu vollzieht Dieter Wagner ein besonderes Ritual. Alles, was der 75-Jährige für seine Vorhersagen in der Silvesternacht braucht, sind zwölf etwa gleich große Zwiebeln, ein wenig Salz und ein gutes Auge. Eine Woche müssen diese liegen, Außen- und Innentemperatur gleich sein. Feuchte Stellen im Salz etwa deuten auf Regen hin, trockene Kristalle auf Gewitter. Und kleine Vertiefungen in der Salzoberfläche zeigen für die Wintermonate Schnee. Das Ergebnis trägt Wagner jedes Jahr in seinem Zwiebelkalender zusammen. „Wir wollen uns im Sommer treffen“, sagt die Oderwitzerin. Er solle ihr das unbedingt mal zeigen.